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Psychiatrie wieder in Greifswald vereint

Greifswald Psychiatrie wieder in Greifswald vereint

Die Ärzte gehen neue Wege bei der Behandlung psychischer Probleme bei gleichzeitiger Fettleibigkeit

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Psychiatrie wieder vereint

Hans Jörgen Grabe mit einer Mitarbeiterin auf der Station.

Quelle: Kilian Dorner

Greifswald. In den 1990er Jahren war die Psychiatrie von Greifswald nach Stralsund verlegt worden. Nun ist sie wieder vollständig in Greifswald. Prof. Hans Jörgen Grabe leitet eine Station mit 30 Betten, eine Psychiatrische Tagesklinik und eine Psychiatrische Institutsambulanz mit angeschlossener Traumaambulanz. Für die Ausbildung der Medizinstudenten ist die Wiederzusammenführung der Psychiatrie von großem Vorteil.

Die Sundstadt ist aber nicht aus dem Greifswalder Kosmos verschwunden. „Die sehr gute Kooperation mit dem Helios Hanseklinikum Stralsund in der Nachwuchsförderung, Weiterbildung und Krankenversorgung setzen wir fort“, kündigt der Vorstandsvorsitzende der Unimedizin Prof. Max Baur an. Und der Stralsunder Chefarzt Prof. Harald Freyberger wirke weiter in Greifswald als Universitätsprofessor.

Noch ist allerdings die Psychiatrie in Greifswald auf zwei Standorte verteilt. „Ich komme mir manchmal schon wie ein Handlungsreisender vor“, scherzt Hans Jörgen Grabe. Die Station befindet sich im sechsten Bettenturm am Beitzplatz. Ambulanz, Tagesklinik und Forschungsräume sind aber in der Ellernholzstraße in der Fettenvorstadt zu finden. Außerdem nutzt die Psychiatrie inzwischen Räume der früheren HNO-Klinik für Ergotherapie. „Es gibt Überlegungen, dieses Gebäude noch stärker durch uns zu nutzen“, sagt Grabe. „Dann wäre die räumliche Nähe gewährleistet. Aber das kostet Geld.“ Noch sei nichts entschieden. „Die Station ist toll“, betont der Direktor.

„In der stationären Behandlung setzen wir drei Therapieschwerpunkte", erläutert er. „Im Fokus stehen bei uns Menschen mit Depressionen, Patienten mit psychischen Erkrankungen, die gleichzeitig an Fettleibigkeit leiden, sowie solche mit Angst- und Zwangsneurosen und posttraumatischen Belastungsstörungen.“

Neue Wege gehen die Greifswalder seit etwas über einem Jahr bei der Behandlung stark übergewichtiger Menschen mit psychischen Problemen. „Das ist wissenschaftlich derzeit ein ganz großes Thema“, betont Grabe. Die Alterung der Gesellschaft und die überproportionale Zunahme von Krankheiten wie Diabetes und Stoffwechselstörungen seien große Probleme unserer Zeit. „Es ist sinnvoll, dass es die Natur so eingerichtet hat, dass Essen Menschen Glücksgefühle vermittelt“, erläutert der Professor die Problematik aus psychiatrischer Sicht. Dieser natürliche Mechanismus werde von „Konflikt- oder Sorgenessern“ aber zur Regulierung von Emotionen wie Traurigkeit eingesetzt. Andere treiben aus dem gleichen Grund Sport oder trinken Alkohol.

Menschen mit ernsthaften seelischen Erkrankungen neigten zur verhängnisvollen Methode der Stressbekämpfung durch zu hohe Kalorienaufnahme, sagt Grabe. Folge: Sie werden dicker, vereinsamen, Rücken und Gelenke schmerzen. „Dagegen“ wird wieder gegessen. Ein Teufelskreis, den die Betroffenen nicht allein durchbrechen können. „Wir behandeln solche Patienten stationär, begleitet von einem Essprogramm“, erklärt Grabe. Die Betroffenen seien bis zu 240 Kilo schwer, viele trauten sich kaum noch aus dem Haus. „Sie müssen wieder lernen, was normale Appetitanreize sind, was Sättigung ist, wie große Portionen sein dürfen, wie man gesund kocht“, erläutert der Mediziner. Damit sollen sie das krankhafte Suchtverhalten unter Kontrolle bekommen und psychisch stabilisiert werden. „Das ist richtig harte Arbeit.“ Bei Depressionen sei die Behandlung nach den bisherigen Erfahrungen recht erfolgreich. Auch das plötzliche Abnehmen nach einem chirurgischen Eingriff müsse in einigen Fällen intensiv psychotherapeutisch begleitet werden, ergänzt Grabe.

Die Betroffenen kommen aus allen Schichten der Gesellschaft. In der Mehrheit seien sie 20 bis 60 Jahre alt. Um den Langzeiterfolg zu sichern, plant die Klinik den Einsatz der Telemedizin, um mit den Patienten in Kontakt zu bleiben.

Die Geschichte

2008 wurde an der Universitätsmedizin eine Tagesklinik für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit aktuell 27 Plätzen in der Ellernholzstraße eröffnet. Im gleichen Jahr entstand hier die Institutsambulanz. Seit März 2013 finden Opfer von Gewalttaten in der speziell dafür eingerichteten Trauma-Ambulanz professionelle Hilfe. 2015 folgte die psychiatrische Station mit 30 Betten im Klinikneubau. Insgesamt arbeiten 22 Pflegekräfte sowie 26 Ärzte, Therapeuten, Sozialarbeiter und Wissenschaftler an der neuen Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Greifswald.

Eckhard Oberdörfer

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