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Ringer kämpfen um ihre Zukunft

Greifswald Ringer kämpfen um ihre Zukunft

Wenig Geld, viel Leistung: Der Greifswalder RV gilt als eine der größten deutschen Talentschmieden.

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Geworg Ibashyan (rot) konnte für den Greifswalder RV schon einige Medaillen gewinnen und hat die Gegner zumeist fest im Griff.

Greifswald. Sie ist fünf Jahre alt und zählt nach Aussagen ihres Trainers Manfred Groß zu den talentiertesten Kindern beim Greifswalder Ringerverein (GRV). „Ich will noch viele Jahre ringen und Medaillen gewinnen“, erzählt Jule Hingst. Sie ist eines der 27 aktiven Mädchen beim GRV. Greifswald gilt im ganzen Bundesgebiet als Talentschmiede in der olympischen Sportart Ringen.

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Maik, Tom, Max, Geworg, Joel, Sulim und Tim (unten von links) trainieren zusammen mit Jule, Leonie und Ilja (oben von links).

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Manfred Groß ist der Mann für alles im Verein. Zusammen mit seiner Frau Marion leitet er die Geschicke. Zum Ringen kam Groß im Alter von fünf Jahren. Das war 1964 und ist fast ein halbes Jahrhundert her. Seine Cousins hatten ihn damals mit in die Ringerhalle genommen und Groß blieb — bis heute. „Ich bin seit 35 Jahren Trainer und stehe nun weitestgehend allein da“, erzählt er. Vor der Wende sei „Greifswald eine echte Hausnummer im Ringersport“ gewesen. Heute hätten sich die Fördertöpfe nach Thalheim, Leipzig oder Lübtheen verschoben. Jetzt gelte: „Ohne Geld ringt niemand — Greifswald hätte das Potential für die zweite Bundesliga“, so Groß. Allerdings würde es die ausgezeichneten Greifswalder Athleten zu anderen, finanziell starken Vereinen ziehen. Zuletzt verlor Groß vier seiner besten Akteure. „Sie trainieren weiter bei uns und starten bei Wettkämpfen für andere Vereine“, berichtet Groß. Trotz allem: Manfred Groß will weitermachen. „So lange mein Körper das hergibt, werde ich dabeibleiben.“ Sein größter Wunsch ist es, einen Nachfolger zu finden. „Wir haben in Eigenarbeit unser Ringerzentrum aufgebaut — das muss auf jeden Fall erhalten bleiben“, so Groß. Aktuell wird Groß, der gleichzeitig auch Landestrainer des Ringerverbandes Mecklenburg-Vorpommern ist, von erfahrenen Sportlern bei der täglichen Trainingsarbeit unterstützt. „Es gibt kaum Übungsleiter, die ehrenamtlich tätig sein wollen — unser Geld reicht nicht, um Trainer zu bezahlen“, berichtet Groß. Die Trainingshalle gehört dem GRV und wird durch die Vermietung an andere Vereine finanziert.

Einen guten Ringer mache seine Ausdauer, Schnelligkeit und die Trainingsbereitschaft aus. „Alles Attribute, die in der heutigen Zeit bei den wenigsten Kindern noch vorhanden sind“, berichtet Groß.

Die Bereitschaft, sich für Erfolge zu quälen, sei selten. Geworg Ibashyan und Jule Hingst stehen stellvertretend für 84 Kinder, die derzeit bei den Greifswaldern trainieren. „Einen Kontrahenten zu besiegen, ist für mich das Schönste, was es gibt“, beschreibt der neunjährige Geworg. „Ich konnte schon oft gewinnen und habe einige Medaillen gesammelt“, sagt Geworg. Jule Hingst kam durch ihren Bruder Tom zum Ringen. Die Fünfjährige hat es nie bereut. „Jule ist zwar unsere Kleinste, aber ihr Talent ist bemerkenswert“, so Groß. Der 53-Jährige sieht Parallelen zu einem der Aushängeschilder des Vereins: Angelina Schmidt. Die 17-jährige Greifswalderin wurde im vergangenen Jahr deutsche Jugendvizemeisterin. Die gute Nachwuchsarbeit der Hansestädter hat sich bis nach Finnland, Lettland, Schweden und in die Ukraine herumgesprochen. Zum traditionellen Boddenpokal kommen regelmäßig internationale Gäste an den Ryck. „Wir sind wie eine große Familie und besuchen besonders unsere Freunde in Lettland und Finnland regelmäßig“, erzählt Groß.

Ringen gab es schon bei den Olympischen Spielen der Antike. Heute werden die Stile griechisch-römisch und Freistil unterschieden. Beim Freistil darf die gesamte Körperfläche angegriffen werden — beim griechisch-römischen Stil nur der Oberkörper. Ziel ist es, durch Würfe, Schleudern und Hebel beide Schultern des Gegners auf die Matte zu bringen.

Das Besondere im GRV sei, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene oft gemeinsam trainieren. Dies fördere einen höflichen Umgang und die Achtung voreinander. Vor allem die Kinder lernten durch die Ringkämpfe verantwortungsbewusst mit den eigenen Kräften umzugehen, sagt Groß.

Keine Worte findet er für die Überlegungen des Internationalen Olympischen Komitees, Ringen aus dem Programm zu streichen. „Das kann niemand verstehen — die älteste Disziplin soll es nicht mehr geben“, so Groß. Der Greifswalder Verein nahm an Initiativen und Unterschriftensammlungen teil, um die Sportart zu retten. Aktuell sieht es so aus, als hätte das Aufbegehren Erfolg: „Ich gehe davon aus, dass Ringen olympisch bleibt“, bestätigt Groß.

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Nachwuchssport

Der Greifswalder Ringerverein
170 Mitglieder weist der Greifswalder Ringerverein (GRV) zur Zeit auf. Davon sind 84 unter 18 Jahre alt.

27 Mädchen trainieren beim GRV.

4 Jahre ist das Mindestalter, um mit dem Ringen in der Hansestadt anzufangen.

60 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr zahlen Kinder bis sechs. Danach steigt der Betrag auf 120 Euro für Schüler, Studenten und Auszubildende.

150 Euro bezahlen Erwachsene.

2 Familienangehörige und mehr zahlen einen rabattierten Beitrag von 230 Euro (Familienkarte).

 

 

Matthias Trenn

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