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Reserviert für Rollis – oder doch nicht?

Greifswald Reserviert für Rollis – oder doch nicht?

Im Stadtbus ist nur begrenzt Platz / Wer muss weichen: Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen?

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Verkehrsmeister Andreas Zahnow hat Rollstuhlfahrer Roland Bunsch beim Einsteigen geholfen. Der Platz war noch frei. Wäre er durch von Kinderwagen besetzt, wäre es wohl das beste, die Beteiligten einigen sich, wer mitfährt.

Quelle: Kai Lachmann

Greifswald. Rollstuhlfahrer müssen sich im Alltag oftmals mit Konflikten herumärgern, die für Menschen ohne Behinderung kaum offensichtlich sind. Zum Beispiel diesem: Zwei Rollstuhlfahrer warten auf den nächsten Stadtbus. Als er hält, geht die Tür auf. Drinnen stehen schon eine Mutter und ein Vater mit je einem Kinderwagen. Und nun? Gibt es da etwa ein Problem?

Die Fahrgäste im Bus haben Vorrang.“Steffi Borkmann, Stadtwerke

Diesen Platz bitte für Rollstuhlfahrer freimachen.“ Aufkleber im Bus

Nein, es gibt nicht ein Problem, sondern gleich drei. Zum einen muss der Busfahrer für Rollstuhlfahrer eine Rampe ausklappen, damit der Rollifahrer reingeschoben werden kann. Das dauert natürlich seine Zeit, was dazu führt, dass Fahrgäste schon mal ungeduldig werden und der Busfahrer zusehen muss, dass er seinen Zeitplan einhält. Und irgendwann will der Rollstuhlfahrer auch wieder aussteigen und das Prozedere wiederholt sich.

Das zweite Problem ist, dass nur für einen Rollstuhl Platz ist. Das heißt, ein Rollifahrer muss auf den nächsten Bus warten. Ein zweiter Rollstuhl ist nicht zugelassen. „Die Gänge müssen immer frei bleiben“, sagt Kraftverkehrsmeister Heiko Laß. „So sind die Vorschriften.“

Das dritte Problem – und das sorgt für die größte Debatte: Wer darf mitfahren? Muss jemand mit Kinderwagen aussteigen, um dem Rollstuhlfahrer Platz zu machen? Der Raum in der Mitte des Busses ist begrenzt. Alle Gefährte gleichzeitig – auch das würde gegen die Vorschriften verstoßen.

Eigentlich sprechen die Aufkleber im Bus eine eindeutige Sprache: „Dieser Platz ist für Rollstuhlfahrer reserviert“ und „Bitte den Platz für Rollstuhlfahrer freimachen“. Der Busfahrer müsste also schweren Herzens die Mutter oder den Vater samt Kinderwagen hinausbitten. Eigentlich...

Vor Kurzem kam bei einem Training für Rollstuhlfahrer zum Ein- und Aussteigen in den Bus dieser Konflikt zur Sprache. „Der Fahrer ist in einem Dilemma“, sagte Laß. Eine Mutter mit Kind zum Aussteigen auffordern? Obwohl sie den Fahrschein bezahlt hat? Das sei nicht besonders populär. „Rollstuhlfahrer zahlen auch“, entgegnete ihm ein Mann in rollbarem Untersatz. Die Zahlung erfolge pauschal für einen bestimmten Zeitraum und nicht pro Ticket. Dem Argument, die Mutter fühle sich womöglich bestraft, hielt der Mann, der nicht namentlich erwähnt werden möchte, entgegen: „Als Rollstuhlfahrer bin ich doch auch genug gestraft!“ Wie oft kommen solche Situationen vor? „Oft genug“, meinte der Mann, der letztlich von Laß recht bekam: Sollten sich alle Beteiligten nicht einig werden, müsse dem Rollstuhl Platz gemacht werden.

Für den Busverkehr in der Hansestadt sind die Greifswalder Stadtwerke verantwortlich. Als die OZ Sprecherin Steffi Borkmann nach dem Konflikt fragt, überrascht sie mit der Aussage: „Wenn die entsprechenden Plätze im Bus besetzt sind, haben die Fahrgäste, die bereits im Bus sind, Vorrang. Sie haben den Fahrpreis entrichtet, einen Beförderungsvertrag abgeschlossen und werden bis zu ihrem Zielort befördert.“

Wenn die entsprechenden Plätze belegt sind, müsse der Fahrgast leider einen späteren Bus nehmen. Das gelte im Übrigen auch für Fahrgäste, die nicht im Rollstuhl sitzen, so Borkmann.

Und im Umland? Dort kann ein Rollstuhlfahrer in der Regel gar nicht spontan mit dem Bus fahren. „Ein bis zwei Tage vorher sollte das bei uns angemeldet werden, damit wir auf der Tour einen entsprechenden Bus einsetzen können“, heißt es seitens des Verkehrsbetriebes Greifswald Land. Im Sommer wäre das häufiger der Fall, meint Tourenplanerin und Busfahrerin Katharina Hinz. Einen Konflikt, ob nun ein Rollstuhl oder ein Kinderwagen Vorrang hat, sei ihr noch nicht untergekommen.

Kai Lachmann

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