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Greifswald Rettung für Gutsensemble im Tollensetal
Vorpommern Greifswald Rettung für Gutsensemble im Tollensetal
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00:00 17.09.2018
Präsentation der Schimmelzucht etwa 1900 vor dem Schloss. Quelle: Foto: Neues Gutsarchiv Schloss Broock
Broock

Seit über vier Jahrzehnten steht das Herrenhaus von Broock leer. Betreten darf das baufällige Gebäude seit langem niemand mehr. Sehenswert ist selbst die Ruine, die zu einem in dieser Vollständigkeit nur noch selten erhaltenen Gutsensemble gehört. Das Herrenhaus unweit der Tollense ist von historischen Wirtschaftsgebäuden umgeben.

Berliner wollen Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude als Kultur- und Veranstaltungszentrum nutzen

Die Vision

Die aktuelle Planung sieht Veranstaltungen mit bis zu 5000 Besuchern vor. Neben den Sälen im Schloss sollen Marstall, Reithalle und Stutenstall genutzt werden. Ferner ist derzeit im Herrenhaus von rund 100 Betten und in den Nebengebäuden von weiteren 120 sowie Zeltplätzen für 2500 Menschen die Rede.

Was nur die größten Optimisten für möglich gehalten haben, scheint nun wahr zu werden. Im Oktober dieses Jahres beginnen Notsicherungsarbeiten, kündigt Projektleiter Christian Schmidt an. Er ist für die Eigentümer Monika und Stefan Klinkenberg aus Berlin tätig und engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für die Anlage. Die Klinkenberg-Architekten haben Erfahrung mit der Sanierung von Denkmalen und deren neuer Nutzung. Das Ehepaar erwarb das in seltener Vollständigkeit erhaltene Gutsensemble im Juni 2017. Es soll zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum mit überregionaler Ausstrahlung und Übernachtungsmöglichkeiten werden, das Touristen sowie Gäste aus Hamburg, Berlin und Polen anzieht. Darum haben Klinkenbergs auch den Bahnhof Sternberg erworben, von dem später einmal Shuttle-Busse nach Broock verkehren sollen.

Dann wäre der kleine Ort – wie im 19./20. Jahrhundert – ein Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Region. Christian Schmidt erzählte von der bedeutenden Pferdezucht und der Broocker Parforcejagd, einem der gesellschaftlichen Höhepunkte in Vorpommern. Berühmt sei die „Broocker Meute“, 33 Beagels, gewesen, die bei den Parforcejagden eingesetzt wurden. Diese wurde wurde Hans von Seckendorff begründet (1809-1883). In seiner Zeit als Gutsherr erhielt das Herrenhaus 1841 bis 1843 sein heutiges Aussehen. Die Pläne für den Umbau lieferte der bedeutende preußische Architekt Friedrich August Stüler (1800-1865). Kunsthistoriker sprechen von „castle gothic“, die damals sehr populär war.

Pluspunkt für Broock: Es ist der einzige erhaltene Gutshausbau Stülers in MV und damit von hoher kulturhistorischer Bedeutung. Wahrscheinlich gehen auch die Entwürfe für andere Gebäude, wie Marstall und Reithalle, auf Stüler zurück. Die Planung für den weitläufigen Landschaftspark, den größten Vorpommerns, stammt von Peter Joseph Lenné (1789-1866), der ein halbes Jahrhundert die Gartenkunst in Preußen prägte. Hans von Seckendorff konnte seinen Besitz stark vergrößern, erwarb Tentzerow, Sternfeld und Hohenmocker.

In der Weimarer Republik geriet die deutsche Landwirtschaft in eine große Krise, viele Güter wurden aufgesiedelt oder es wurden große Teile des Besitzes veräußert. Letzter Broocker Gutsbesitzer war der 1934 verstorbene Hans Freiherr von Seckendorff, der keine Söhne hatte. Seine Töchter haben nicht geheiratet.

Das Gut war auch durch Hans von Seckendorffs aufwändigen Lebensstil hoch verschuldet. In seinem Todesjahr 1934 verkaufte er den größten Teil des Landes, die Erben verpachteten das 300 ha große Restgut. Der Gutsherr wurde unter einem großen Findling in der Nähe des Schlosses begraben. „Sechs Schimmel zogen den Wagen mit dem schweren Eichensarg“, erzählt Christian Schmidt. 1944 wurde das Schloss zur Nutzung für die Uni Greifswald beschlagnahmt. Teile der „Prussia-Sammlung“ wurden eingelagert.

Mit dem Kriegsende 1945 begann die Zerstörungsgeschichte des Herrenhauses. Es wurde geplündert. Sowjetische Soldaten hätten sogar den Stoff der Sofas abgeschnitten und die Sitzmöbel verheizt. Im Schloss wurden Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht. Auch diese nahmen alles, was sich irgendwie gebrauchen ließ.

Dann zogen Konsumladen, eine Schule und die Gemeindeverwaltung ein. 1974 übernahm der VEB Kranbau Eberswalde das Gebäude, wollte in Broock ein Ferienheim für seine Mitarbeiter einrichten. Daraus wurde nie etwas. „Nun wurde alles, was noch da war, rausgeschleppt, Fenster, Türen, der Marmorbelag der Halle“, schildert Schmidt. „1983 brach die Decke über dem Hochparterre ein.“ Nach 1990 wurde die Anlage verkauft. Der letzte Vorbesitzer meldete 2016 Insolvenz an. Der Verfall ging weiter.

Durch die Notsicherung soll es wieder möglich werden, das Herrenhaus wieder zu betreten. Wenn alles wie geplant läuft, werden Besucher des Tages des Denkmals 2019 das dann notgesicherte Gebäude betreten können.

Eckhard Oberdörfer

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