Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Greifswalds Straßenbäume: Oma Eiche in Not
Vorpommern Greifswald Greifswalds Straßenbäume: Oma Eiche in Not
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:28 25.10.2018
Die alte Eiche in der Greifswalder Bahnhofsstraße leidet unter Pilzbefall. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Über ihren Fuß ziehen sich viele große Narben, der wuchtige Stamm steht etwas schief, trotzdem spannt sich ihre Krone wie ein mächtiger grüner Schirm über die Bahnhofsstraße. Wohl alle Greifswalder kennen die alte Stieleiche unmittelbar vor dem Jahngymnasium. „Sie gehört zu den ältesten Straßenbäumen Greifswalds“, sagt Baumgutachter Gernot Hübner. „Und ihr geht es gar nicht gut.“ Der Grund: Standort und Baumbedürfnisse waren zur Pflanzzeit vor fast 200 Jahren noch gut aufeinander abgestimmt, im Laufe ihres Lebens holten Flächenversiegeleung und Verkehrsaufkommen an der viel befahrenen Bahnhofsstraße den Baum ein. Noch kann der Baumgutachter nicht sagen, ob es langfristig noch eine Rettung für das Naturdenkmal gibt. „Ich schätze ihr Alter auf 130 bis 150 Jahre“, sagt der Experte. „Gepflanzt wurde sie vermutlich im Rahmen der Umgestaltung der Wallanlagen nach Plänen von Julius Münter als schöner Solitärbaum für die Einfahrt nach Greifswald.“

Zu dieser Zeit war von Autos in Greifswald noch nichts zu sehen, die Gehwege und Straßen waren zwar vermutlich schon gepflastert, aber unbefestigte Straßenränder, die sogenannten Sommerwege, schonten die Hufen der Pferde und ermöglichten den Straßenbäumen ein optimales Wachstum. Das Aufkommen des motorisierten Verkehrs brachte die Eiche in zunehmende Bedrängnis. Der Straßenverlauf der Bahnhofsstraße bleib zwar gleich, der Verbreiterung konnte die Eiche aber nicht ausweichen. „Man sieht ja, der Baum steht fast auf der Straße, ist heute zwar durch Warnbaken gekennzeichnet, liegt aber unmittelbar hinter einer Kurve“, so Hübner.

Viele Autos sind schon am Baum vorbeigeschrammt

Vor Kollisionen geschützt haben Schilder den Baum nicht. „Am Stamm erkennt man noch die Folgen von vielen Verletzungen, die durch vorbeifahrende Fahrzeuge entstanden sind. Im unteren Bereich durch Autos, im oberen Bereich durch Lastkraftwagen“, sagt Hübner und deutet auf den Stamm, an dem man große Wülste erkennen kann - Versuche, des Baumes, die Wunden zu schließen.

Am Fuß der Eiche hat sich Pilz breitgemacht. Gernot Hübner deutet auf die betroffene Stelle. Quelle: Anne Ziebarth

„Die größte Wunde ist alt, vielleicht so 30 Jahre“, so Hübner. „Damals hat man sie offenbar nicht versorgt, leider konnten sich anschließend Pilze ausbreiten.“ Das allein könne ein kräftiger und vitaler Baum aber durchaus ausgleichen. Doch der Eiche fehlt es an Nährstoffnachschub. Ein Problem vieler Straßenbäume. „Die Versiegelung von Flächen ist eines der größten Probleme für Straßenbäume“, erklärt Hübner. „Unter dem Asphalt ist der Boden quasi tot. Weil kein Luft und Wasseraustausch stattfindet, geht die Anzahl der Bakterien und auch die Menge der Nährstoffe rapide zurück. Die Eiche hier lebt quasi von den zwei Quadratmetern Oberfläche, die sie sich auf dem Grundstück des Jahngymnasiums erschlossen hat.“

Baumfreundliches Bauen ist möglich – aber teuer!

Die Wasserzufuhr hingegen wäre eher weniger ein Problem. „Sechs bis sieben Meter tief ist das Grundwasser“, sagt Hübner. „Das schafft die Eiche mit ihren Wurzeln locker.“ Außerdem wirke die Asphaltschicht wie eine Barriere, an der das im Boden befindliche Wasser kondensiert. Gegen das Problem der Versiegelung gibt es durchaus Lösungen auf dem Markt, weiß Hübner. „Doch die sind kostspielig.“ ~130 000 Euro hat die spezielle Wurzelschutzkonstruktion gekostet, was im Bereich der Einfahrt zum Einkaufszentrum Gleis Vier gelegt worden ist. Dort ging es um den Erhalt zweier alter Linden. „Ein auf Ständern gelegter Gitterrost wurde dort in den Boden eingebracht“, erzählt er. „Obenauf kam noch ein Fließ, dann ein poröses Pflaster, was mehr Luft und Wasser durchlässt.“ Ein gute Sache, wie Hübner findet. „Bei privaten Bauprojekten mag das als Bedingung einforderbar sein. Ich wüsste aber nicht, dass die Stadt so eine Lösung bei kommunalen Bauvorhaben schon mal umgesetzt hat. Ob das Vorhaben die Linden rettet, wird erst die Zeit zeigen. „Bäume haben eine unheimlich lange Reaktionszeit.

Für Bäume braucht man eine andere Zeitrechnung

Die Auswirkungen von Veränderungen zum Beispiel im Erdreich erkennt man am Baum häufig erst nach Jahrzehnten“, so Hübner. „Wir Menschen sind gewohnt in Momentaufnahmen zu denken. Wenn man sich mit Bäumen beschäftigt, muss man andere Zeitmaßstäbe anlegen.“ Der Erhalt alter Bäume ist nach Meinung Hübners nicht nur eine emotionale Entscheidung, sondern hat auch ganz praktische Gründe. „Gerade an dieser viel befahrenen Straße kann die Feinstaubbelastung zum echten Problem für Greifswald werden“, sagt er. „Ein Baum mit dieser Blattfläche wie diese Eiche holt einiges an Feinstaub heraus. Außerdem wirkt er sich positiv auf das Stadtklima aus. „Das können fünf kleinere Bäumchen, die man nachpflanzt, noch nicht leisten.“ Einen Baum dieser Größenordnung könne man einfach nicht ersetzen. Aufgeben würde er die Eiche noch lange nicht. „Die Standsicherheit hat natürlich oberste Priorität“, sagt er. „Der Baum darf auf keinen Fall ein Sicherheitsrisiko darstellen. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese zu verbessern. Man kann zum Beispiel die Krone lichten, sodass das Gewicht geringer wird.“

OZ-Artikel über die Sommertrockenheit 2018 und den fleißigen Gießtrupp der Hansestadt Greifswald

Anne Ziebarth

Trotz Unterstützung vom Bund fehlt Eltern Geld für Schulverpflegung. In der Hansestadt springt der Kindermittagstisch ein, der sich durch Spenden finanziert. Diese reichen nur bedingt aus.

25.10.2018
Greifswald Werbung für kleine Grundschule - Görmin kann Greifswalder Kindern helfen

In der Hansestadt sind große Klassen in den Grundschulen die Regel. Greifswald will sogar neu bauen. Görmin hat hingegen nur einen kleinen Einzugsbereich, die Klassen sind sehr klein.

25.10.2018

Ihre persönliche Bilanz ist unter dem Titel "Die Erste" erschienen. Am Samstag zur offiziellen Verabschiedung in der Wolgaster Stadtbibliothek wird Barbara Syrbe den Band erstmals vorstellen.

25.10.2018