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Greifswald Rektor Westermann hat‘s richtig gemacht
Vorpommern Greifswald Rektor Westermann hat‘s richtig gemacht
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08:49 15.07.2013
Dr. Thomas Behrens vor seiner früheren Wirkstätte, dem Hauptgebäude der Greifswalder Universität. Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

Die Hochschulen Mecklenburg-Vorpommerns benötigen eine weitere Finanzspritze, um im Wettbewerb mithalten zu können. Davon ist Dr. Thomas Behrens, der Leiter der Abteilung Hochschulen im Schweriner Bildungsministerium, überzeugt: „Wir müssen Professoren eine gute Ausstattung bieten können, sonst bekommen wir keine erstklassigen, sondern zweitklassige Leute“, nennt er eine Begründung.

In der aktuellen Debatte um das Millionen-Defizit der Hochschulen stellt sich Behrens hinter seinen Minister Mathias Brodkorb (SPD). Der habe sich gerade erst intensiv und erfolgreich bei Finanzministerin Heike Polzin für mehr Mittel als geplant eingesetzt (siehe Beitrag auf dieser Seite). „Der Bildungsminister hat mehrfach betont, dass im nächsten Doppelhaushalt des Landes die Hochschulen stärker zum Zuge kommen“, fügt Behrens hinzu. „Aktuell hat Herr Brodkorb viel für die Schulen herausgeholt.“ Es gebe genug, aber eben nicht mehr Geld für die Hochschulen, fasst Behrens zusammen.

Der Abteilungsleiter wird allerdings beim Doppelhaushalt 2014/15 nicht mehr im Amt sein. Am 1. August geht er in den Ruhestand. Ein guter Anlass, an seinem letzten Arbeitstag auf die Zeit in MV und in Greifswald zurückzublicken.

2004 bis 2008 war Behrens Kanzler der Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Fehlendes Geld war schon damals ein großes Thema. „Als ich im Januar 2004 zum Vorstellungsgespräch nach Greifswald kam, begegnete mir ein Demonstrationszug“, erinnert er sich. „,Jede Stelle zählt‘ stand auf dem Transparent.“ Der neue Kanzler musste sich in den Stürmen der großen Kürzungsrunde der Universitäten 2005/6 bewähren.

Greifswald büßte 30 Prozent der Stellen an der Philosophischen Fakultät und die Lehrerausbildung in den Naturwissenschaften mit Ausnahme der Geografie ein. Rostock verlor die Staatsexamensausbildung der Juristen. Der Greifswalder Medizinprofessor Hans-Robert Metelmann als damaliger Bildungsminister geriet unter schweren Beschuss. „Die Landesregierung hat weitsichtig gehandelt, auch wenn das ein sehr schmerzhafter Prozess war“, meint Behrens. In Sachsen-Anhalt müssten die Hochschulen jetzt 50 Millionen Euro einsparen, weil das Land seine Hausaufgaben nicht gemacht habe. Die Konzentration auf Schwerpunkte durch Rektor Prof. Rainer Westermann in Greifswald sei richtig gewesen. „Ich freue mich, das die kleinen Fächer, die sich mit Osteuropa befassen, geblieben sind.“ Wie knapp das Geld ist, habe sich beim Bau der neuen Mensa am Beitzplatz in Regie der Unimedizin gezeigt, weil mit Landesgeld nicht zu rechnen war. „Die Mensa nicht zu bauen, hätte nur den Bäckereien genutzt, auch wenn das heute vom Landesrechnungshof kritisch gesehen wird“, meint er.

Einer weiteren Besonderheit, dem deutschlandweit einmaligen Studium zum Diplomkaufmann, kann Behrens einiges abgewinnen. „Wir geben die Schlacht mit der Akkreditierungskommission noch nicht verloren“, sagt er. „Mit so einer Besonderheit zu werben, ist keine schlechte Idee.“ Das Diplom hat es schwer. Eigentlich soll es nur Bachelor- und Masterstudiengänge geben. Was besser gemacht werden sollte? „Ich kann mir sehr gut einen Masterstudiengang Plasmaphysik vorstellen“, sagt der Abteilungsleiter. Er wünscht sich eine bessere Verknüpfung des Instituts für Physik mit dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik und dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie. Und was steht auf der Habenseite seiner Tätigkeit als Abteilungsleiter Hochschulen? „Wir haben das Landeshochschulgesetz entrümpelt“, nennt Behrens ein Beispiel. „Zweitens gibt es jetzt den Kanzler auf Lebenszeit.“ Das sei wichtig, weil die Reformen der letzten Jahre immer den Rektor gestärkt hätten — zu Lasten des Kanzlers, des Chefs der Verwaltung. „Das ist nicht gut für das nötige Gleichgewicht an der Uni“, meint er. Und was geändert werden müsste? Die für fünf Jahre gültigen Zielvereinbarungen seien in der jetzigen Form zu unflexibel, zumal sie für mehrere Jahre gelten.

Der Ex-Kanzler
Dr. Thomas Behrens hat Rechtswissenschaften in Bochum und Marburg studiert. Er arbeitete an den Universitäten Dortmund (1979-1995) und

Duisburg (1995-2004) sowie danach in Greifswald als Kanzler (2004-2008). Seine Promotion befasste sich mit der Globalisierung der Hochschulhaushalte.

Eckhard Oberdörfer

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