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Rollen bald jährlich 100 Güterzüge durch die Stadt?

Greifswald Rollen bald jährlich 100 Güterzüge durch die Stadt?

In dieser Woche wird eine neue Eisenbahnbrücke gebaut. Das Gleis zum Hafen Ladebow soll Anfang Oktober betriebsbereit sein.

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Das erste Brückenteil wurde gestern Abend mit einem Kran auf die Pfeiler gehoben.

Quelle: Kai Lachmann

Greifswald. Die Stadt will den Bahnverkehr am Ryck wieder aufleben lassen. Die Sanierung des Bahngleises zwischen dem Hauptbahnhof und dem Hafen Ladebow steht kurz vor dem Ende.

Im Oktober soll die Strecke fertig sein. „Mit 50 Zügen im Jahr rechnen wir ziemlich sicher, da das Mineralöllager einen entsprechenden Bedarf bereits wiederholt angemeldet hat“, teilt Stadtsprecherin Andrea Reimann mit. Die weiteren 50 Güterzüge könnte ein Getreidehändler füllen, dessen Ansiedlung im Hafen aber noch keine beschlossene Sache ist.

Als Betreiber der Strecke hat sich ein Unternehmen aus der Prignitz beworben. Ein Interessent aus Schwerin sprang im Frühjahr ab, weil ihm die zu erwartende Fracht nicht für einen wirtschaftlichen Betrieb ausreichend erschien. Die Verhandlungen zwischen den Prignitzern und der Stadt laufen noch, Details verrät die Stadtsprecherin deshalb nicht, erklärt aber: „Wir erwarten Einnahmen durch den Betrieb der Strecke, denn die Eisenbahnverkehrsunternehmen müssen Zugtrassenentgelte zahlen.“ Die Höhe dieser Gebühren pro Zug müssen noch festgelegt werden. Reimann rechnet vor: „Wenn auch nur 50 Ganzzüge pro Jahr abgefertigt würden und jeder ein Trassenentgelt von 500 Euro generierte, so würden wir bereits die Schwelle der Deckung der laufenden Ausgaben erreichen.“

Sollten die Bauarbeiten wie geplant vorangehen, sind in eineinhalb Wochen Vertreter des Eisenbahnbundesamtes und der Bahnaufsicht zur Vorabnahme in der Stadt. Derzeit wird eine neue Eisenbahnbrücke an der Ecke Hansering/Stralsunder Straße gebaut. Ein Autodrehkran setzte gestern Abend das erste von vier 12,90 Meter langen Fertigmodulen auf die Betonpfeiler im Wasser. Die anderen drei sollen heute folgen. Danach werden die Teile miteinander verbunden. Die Arbeiten am Gleis gehen im Anschluss in der Salinenstraße weiter. Dort liegen die Schienen zwischen Betonplatten, die erneuert werden.

Auch Arbeiten im Schotterbett sind noch nötig. Die Kosten für die Instandsetzung der 5,5 Kilometer langen Strecke liegen bei mehr als 870 000 Euro.

Der Zugverkehr zwischen Hafen und Hauptbahnhof wurde Ende 2002 eingestellt. Nachdem 2005 die Verhandlungen mit der Netz AG der Deutschen Bahn scheiterten, die Strecke wieder befahrbar zu machen, erwarb die Stadt diesen Streckenabschnitt zu einem symbolischen Preis von der Deutschen Bahn.

Dass das Gleis überhaupt reanimiert wird, geht auf eine Forderung der Bonner Bundesnetzagentur aus dem Jahr 2009 zurück. „Diese hatte von der Stadt verlangt, interessierten Eisenbahnverkehrsunternehmen ein funktionierendes Gleis zur Verfügung zu stellen“, sagt die Stadtsprecherin. Im Dezember 2012 beschloss die Bürgerschaft, den Bauauftrag zur Sanierung der Gleisanlage an eine Stralsunder Firma zu übergeben. Beim Baustart im Frühjahr wurde ein Fertigstellungstermin im Juni anvisiert.

Die Politiker hatten die Investition unter der Bedingung abgesegnet, dass das Land 70 Prozent an Fördermitteln beisteuert. Letztendlich belief sich der Schweriner Zuschuss auf fast 730 000 Euro, was einer Förderquote von mehr als 80 Prozent entspricht.

Jahrelang stillgelegt
1500 alte Bahnschwellen wurden ausgewechselt und das Gleisbett aus Sand durch ein Schotterbett ersetzt.

5,5 Kilometer lang ist die Strecke. Zehn Jahre lag sie still.

4 fertig montierte Brückenteile werden diese Woche eingesetzt. Sie sind jeweils 12,90 Meter lang.

 

 

Kai Lachmann

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