Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Regionale Unternehmen müssen digital wahrnehmbar werden
Vorpommern Greifswald Regionale Unternehmen müssen digital wahrnehmbar werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 25.11.2017
Pasewalk

Wie wird der Landkreis Vorpommern-Greifswald im Jahr 2050 ausschauen? Wohin entwickelt sich die Wirtschaft? Was wird bis dahin aus den ländlichen Räumen, die in der jüngeren Vergangenheit so arg unter der Zentralisierungspolitik aus Schwerin gelitten haben? Und wie gelingt es, für die jungen Generationen attraktiv(er) zu werden? Ein überaus anspruchsvolles Programm hatte die Förder- und Entwicklungsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mbH (FEG) für gerade mal vier Stunden sich und den rund 100 Teilnehmern aus Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Medien am Donnerstagnachmittag aufgenackt. Weshalb zwangsläufig vieles nur knapp angerissen werden konnte, es aber dennoch reichlich Gelegenheit gab, Reizworte zu setzen und Widerspruch zu provozieren.

Weitgehend Konsens herrschte während der Vorträge und der sich anschließenden Podiumsdiskussion erfolgreicher Jungunternehmer aus dem Nordosten vor allem dazu: Globalisierung, Digitalisierung und Biologisierung sind Megatrends, die den Akteuren von heute allerbeste Chancen für morgen und übermorgen einräumen. Man muss sie nur ernst nehmen und „mutig anpacken“, wie mehrere Teilnehmer forderten. Für die Dynamik von Stadt und Land fehlen hingegen noch geeignete Rezepte, formulierte Ulrich Vetter, Chef der FEG. Hart und unmissverständlich, aber zutreffend. Und: Das Image des Landkreises und der Region sei – ungerechterweise – schlecht, ja sogar sehr schlecht. „Und gegen ein schlechtes Image Investoren zu finden und sie auch noch anzusiedeln, ist nahezu unmöglich“, spitzte er zu.

Dennoch sei die Lage in einem ostseenahen Expansionsgebiet zwischen zwei boomenden Regionen und Metropolen, Berlin/Brandenburg und Stettin, geradezu einladend, sich infrastrukturell, wirtschaftlich und durch diverse Netzwerke weitaus stärker als bis dato einzubinden. Der westliche Teil von MV sei hier aufgrund seiner Nähe zu Hamburg und bereits vorhandener Verbindungen eindeutig im Vorteil.

Vorpommern müsse dringendst aufholen. Auch wegen der mangelhaften Attraktivität für junge Menschen, potenzielle Gründer und Start-ups.

Wie das funktionieren kann, machten Jugendforscher Simon Schnetzer, der in Kempten unter anderem eine Gründervilla installiert hat und betreibt, sowie Dr. Oliver Stettes vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft nachvollziehbar. Etwa am Beispiel der sich dynamisch ausbreitenden Flexibilisierung von Arbeit und Arbeitszeit. Stichwort Homeoffice. So hält es Stettes durchaus für wahrscheinlich, dass noch viel mehr Arbeitnehmer von zu Hause für das Unternehmen A, B oder C arbeiten und zwar am Wohnort in X, Y oder Z. Eine Chance für Vorpommern-Greifswald, das beispielsweise jungen Familien Leben in intakter Natur bieten kann? Durchaus!

Stettes wies zugleich auf ein großes Defizit der Wirtschaft im Landkreis hin. „Wie sichtbar ist das Unternehmertum der Region im Internet?“ Stichworte Website, Präsentation, social media. Da gingen schon zahlreiche Köpfe der Zuhörer im Historischen U am Pasewalker Kreisverwaltungsstandort nachdenklich nach unten. „Ohne Sichtbarkeit aber geht es nicht, erreichen Sie keine Aufmerksamkeit, die digitale Wahrnehmung ist heutzutage unersetzbar“, schrieb er all jenen ins altehrwürdige Stammbuch, die in dieser Hinsicht bislang untätig geblieben sind oder es bei Absichtserklärungen belassen haben. Auch Berlin sei im Netz unternehmerisch nicht viel besser zu entdecken, aber die Stadt eben dennoch höchst attraktiv. Wenn Vorpommern-Greifswald das auch sein möchte, müsse die Region also ungleich mehr und intensiver im Netz dafür arbeiten. Denn hier informieren sich junge Leute vorrangig, verbreiten sich News und Kontakte, findet man zueinander und vernetzt sich.

Das brisanteste Zahlenwerk inklusive der kritischsten Einschätzung der Landespolitik lieferte aber Professor Helmut Klüter, Geograph aus Greifswald und seit Jahren Experte für die regionale Entwicklung. Seine wichtigste These: Vorpommern ist in jüngster Vergangenheit zu einem Wachstumsland in Sachen Wirtschaft und Bevölkerung geworden. Es gebe mehr oder minder überzeugende, positive Salden, die man aber in Schwerin bislang standhaft ignoriert habe. Hier denke man noch nach Kennziffern von 1995. „Die Entwicklungsplanung muss dringend erneuert werden“, forderte er. Und: „Unser Leitbild ’Garten der Metropolen’ darf von der Politik nicht länger ignoriert werden.“

Steffen Adler

Mehr zum Thema

Petra Ernst: Geplante Abwahl des Lietzower Bürgermeisters war von langer Hand vorbereitet

22.11.2017

Robert Mugabe war einst ein Hoffnungsträger Afrikas. Doch dann klammerte er sich an die Macht. Er ließ Simbabwe in den Ruin abgleiten. Seither wurde sein Name mit Wahlfälschung, Gewalt und Hyperinflation verbunden.

21.11.2017
Politik Schwerin/Klein Trebbow - Der sparsame Herr Holm

Der AfD-Politiker hat in seiner Wohnung vor der Landtagswahl kaum Strom verbraucht. Zweifel an seiner Wählbarkeit bleiben.

23.11.2017

Weil ihre Tochter schwerstbehindert ist, blieb das ein unerfüllter Traum

05.12.2017
Greifswald GUTEN TAG LIEBE LESER - Auf die Helfer kommt es an!

Wir zählen auf Sie! Auch bei der diesjährigen Weihnachtsaktion brauchen wir, wie in den Vorjahren, wieder die Hilfe unserer tausenden Leser, um gemeinsam etwas Großes ...

25.11.2017

An der Uni beginnt Umfrage unter ihren Mitgliedern

25.11.2017