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Prorektor wünscht sich Namen „ohne Beipackzettel“

Greifswald Prorektor wünscht sich Namen „ohne Beipackzettel“

Die Universität eröffnet auf Beschluss des Senats die dritte Runde der Debatte um ihren Patron / Im Januar könnte es eine Urabstimmung geben

Greifswald. Die zwölf studentischen Senatoren sind sich einig: Ernst Moritz Arndt, der Patron der Greifswalder Universität, muss endlich weg. Im 36-köpfigen Hochschulparlament fanden sie gestern viele Unterstützer für dieses Anliegen. Es ist nach 1998/2001 und 2009/10 der dritte Anlauf gegen den ungeliebten Namen. Beide Male überstand Ernst Moritz Arndt die Attacken gegen sein Patronat.

Der Senat beschloss nach längerer Debatte bei drei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen die Organisation einer hochschulöffentlichen Informationsveranstaltung im Oktober zu Leben, Werk und Bedeutung des streitbaren und wortgewaltigen Pommern. Der frühere Greifswalder Geschichtsprofessor galt 1856 wegen seines Engagements für die deutsche Einheit und gegen Napoleon als nationale Ikone. Er wurde darum zur 400-Jahr-Feier der Hochschule durch die Aufnahme als Vertreter der Greifswalder Philosophischen Fakultät am Rubenowdenkmal geehrt. Seinen Namen trägt die Uni seit 1933. Dass Hermann Göring die Verleihungsurkunde unterzeichnete, führen die Arndtgegner auch in der aktuellen Debatte an.

Mit Arndt könnten sich nicht alle Hochschulangehörigen identifizieren, meint Prorektor Micha Werner. Er wünsche sich unabhängig von der Bewertung Arndts einen Namen, für den man „keinen Beipackzettel“ benötige. Damit spielte der Philosophieprofessor auf die Ausführungen zu Arndt auf der Internetseite der Hochschule an. Auch Rechtsprofessor Heinrich Lang hat große Probleme mit dem Namen. Er passe nicht zu einer weltoffenen Hochschule. Dessen „antisemitische Äußerungen sind ein großes Übel.“ In vergangenen Debatten wurde auch mit dessen „Franzosenfresserei“ gegen Arndt argumentiert.

Ursprünglich hatten die studentischen Senatoren beantragt, dass das Rektorat eine Urabstimmung zur Beibehaltung oder Ablegung des Namens im Januar 2017 plant und ein Konzept dafür im Oktober vorlegt.

Die Gleichstellungsbeauftragte Ruth Terodde schlug indes vor, nach der Debatte gleich den Senat entscheiden zu lassen. Der kann mit Zweidrittelmehrheit Namen tilgen. Die Urabstimmung sollte, so der Vorschlag, in den drei Statusgruppen (Professoren, Mitarbeiter und Studenten) erfolgen. Damit würde eine basisdemokratische Entscheidung getroffen, argumentierte der studentische Senator Hannes Nehls. Die Urabstimmung wurde nicht beschlossen, bleibt aber eine künftige Möglichkeit. Mit Details, auch den Kosten, soll sich jetzt das Rektorat befassen.

Der studentische Senator Milos Rodatos spielte in der Diskussion indirekt auf die letzten Debatten um den Rechtsprofessor und AfD-Landtagskandidaten Ralph Weber an, dem mehrfach Rechtsextremismus vorgeworfen wurde. Sie wurden auch überregional thematisiert. Diese Wertungen seien neue Argumente für die Ablegung des Namens. Wie die Uni künftig heißen sollte, blieb offen.

Wie sehr der Patron Arndt bewegt, zeigten die vielen Wortmeldungen im Hochschulparlament. Senatspräsidentin Maria-Theresia Schafmeister mahnte darum, dass nicht die Debatte über Arndt, sondern über den Antrag der Studenten zur Urabstimmung der Professoren, Mitarbeiter und Studierenden auf der Tagesordnung stand.

Die Debatten um den Patron

1998 löst ein Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ mit demTitel „Ein fataler Patron“ den ersten großen Sturm gegen Arndt aus, der 2001 abebbt. Ähnliche Bestrebungen gab es in den Jahren davor.

2009sprechen sich bei einer extrem gut besuchten Vollversammlung der Studenten 95 Prozent der Teilnehmer für die Ablegung des Namens aus. Die Initiative „Uni ohne Arndt“ wird auch international stark beachtet. 2010votiert eine Mehrheit der Studenten im Januar per Urabstimmung für die Beibehaltung des Namens. Im März positioniert sich der Senat mit Mehrheit für Arndt.

Eckhard Oberdörfer

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