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Religion im Fokus der Wissenschaft

Greifswald Religion im Fokus der Wissenschaft

Stephanie Gripentrog ist die erste Juniorprofessorin der Theologischen Fakultät

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Stephanie Gripentrog in ihrem Büro im Lohmeyerhaus.

Greifswald. Im Ernst-Lohmeyer-Haus, dem Gebäude der Theologischen Fakultät, diskutiert Stephanie Gripentrog mit ihren Studenten über Tantra. Ihr geht es unter anderem um neureligiöse Bewegungen und das Verhältnis von Religion und Geschlechtern.

Frauen haben im Arabischen Frühling eine sehr sichtbare Rolle gespielt.“Stephanie Gripentrog, Professorin

„Welche Rolle spielt der Körper in der Religion?“, nennt sie eine Frage, auf die mit den Studenten Antworten gesucht werden. Tantra sei ein gutes Beispiel für unterschiedliche Wahrnehmungen in Europa und Asien. „Sex spielt im klassischen Tantrismus eine untergeordnete Rolle“, betont die Juniorprofessorin für Empirische Religionswissenschaft. Zu Hause sei dieser mit seinen unterschiedlichen Schulen im Buddhismus und Hinduismus. Es gehe um eine spirituelle Praxis, zu der Techniken zur Visualisierung des Verhältnisses von Frau und Mann gehörten. Im Westen kam der Tantrismus vor allem als Sexpraxis an. Vielleicht sei das große Interesse an dieser spirituellen Technik hierzulande eine Antwort auf die Verweltlichung, meint Gripentrog. Ähnlich wie bei den Beschwörungstechniken des Schamanismus, die heutige Heilpraktiker in der Behandlung von Menschen einsetzen.

Das Tantrismusseminar ist ein Beispiel für den modernen Ansatz, den Gripentrog in der Lehre und Forschung in der Religionswissenschaft, der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Religionen, verfolgt.

Drei Semester hat sie gut besuchte Veranstaltungen zum Arabischen Frühling angeboten. Der sei auch eine neureligiöse Bewegung, erläutert sie. „Frauen haben im arabischen Frühling sehr sichtbar eine Rolle gespielt“, erinnert Gripentrog. In ihrem Seminar ging es nicht nur darum, ob sich deren Situation verbessert hat. „Wir haben uns auch mit der starken Beteiligung der Frauen am Fundamentalismus und Terrorismus trotz eines konservativen Rollenverständnisses befasst“, erzählt die Professorin. Das lasse sich durch die ganz bewusste Abgrenzung vom westlichen Rollenverständnis, der Betonung der eigenen Tradition, in der sich Frauen als Mütter und Ehefrauen sähen, erklären. Ähnliches sei aus dem Hinduismus bekannt.

Ihre Dissertation hat Stephanie Gripentrog übrigens innerhalb eines großen, von 2006 bis 2012 laufenden Forschungsprojektes des Schweizer Nationalfonds zu Religionskonzepten und deren Verwissenschaftlichung in Basel erarbeitet. Dabei hat sie sich mit Psychologie und Religion befasst. Studiert hat Stephanie Gripentrog Religionswissenschaft, Philosophie sowie Neue und Neueste Geschichte in München. Über Köln kam die in Österreich geborene Deutsche 2015 an die pommersche Küste. „Die Berge fehlen mir schon“, sagt sie. „Aber ich habe mich gut eingelebt und relativ schnell viele soziale Kontakte geknüpft. Vorpommern hat seinen eigenen Charme.“ Kulturell habe das relativ kleine Greifswald ohnehin viel zu bieten.

Zu den zahlreichen netten Leuten, die sie in Greifswald kennengelernt habe, gehöre Helmut Berger, ihr Boxtrainer. „Er ist hart, aber fürsorglich“, sagt sie. Zum Boxen kam sie erst in Greifswald durch ihren Freund. „Wir haben eine gemischte Gruppe, es macht unheimlich viel Spaß“, sagt sie. Nur eins fehlt in Greifswald: Die Möglichkeit, Flamenco zu tanzen. Das war in der Vergangenheit das große Hobby der 34-Jährigen.

Die Religionswissenschaftlerin steht indes nicht nur für moderne Lehre und Forschung. Stephanie Gripentrog ist die erste Professorin in der 560-jährigen Geschichte der Greifswalder Theologischen Fakultät mit ihren aktuell sechs Lehrstühlen und zwei Juniorprofessuren. Allerdings ist der Superlativ mit einem „Ja, aber“ versehen. Julia Männchen, unter anderem bekannt durch ihr großes Engagement für das jüdische Erbe, wurde 2004, dem Jahr ihrer Emeritierung, zur außerplanmäßigen Professorin ernannt.

Eckhard Oberdörfer

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