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Greifswald Protestaktion nach dem Abriss
Vorpommern Greifswald Protestaktion nach dem Abriss
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01:26 09.02.2015
Auf dem Markt wurde am Sonnabendnachmittag eine drei Steine hohe Mauer errichtet. Quelle: Annemarie Bierstedt
Greifswald

Marktbesucher staunten am Sonnabendnachmittag nicht schlecht. Schilder wie „Hier entsteht für Sie ein Freiraum zum Gestalten“ und „Bauarbeiten“ wiesen die Vorbeikommenden auf eine ungewöhnliche Aktion hin. Mit Absperrband, Schubkarren, Backsteinen, Schippen, Bauhelmen und -kleidung ausgerüstet kamen etwa 40 Menschen zum Marktplatz. Sie wollten den Grundriss eines Hauses mit Steinen zu legen. Noch einmal zeigte die Bürgerinitiative „Brinke 16/17 erhalten“ Präsenz.

Erwartet wurden von den Organisatoren sogar etwa 200 Teilnehmer, also so viele wie bei vorangegangenen Aktionen, zu denen die Initiative einlud. Aber ihr Kampf hat bekanntlich ein vorläufiges Ende gefunden. Das Vorstadthausensemble (siehe unten stehender Beitrag) ist nicht mehr. Es wurde vor einer Woche abgerissen (die OZ berichtete).

Die Initiative wollte in der Brinkstraße einen Vorstadttreff mit Kultur und Kreatiwerkstätten und mit Lesecafé, einen Wohnort, ein Zentrum solidarischer Landwirtschaft einrichten. Zuletzt zog der Bioladen „Sonnenmichel“ aus, nachdem er seinen Revisionsantrag gegen eine Entscheidung des Amtsgerichts zurückgezogen hatte. Der Richter hatte die Kündigung seines Mietvertrags für rechtens erklärt.

Der Demminer Bauunternehmer Roman Schmidt plant an dieser Stelle ein weiteres Mehrfamilienhaus (die OZ berichtete). Auf Angebote, an anderen Stellen der Stadt zu investieren, ging er letztlich trotz anderer von ihm ausgesandter Signale nicht ein. Auch ein Vermittlungsversuch von Bausenator Jörg Hochheim (CDU) in letzter Minute scheiterte, weil Schmidt den Termin kurzfristig absagte.

Eine Hausbesetzung kostete die Brinke-Befürworter bei vielen Greifswaldern Sympathien. Juristisch betrachtet ist Schmidt als Eigentümer im Recht. „Wir wollen ein Zeichen, ein Mahnmal setzen“, erklärt Mitorganisator Jan Ole Schulz den Sinn der Aktion am Sonnabend. „Auch wenn das Haus jetzt abgerissen wird, wir sind noch da“, macht Lieselotte Meyer, ebenfalls aktiv in der Bürgerinitiative, deutlich. „Wir wollen hier den Grundriss eines Gebäudes errichten, was symbolisch für kulturelle, ökologische und soziale Freiräume steht.“ Die Aktivisten bemängeln, dass es aus ihrer Sicht in Greifswald für solche Zecke zu wenig Räume gebe. Bei winterlichen Temperaturen legten die 40 Teilnehmer auf einer etwa 30 Quadratmeter großen Fläche auf dem Markt einen Gebäudegrundriss mit Türen, Zimmern und einer drei Reihen Backsteine hohen Mauer. Anschließend räumten sie ein Sofa, Stühle, einen Tisch und eine Lampe in ihre „Räume“. Studenten, junge Familien, Künstler und sozial engagierte Bürger.

Einer hatte eine Gitarre dabei und gemeinschaftlich sangen sie das selbst kreierte „Brinkelied“: „Oh Brinkehaus, mit dir stirbt ein Teil der Geschichte unserer Stadt. Doch etwas bleibt.“ Die Organisatoren hatten von der Stadt Auflagen erhalten. Die Steine durften nicht schadstoffbelastet sein und nach der Kampagne musstet der Markt wieder aufgeräumt und gefegt werden.

Vorbeikommende Fußgänger positionierten sich unterschiedlich zu dem Geschehen. Der Greifswalder Robert Wollenberg fand: „Es ist eine gute Aktion, um darauf aufmerksam zu machen, dass eine schicke Fassade nicht alles ist und Kreativität Raum braucht.“ Auch Monika Riedel hatte die Problematik um das Brinkehaus mitverfolgt und bedauert das Verschwinden des Bioladens. „Ich halte das für eine gute Aktion. Sehr interessant“, findet sie.

Andere zeigten sich aber eher skeptisch. „Und was bringt das jetzt? Es ist doch schon entschieden und außerdem waren die Eigentumsverhältnisse von vornherein klar geregelt“, meinten drei Passantinnen.

„Auch wenn das Haus abgerissen ist, wir sind noch da.“Lieselotte Meyer, Mitglied der Initiative



Annemarie Bierstedt

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