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Rettungsdienst braucht zu lange

Greifswald Rettungsdienst braucht zu lange

Bei jedem fünften Einsatz im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind die Rettungskräfte mehr als 15 Minuten bis zur Ankunft unterwegs. Das kritisieren Politiker. Gründe sind die langen Wege, Stau oder parallele Einsätze.

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In der Rettungsdienstplanverordnung wird die maximale Hilfsfrist mit 15 Minuten angegeben. Sie muss jedoch nur in 90 Prozent der Einsätze (ländlicher Raum) beziehungsweise 95 Prozent (Greifswald) eingehalten werden.

Quelle: Stephan Jansen

Greifswald. Späte Rettung in Vorpommern-Greifswald: Bei jedem fünften Einsatz überschreitet der Rettungsdienst die gesetzlich Hilfsfrist von 15 Minuten. Mehr als 5300 Mal war das allein im Jahr 2016 der Fall. Diese Daten hat eine kleine Anfrage des Kreistags- und Landtagsmitgliedes Matthias Manthei (Bürger für MV) bei der Landesregierung ergeben. Diese Ergebnisse seien besorgniserregend. „Man muss bedenken, dass die Hilfsfrist nicht ab Alarmierung gerechnet wird, sondern ab Fahrtbeginn des Rettungswagens“, sagt Manthei. Die tatsächliche Zeit bis zum Eintreffen sei also noch länger.

 

Als Ursachen für die langen Anfahrtzeiten nennt Kreissprecher Achim Froitzheim ein hohes Verkehrsaufkommen und Stau, die saisonal stark steigenden Bevölkerungszahlen durch die Urlauber sowie den überproportionalen Anteil älterer und damit kränkerer Menschen im Kreis. „Aus den verlängerten Anfahrt- und Einsatzzeiten ergibt sich auch, dass die Einsätzkräfte länger aus der Rettungswache abwesend sind und damit die Wahrscheinlichkeit für einen parallelen Notfall steigt“, erklärt Froitzheim.

Durchschnittlich benötigte der Rettungswagen 10,3 Minuten (2016) vom Losfahren bis zum Eintreffen am Ort des Geschehens. Heißt: Der Rettungswagen ist bei einem Einsatz in Greifswald vielleicht schon nach fünf Minuten vor Ort, im ländlichen Raum dafür erst nach 22 Minuten. „Ein Menschenleben auf dem Land ist doch aber genauso viel Wert wie in der Stadt“, kritisiert Manthei.

Die längste dokumentierte Anfahrtzeit im Kreis lag 2017 bei 40 Minuten. „Es handelte sich um eine leichte Sportverletzung in den Dreikaiserbädern im Sommer. Die zuständigen Rettungswagen waren bereits im Einsatz, genauso wie die angrenzenden Rettungswachen“, so Froitzheim. „Letztlich ist ein Heringsdorfer Rettungswagen, der sich auf der Rückfahrt vom Klinikum Karlsburg befand, alarmiert worden und zur Versorgung mit Sondersignal angefahren.“

Die Kreisverwaltung ist sich des Problems der langen Rettungszeiten bewusst und hat bereits Maßnahmen ergriffen: „Wir haben einen zusätzlichen Rettungswagen in Greifswald in Betrieb genommen und halten eine zusätzlichen Rettungswagen in Heringsdorf vor, der in der Hochsaison Spitzen abfedern soll“, teilt Froitzheim mit. Ebenso wurden Rettungswachen auf der Insel Usedom zur Verkürzung der Fahrzeiten verlegt.

Seit vier Monaten arbeiten die Rettungswagen im Westen des Landkreises (Ämter Peenetal-Loitz, Greifswald) zudem mit einem Telenotarzt zusammen, der den Sanitätern Anweisungen erteilt bis der Notarzt eintrifft. Der Telenotarzt, der auf den gesamten Kreis ausgedehnt werden soll, ist Teil des millionenschweren Förderprojekts Landrettung. Ein weiterer Baustein ist die Rettungs-App. Personen, die eine medizinische Ausbildung haben, können sich registrieren lassen und werden im Fall eines Noteinsatzes in der unmittelbaren Umgebung zu Hilfe gerufen, um die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes zu überbrücken.

Doch auch ohne diese langfristig ausgerichteten Maßnahmen steht Vorpommern-Greifswald deutlich besser da als die Nachbarlandkreise. Lediglich die Städte Rostock und Schwerin schaffen eine bessere mittlere Hilfsfrist als wir. Deutlich nach Vorpommern-Greifswald (10,3 Minuten) rangieren Vorpommern-Rügen (12,3), Nordwestmecklenburg (11,4) Ludwigslust-Parchim (13,2) und im Landkreis Rostock ( 11,3).

Kreistagsmitglied David Wulff (FDP) kritisiert, dass ein gesetzlich vorgeschriebenes Konzept für Großschadensereignisse fehlt: „Solange nichts passiert, ist alles gut, doch darauf darf man sich nicht verlassen.“ Schon heute gebe es Probleme, dass bei parallelen Einsätzen nicht ausreichend Rettungskräfte vorhanden sind. Was hätte das jedoch für Folgen im Fall einen Busunglückes auf der Peenebrücke, fragt Wulff. Nach Aussage von Froitzheim sei die Erarbeitung des Konzeptes geplant. Zunächst müssten jedoch Anforderungen auf Landesebene entwickelt werden.

Degrassi Katharina

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