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Greifswald Psychologin: „Die Kraft der Glücksmomente nutzen“
Vorpommern Greifswald Psychologin: „Die Kraft der Glücksmomente nutzen“
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00:05 11.11.2016
In ihre Idylle voller Glücksmomente am Ryck haben sich Philipp Rochow, Jasmin Kaap und Vivien Boehk von der Caspar-David-Friedrich-Schule hineinfotografiert, zusammen mit allen Klassenkameraden. Der Landkreis hatte einen Malwettbewerb zum Thema Glück ausgerufen. Quelle: Sybille Marx
Greifswald

Für Lehrer und Eltern mag es wie Trotz ausgesehen haben: Immer öfter schwänzte dieser 17-jährige Gymnasiast die Schule, immer schlechtere Noten brachte er mit nach Hause. Doch als er schließlich in der Psychiatrie des Helios-Klinikums Stralsund landete, zeigte sich: „Er fühlte eine große Angst und innere Leere“, erzählt Kinder- und Jugendpsychiaterin Susanne Schmidt. Bis hin zu dem Gedanken: „Ich kann nicht mehr, ich wäre lieber tot.“

Wochen der Seelischen Gesundheit

Heute, 11. November, 9 bis 13 Uhr: Vortrag und Workshop zum Thema Essstörungen (Diagnostik und Therapieansätze) im Gesundheitsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Stralsunder Str. 5 in Greifswald

Dienstag, 15. November, 18 bis 20 Uhr: „Manchmal hilft nur Schweigen“. Buchlesung mit Polizeiseelsorger Andreas Schorlemmer im St. Spiritus.

Veranstalter der Gesundheitswochen ist der Landkreis.

Studien zeigen: Jeder fünfte Heranwachsende in Deutschland ist inzwischen psychisch auffällig oder krank, Tendenz steigend. Am häufigsten kämpfen Kinder und Jugendliche laut Susanne Schmidt mit Depressionen, Angst- und Essstörungen oder mit unterschiedlichen Suchtproblemen.

Um aufzuklären, zu beraten und präventive Ansätze zu stärken, hat der Landkreis Vorpommern-Greifswald wieder mit Partnern die „Wochen zur seelischen Gesundheit“ auf die Beine gestellt, bietet er bis zum 15. November Vorträge, Weiterbildungen, Kreativkurse, Filme und andere Aktionen an.

Zum Vortrag von Susanne Schmidt an diesem Mittwoch sind rund 50 Lehrer, Schulsozialarbeiter, Ergotherapeuten, Eltern und andere gekommen, darunter etwa Britta Rickmann, Schulsozialarbeiterin der Caspar-David-Friedrich-Schule. „Wir merken das auch bei uns, dass immer mehr Kinder psychische Probleme haben“, sagt sie. Viele einzelne Schüler und ihre Eltern brauchten heute Begleitung, „und öfter muss ich auch sagen: Hier endet meine Profession, ich vermittle weiter an Experten.“

Laut Susanne Schmidt stecken hinter dieser Tendenz auch gesellschaftliche Gründe: „Wir sind eine Konkurrenzgesellschaft geworden“, sagt sie. „Die Leute vereinsamen, es gibt so viele Angebote, und über die Medien kommen auch die Weltprobleme zu uns.“

Ihre goldene Regel für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten: die „Annahme des guten Grundes“: „Wir sollten davon ausgehen, dass alles, was ein Mensch an Verhalten zeigt, einen Sinn in seiner Geschichte hat“, erklärt Susanne Schmidt. Darum sei es gut, zu fragen. „Warum machst du das? Oder: Machst du das, weil...?“

Bei dem 17-jährigen Schulschwänzer etwa hätten sich auf der inneren Bühne so schreckliche Szenarien abgespielt, „dass er sich auf den Schulstoff gar nicht konzentrieren konnte“; mit Böswilligkeit habe das nichts zu tun gehabt.

Die Annahme des guten Grundes helfe auch, zwischen Person und Tat zu unterscheiden, sagt Susanne Schmidt. „Wenn ein Jugendlicher Drogen nimmt, kann ich ihm sagen: Ich akzeptiere Deinen guten Grund, aber ich sage Dir, dass ich mit Deiner Tat nicht einverstanden bin.“ So komme bei dem Betroffenen die Botschaft an, dass sich jemand für ihn interessiere.

Um Druck und Versagensängsten entgegenzuwirken, sei es aber auch wichtig, bei den Stärken der Kinder anzusetzen, ihnen neue Erfahrungen zu ermöglichen, Aufgaben und Vorbilder zu geben, Mitbestimmungsrechte einzuräumen und nach transparenten Regeln zu handeln. „Versehrte Kinder leiden oft unter Ohnmachtsgefühlen und Kontrollverlust“, sagt Susanne Schmidt. Darum sei es wichtig, ihre Selbst-Wirksamkeit zu stärken, ihnen einen sicheren Ort zu schaffen.

Und dann gebe es da noch ein ganz anderes, simples Mittel, das oft unterschätzt werde: „die Kraft der Glücksmomente“. „Schaffen Sie sich und anderen Glücksmomente“, sagt Susanne Schmidt. Denn wer auf der Freudenseite viel erlebe, könne auch die schwere Seite des Lebens besser bewältigen.

Sybille Marx

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