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Respekt durch Tanz und Farbe

Greifswald Respekt durch Tanz und Farbe

Beim zweiten Hip Hop und Graffiti Jam zeigen Szenekünstler ihr Können

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Sami „Ben“ Mansour (42) ist ein alter Hase im Geschäft: Seit 1991 betreibt er in Berlin Europas ältesten Graffitishop.

Quelle: Fotos: Philipp Baranyai

Greifswald. Mit ruhiger Hand sprüht Sami „Ben“ Mansour Linien auf die Wand der alten Lagerhalle. Zwei dieser Gebäude in der Grimmer Straße wurden für den diesjährigen Hip-Hop- und Graffiti- Jam MV zur Verfügung gestellt, alle Künstler sind heute legal hier. Bens Linien werden zu Umrissen, zu Flächen. Farbschicht um Farbschicht fügt sich zu einem bunten Bild: zwei verschlungene Pilzgewächse, dazwischen ein Schriftzug.

 

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Gerd Klinkmanns „Freeze“ setzt einiges an Übung voraus.

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Es ist gut, dass es solche Veranstal- tungen jetzt auch in MV gibt.“Caro Hoffmann (24), Greifswald

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Gerd Klinkmanns „Freeze“ setzt einiges an Übung voraus.

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Es ist gut, dass es solche Veranstal- tungen jetzt auch in MV gibt.“Caro Hoffmann (24), Greifswald

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„Beim Graffiti geht es um Ausdruckskraft und Inspiration. Gerade hatte ich Bock auf Pilze – also habe ich welche gemalt“, sagt der Künstler lachend. Als Betreiber von Europas erstem Graffitishop ist er unter Gleichgesinnten bekannt und teilt gern sein Wissen. Das ist nicht selbstverständlich: Ein Merkmal der Szene ist ihre Verschwiegenheit. Keiner der Greifswalder Sprüher möchte sein Gesicht oder Namen in der Zeitung sehen. Ursache für diese Haltung ist auch die alte Debatte über den rechtlichen Rahmen, in dem sich die Künstler bewegen. Sie stören sich daran, in die eine oder andere Ecke gedrängt zu werden. „Kein Graffitimaler ist nur legal oder illegal unterwegs. Die meisten bewegen sich ständig zwischen diesen Bereichen“, erklärt Ben. Dass viele Sprüher auf nicht genehmigte Flächen zurückgreifen, liege auch an mangelnden Ausweichmöglichkeiten. „Wenn die Stadt offizielle Graffitiwände bereitstellte, würde das die illegalen Aktivitäten deutlich senken. Der Beweis wurde schon in anderen Städten erbracht“, erläutert Stefanie Maschke (31), eine der Organisatoren des Festivals.

Diese Meinung unterstützen viele der Sprüher an den Lagerhallen ausdrücklich. Seit einiger Zeit bemühen sich verschiedene Initiativen und Parteien um mehr legale Flächen, bisher ohne Erfolg. Maschke ist froh, zumindest für das Festival Unterstützung von der Stadt erhalten zu haben. Mit Workshops, Graffitiflächen und dem Auftritt einiger Rap-Musiker sollte das Event am Wochenende Aufklärungsarbeit über die Hip-Hop-Kultur leisten und zur Prävention von illegalem Sprühen beitragen. Die Finanzierung erfolgte durch Greifswalder Unternehmen und die Linken. „Leider kamen vor allem zu den Workshops nicht so viele Leute, wie wir uns erhofft hatten“, bedauert Maschke. „Dafür war das Konzert mit 200 Menschen recht gut besucht. Wir werden in den kommenden Tagen ein Fazit ziehen und schauen, was wir für das nächste Festival verbessern können.“

Die Veranstaltung war nach dem Vorgänger 2014 bereits die zweite ihrer Art und auch, gemessen an der Teilnehmerzahl, die größte in MV. Obwohl mehr Besucher erwartet wurden, fanden sich zu den Workshops auch Jugendliche ein, die sich von den Profis die szenetypischen Disziplinen zeigen ließen. So erklärten die Jungs von der „Breakdance ConneXion MV“, wie die Elemente des charakteristischen Tanzes im Einzelnen funktionieren. Die akrobatischen Verrenkungen setzen Übung und Körperbeherrschung voraus. Genau wie Graffiti kann der Tanz als eine Form des künstlerischen Kräftemessens gesehen werden. „Das ist Teil des Hip-Hop. Die ganze Kultur dreht sich darum, verschiedenste Menschen zusammenzubringen. Gegenseitiger Respekt ist der Schlüssel dazu. So können auch Konflikte auf künstlerische Art friedlich ausgetragen werden“, beschreibt Tänzer Gerd Klinkmann (30) den Grundgedanken der Szene. Ähnlich sieht es auch der Berliner Künstler „Akte One“ (38), der mit eigenen Raps auf der Bühne stand. „Ich wünsche mir, dass diese Kultur nicht vorschnell verurteilt wird. Wenn man sie älteren Leuten erklärt, zeigen diese häufig einen viel offeneren Umgang damit.“

Philipp Baranyai

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