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Greifswald Prora – ein Kreuzfahrtschiff an Land
Vorpommern Greifswald Prora – ein Kreuzfahrtschiff an Land
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00:04 04.06.2018
So stellte sich einst der Architekt Clemens Klotz das KdF-Bad Rügen vor. REPRO: OZ

Im Kraft-durch-Freude (KdF)-Bad Rügen hat vor 1945 niemand Urlaub gemacht, auch wenn selbst viele Zeitgenossen der 1930er -Jahre das geglaubt haben.

So gut war die Propaganda der Nationalsozialisten, die Werbung mit einem blonden und blauäugigen Paar vor der traumhaften Kulisse und vor einem Musterzimmer von 2,25 mal 4,75 Metern mit Waschbecken machten, was damals schon echter Komfort war. Das verdeutlichte Susanna Misgajski, die Leiterin des Prora-Zentrum, in Greifswald bei ihrem Vortrag über „Prora – Die Geschichte des geplanten Seebades in der Zeit des Nationalismus (1936-1945)“.

Dabei hieß der Ort an der Prorer Wiek, auf dessen Gelände nur ein Forsthaus stand, damals gar nicht Prora, sondern KdF-Bad Rügen, also mit direktem Bezug auf die von Robert Ley geleitete Organisation „Kraft durch Freude“. Sie nahm für sich in Anspruch, Arbeitern einen preiswerten Urlaub zu ermöglichen. 20 Reichsmark in der Woche pro Person, das war auch für Normalbürger erschwinglich, so Susanna Misgajski. 20000 sollten es gleichzeitig in Prora sein. Jedes Zimmer hatte Meerblick. Im Erdgeschoss der Blöcke sollten Läden entstehen. Weitere Kdf-Bäder waren an der Ostseeküste ab Timmendorfer Strand bis nach Ostpreußen geplant. Allerdings wurde nicht einmal Prora fertig.

Nahe Binz wurde 1936 der Grundstein für das KdF-Bad Rügen gelegt. Die Rodung des Küstenwaldes erfolgte 1937, doch der Kriegsbeginn 1939 brachte bereits den Baustopp. Die kilometerlange Front der acht Bettenhäuser, die durch riesige, bis zum Strand reichende Restaurants verbunden werden sollten (nur Fundamente erinnern daran) ist lediglich zum Teil errichtet worden, und auch das nur im Rohbau. Öffentliche Bauten liefen – wie heutzutage nicht anders auch in der NS-Zeit – häufig aus dem Ruder. 72 Millionen Euro Reichsmark sollten es laut Planung für Prora sein. Eine

Kostenschätzung von Ende 1938 ging von 240 Millionen Reichsmark aus. Darum wurde die vorgesehene Festhalle für 20000 Menschen durch einen Aufmarschplatz ersetzt. Das Projekt des Seebades bei Binz erregte internationales Aufsehen. Das Modell bekam auf der Pariser Weltausstellung 1937 eine Goldmedaille.

Das KdF-Bad steht am Beginn des Massentourismus, so Misgasjski. Allerdings nur für Erwachsene. Kinder waren nicht vorgesehen – die sollten in den NS-Organisationen erzogen werden, erläuterte die Leiterin des Dokumentationszentrums. Sie verglich das Seebad mit einer Kreuzfahrtschiff am Strand. Für solche Kreuzfahrtangebote verfügte KdF über Schiffe wie die „Wilhelm Gustloff“ mit 2000 Passagieren. Der genau geregelte Ablauf vom Wecken um 6.20 Uhr über Frühsport, Vorträgen und Musik aus Lautsprechern bis zur Nachtruhe um 24 Uhr hört sich für heutige Urlauber gruselig an.

Prora verändert sich derzeit rasant. Es herrscht Goldgräberstimmung. Eigentums- und Ferienwohnungen mit Balkons zur Ostsee entstehen. Die Denkmalpflege hat sehr weitreichende Zugeständnisse gemacht.

Die in einem der Blöcke bestehende Jugendherberge bekommt keine Balkone. Nach der Sanierung und Umgestaltung wird das zuletzt bis 1992 vom Militär genutzte Prora nicht mehr wiederzuerkennen sein.

E. Oberdörfer

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