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Greifswald Rauchen, stricken, dösen: In Vorlesungen früher normal
Vorpommern Greifswald Rauchen, stricken, dösen: In Vorlesungen früher normal
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00:00 20.10.2016
Schlüsselszene vor der Lochwand: Heinz-Gerd Hufen, Geschäftsführer des Betriebs für Bau und Liegenschaften MV mit Rektorin Weber.

Greifswald. Weihnachtskalender oder Weinregal? Die lochversehene Backsteinwand im Foyer des neuen Hörsaals am Campus Loefflerstraße weckt unterschiedliche Assoziationen, das zeigte sich am Dienstagabend bei der Einweihungsfeier mit knapp 200 Gästen.

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Der neue Hörsaal am Loeffler-Campus wurde eingeweiht, knapp 200 Gäste aus Wissenschaft und Politik kamen – Gelegenheit zum Plaudern

STADTGESPRÄCH

Es berichtet Veronika

Uhl. Sie erreichen sie

unter ☎ 03834 / 793693.

Bei den Studenten hat die Wand längst den Spitznamen Adventskalender weg, verriet der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses, Hieronymus Jacker. Den Landtagsabgeordneten Egbert Liskow (CDU) erinnert sie an ein Weinregal. Dabei war er zu Studienzeiten eher Biertrinker. „Am Herrentag sind meine Freunde und ich mit einem Bierfass im Handwagen durch Zittau gezogen“, sagte er. „Das war ’ne schöne Sache.“

Löcher hin oder her: „Das Hörsaalgebäude bietet endlich Platz für größere Kongresse“, freut sich Rektorin Johanna Weber. Für rund neun Millionen Euro war es als Teil des neuen Campus gebaut worden.

Zwei Hörsäle mit je 152 Plätzen und ein dritter mit knapp 500 Sitzen gehören dazu. Der größte, das „Audimax“, kann mit Hilfe einer mobilen Trennwand in zwei kleinere Säle unterteilt werden

Verglichen damit waren ihre eigenen Studienbedingungen „grottenschlecht“, sagte Noch-Finanzministerin Heike Polzin (SPD), die bis 1978 in Greifswald studiert hat. „Man wollte nichts anfassen, falls es bröckelte.“ Sprüche auf den Holzbänken, wie „Hier starb ein Genie“, habe sie noch ganz schnuckelig gefunden. Und auch das, was unter den Bänken passierte: „Wenn es kalt war, haben wir unter der Bank gestrickt“, sagte Polzin.

Handarbeiten im Hörsaal seien keineswegs selten gewesen, bestätigten auch Professorin Barbara Bröker, Leiterin der Abteilung für Immunologie, und die Rektorin. „Das war die Zeit des Strickens“, sagte Johanna Weber, die in Mainz studiert hat. „Man durfte auch überall rauchen, selbst in den Vorlesungssälen, und kam und ging, wie man wollte.“ Die Lehre an der Uni sei sehr lieblos gewesen, die Professorenschaft weniger engagiert als heute, meint die 61-Jährige. Da sei sie auch mal in einer Vorlesung weggenickt. „Aber ich hatte das Gefühl, das fällt nicht auf.“

Dass es nicht ausreicht, sich nachher die Mitschriften zu besorgen, ist eine Erkenntnis, die Thomas Stamm-Kuhlmann während seiner Studienzeit gemacht hat. Der Dekan der philosophischen Fakultät zitierte einen vielgehörten Satz von damaligen Dozenten: „Kopieren ist nicht kapieren.“

Unter den Greifswalder Studenten wurde der Vorschlag laut, die kahlen, weißen Wände der Hörsäle zur Verschönerung mit Graffiti freizugeben. Aber vielleicht könnte man auch die Säulen umstricken.

OZ

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