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Rechtsmediziner lösen Kriminalfall aus dem Jahr 1994

Greifswald Rechtsmediziner lösen Kriminalfall aus dem Jahr 1994

Vor über 20 Jahren wurde ein 25-jähriger Gützkower als vermisst gemeldet / 2004 tauchten Leichenteile auf, jetzt sind sie identifiziert

Greifswald. Endlich Gewissheit, nach über 20 Jahren: Rechtsmediziner der Universität Greifswald haben jetzt mit Hilfe neuester wissenschaftlicher Methoden einen Kriminalfall aufgeklärt, der bis in das Jahr 1994 zurückreicht.

Damals, konkret am 21. Mai, wurde ein 25-jähriger Gützkower als vermisst gemeldet. Die Suche nach ihm blieb erfolglos. Gut zehn Jahre später, im Sommer 2004, wurden Leichenteile aus der Peene geborgen. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf, die Identität der Person aber blieb unklar. Erst jetzt steht dank einer DNA-Analyse fest: Es handelt sich um jenen jungen Mann aus Gützkow.

Mit anderen Worten: Ein 22 Jahre alter Vermisstenfall ist aufgeklärt, die Familie hat endlich Gewissheit.

Möglich wurde dies, weil das Greifswalder Institut für Rechtsmedizin die Leichenteile seit zwölf Jahren aufbewahrt. Ein Angler hatte sie am 28. Juni 2004 entdeckt, als er etwa einen Kilometer von der Gützkower Fähre entfernt in der Peene fischte. „Einen Monat später, am 8. Juli 2004, wurde beim Fährhaus Stolpe aus der Peene ein Turnschuh mit menschlichen Geweberesten geborgen“, berichtet Polizeisprecherin Carolin Radloff vom Polizeipräsidium Neubrandenburg.

Zwar kamen die Funde in die Rechtsmedizin. „Doch mit den damaligen Methoden war es nicht möglich, die menschlichen Leichenteile zu identifizieren“, erklärt Carolin Radloff. Erst jetzt hätten die Experten aus den vorliegenden Funden ausreichend DNA-fähiges Material extrahieren können. Dr. Anja Klann, Laborleiterin im Greifswalder Institut für Rechtsmedizin, bestätigt das. Sie hat die Untersuchungen vorgenommen und das Gutachten erstellt, das jetzt der Polizei vorliegt. „2004 gab es natürlich auch schon DNA-Analysen, aber längst nicht die Verfahren, die wir heute haben“, sagt die Biologin. Sie selbst arbeite seit 2009 im Institut. Die Kollegen damals hätten viel mehr DNA benötigt, um ein Profil erstellen zu können, das einen Vergleich mit vorliegenden Daten ermögliche. „Heute können wir mithilfe molekulargenetischer Untersuchungen selbst stark postmortal veränderte DNA nutzen“, sagt die 39-jährige Gutachterin.

Im Klartext: Mit dem Eintritt des Todes beginnt die DNA als Träger der Erbinformation sich zu zersetzen. Umwelteinflüsse, wie im Falle des vermissten Gützkowers das Wasser der Peene, würden derlei Prozesse in der Regel noch beschleunigen. „Deshalb freuen wir uns um so mehr, dass der Fall nach so vielen Jahren noch aufgeklärt werden kann“, sagt Anja Klann. Dazu habe auch eine vergleichende DNA eines Verwandten beigetragen, die bereits im Zusammenhang mit dem Vermisstenfall gewonnen wurde. „Allein das Profil einer Person hilft ja nicht, sie zu identifizieren. Wir brauchen immer Vergleichsmaterial, entweder von Gegenständen oder eben Verwandten“, erklärt die Laborleiterin. Im Übrigen gab es laut Polizei all die Jahre keine Hinweise auf ein mögliches Verbrechen in dem Fall des vermissten Gützkowers.

Petra Hase

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