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Romantikfieber erfasst Greifswalder Altstadt

Greifswald Romantikfieber erfasst Greifswalder Altstadt

Ein Tag mit Caspar David Friedrich zieht 15 000 Besucher an

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Silva Holtfreter und ihr Sohn Tristan ließen sich von Waschfrau Tatjana erklären, wie man früher die Wäsche sauber bekam. Ein aufwändiges, zeitraubendes Unterfangen, das zudem noch körperlich schwere Arbeit bedeutete.

Quelle: Foto: Petra Hase/umfrage: Sandrina Gaebel

Greifswald. Jahrmarkttreiben, altes Handwerk, Kettenkarussell und pommersche Spiele: Das historische Stadtfest, mit dem Greifswald seinen großen Sohn Caspar David Friedrich ehrte, zählte am Sonnabend etwa 15 000 Besucher. Romantikfieber hatte die Altstadt erfasst. „Unser Konzept, das Fest an nur einem Tag zu feiern und überall kostenlosen Eintritt zu gewähren, ging voll auf“, resümiert Maik Wittenbecher, Geschäftsführer der Greifswald Stadtmarketing GmbH. In den Vorjahren erstreckten sich die Feierlichkeiten noch übers gesamte Wochenende, mussten die Gäste auch einen Obolus entrichten.

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Ein Tag mit Caspar David Friedrich zieht 15 000 Besucher an

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„Greifswald ist eine ganz tolle Stadt. Und dazu noch dieses Fest. Wir sind total begeistert“, schwärmte Niko Reith aus Donaueschingen, der mit Familie und Freunden zum Urlaub in der Hansestadt weilte. Zu zwölft genossen die Gäste aus Baden-Württemberg das bunte Treiben auf dem Markt, schauten sich beim Seiler und Scherenschleifer um, liefen durchs Kuriositätenkabinett und fuhren Karussell.

Auch Peggy und Jörg Klooth waren wie berauscht: „Ob Schiffsschaukel, die alte Musik oder Fotografie – alles ist hier durchdacht und stilecht. So ein tolles Fest“, anerkannte die Greifswalderin, die mit ihrem Mann zum ersten Mal auf diese Weise Friedrichs Geburtstag feierte. Der jährt sich am 5. September zum 243. Mal. Erstmalig erlebte auch Silva Holtfreter aus Greifswald das nostalgische Flair auf dem Markt. „Ein tolles Erlebnis“, urteilte sie, während ihr vierjähriger Sohn Tristan auf dem Waschbrett mit Seife ein Hemd schrubbte. „Die Alten kennen es noch aus eigenem Erleben“, sagte Waschfrau Tatjana, die mit Zinkwannen, Zuber und Pümpel aus Berlin angerückt war.

Leisten, Brenneisen und Pech hingegen hatte Thomas Mattuszak vor sich aufgebaut, um Neugierigen das Schuhmacherhandwerk nahezubringen. „Das Interesse ist groß, deshalb komme ich jedes Jahr gern nach Greifswald“, sagte der 47-jährige Hauptstädter.

Doch nicht nur Markt und Fischmarkt waren Besuchermagnete. „Wir zählten während des Tages um die 800 Besucher. Das ist sensationell“, frohlockte Jenni Klingenberg vom Pommerschen Landesmuseum. Das Haus hatte zu kurzweiligen Führungen eingeladen. Unter dem Motto „Pommer trifft Japaner“ etwa erfuhren die Teilnehmer spannende Anekdoten über Friedrich und den Künstler Hiroyuki Masuyama. Vor dem Museum hingegen boten Kunsthandwerker wie die Scheibentöpferin Martha Zitzow ihre Waren feil. Auch der Falterstammtisch lockte Leute an, animierte zum Mitmachen. „Ich bin total begeistert, wie liebevoll dieses Fest vorbereitet wurde“, lobte Medizinstudentin Julia Müller, während sie sich im Origami versuchte. Wer nach all den Aktivitäten ein Päuschen benötigte, unternahm mit Christian Clar und seinen beiden Kaltblutpferden Moritz und Malenka eine Kutschfahrt über den Wall, lauschte dem schwedischen Öresundorchester oder der romantischen Orgelmusik im Dom und in St. Marien.

Susanne Papenfuß konnte von alledem leider nichts erleben, denn die Leiterin des Caspar-David- Friedrich-Zentrums hatte mit ihren Mitstreitern selbst „volles Haus“. Auch dort stiegen im Laufe des Tages hunderte Gäste treppab, treppauf, um beispielsweise Kerzen zu ziehen oder Lichttüten mit Friedrich-Motiven zu basteln. Urlauber Frank Staubesand war mutig genug, sich von Maria Mischke einen Backenbart ankleben zu lassen: „Passt zu diesem Fest“, meinte er lachend, während Cornelia Falk und Norbert Wunsch auf ein Silhouettenporträt aus waren. Das ging fix und passte in jede Handtasche.

Wem dafür noch ein „Talersäckchen“ fehlte, wurde im St. Spiritus fündig. Bernd Stabenow und Kathleen Schluricke indes ließen sich von Stephan Rätsch und seinen „dünnhäutigen Figuren“ inspirieren: Das sind auf Draht gespannte Blumen oder Schmetterlinge aus Seidenpapier. „Wir holen uns damit den Sommer zurück“, sagte die Greifswalderin mit einem Augenzwinkern. Das abschließende Konzert im Innenhof mit „Invisible Colours“ begeisterte am späten Abend wiederum hunderte Gäste.

Petra Hase

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