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Rückkehr ins Rampenlicht

Greifswald Rückkehr ins Rampenlicht

Schauspieler Rittig macht das Café Koeppen zur Bühne. Heute ist Premiere von „4.48 Psychose“ — ausverkauft.

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Sie sind wieder da: Hannes Rittig (Mitte), Elke Zeh und Grian Duesberg, ehemals Schauspieler am Theater Vorpommern in Greifswald. Rittig leitet seit August das Café Koeppen. Heute treten er und die beiden anderen mit dem Drama „Psychose“ von Sara Kane im

Quelle: Vincent Leifer

Greifswald. Schauspiel im Café Koeppen? Soll das eine Kampfansage ans Theater Vorpommern sein? Hannes Rittig (41) wehrt ab. „Damit hat diese Idee gar nichts zu tun“, sagt der Greifswalder. „Es ist einfach so: Ich kann nicht anders. Ich muss endlich wieder auf die Bühne.“

Als 2012 der neue Intendant Dirk Löschner ans Theater Vorpommern kam, wurde Rittigs Vertrag als Schauspieler nicht verlängert. Wie so viele andere aus dem Ensemble musste er sich einen neuen Job suchen. Rittig übernahm das Literaturcafé Koeppen. Vielleicht wären Schauspiel-Engagements in Berlin möglich gewesen, zumindest vorübergehend, sagt er. „Aber meine Familie ist ja hier, die hätte ich dann kaum noch sehen können.“ Rittigs Frau Barbara Buck arbeitet als Tänzerin im Ballettensemble des Theaters, die zwei Kinder besuchen Kita und Schule.

Doch nicht nur Rittig blieb — auch die Sehnsucht nach der Schauspielerei wollte einfach nicht verschwinden, trotz aller Arbeit hinterm Tresen, mit Buchhaltung, Einkauf, Organisation von Lesungen und Konzerten im Café. Heute feiert nun das Stück „4.48 Psychose“ im Koeppen Premiere: mit Hannes Rittig und zwei ehemaligen Theater-Kollegen auf der Bühne.

Viele Freunde und Bekannte hatten geholfen, den Traum möglich zu machen. Regisseurin Uta Koschel sagte im Februar zu, die Regie zu übernehmen. Das Literaturzentrum Vorpommern, das im ersten Stock über dem Café sitzt, wurde organisatorischer Schirmherr, stellte den Probenraum zur Verfügung, bewarb die Veranstaltung. Im Café und im Internet wurden die Greifswalder zum Spenden aufgerufen. „Viele haben was gegeben, manche sehr generös“, erzählt Rittig.

Sich neben dem normalen Cafébetrieb Zeit zu nehmen für die Proben, war für ihn allerdings nicht leicht, „zumal ich mich auch um die Organisation kümmern musste, nicht nur um meine Rolle.“ Auch für die Zuschauer wird Sarah Kanes Drama „4.48 Psychose“ wohl kein Spaziergang, wie schon der Name andeutet. „Es geht mir ja auch nicht darum, mit Komödien den Laden zu füllen“, sagt Rittig. Darsteller wie Publikum sollten gefordert werden.

Der britischen Dramatikerin Sarah Kane (1971-1999) war es mit „Psychose“ gelungen, ihre depressiven Schübe festzuhalten. Ohne handelnde Personen, mit Monologen, Zahlen- und Wortketten, die von Rittig, Elke Zeh und Grian Duesberg in Szene gesetzt werden. Zeh und Duesberg arbeiten seit dem Abschied vom Greifswalder Theater als freischaffende Schauspieler in Berlin.

Für Sara Kane war „Psychose“ das fünfte und letzte Drama. Zwei Wochen, nachdem sie es ihrem Verleger vorgelegt hatte, nahm sie sich das Leben. „Es ist ihr lyrischstes und zärtlichstes Stück“, findet Uta Koschel, die am Theater zuletzt „Das Fest“ inszenierte. „Und es ist spannend, die Frage nach psychischen Erkrankungen in einem Café zu stellen.“ Obwohl diese Krankheiten zunähmen, blieben sie eher im Verborgenen. Das Koeppen soll für die Aufführungen kaum verändert werden. Nur eine kleine Bühne wird aufgebaut, damit alle Zuschauer gute Sicht haben. Gestern Abend musste Rittig das Café

ausnahmsweise schließen — wegen der Generalprobe. „Im Moment bin ich noch sehr aufgeregt“, erzählt er. Doch ein Erfolg ist schon jetzt zu verbuchen: Die Vorstellung ist ausverkauft.

Karten für die Vorstellungen am 20. und 21. April gibt‘s am Café-Tresen. Bei Bedarf folgen weitere Vorstellungen.

Mehr Kultur im Koeppen
13. April, 21 Uhr: Mira Falk Quartett Jazz-Sängerin Mira Falk präsentiert spielerische Eigenkompositionen und erfinderische Arrangements. Mit Kristján Martinsson (Piano), Pat Cleaver (Kontrabass), Efraim Schulz-Wackerbarth (Schlagzeug).


14. April, 20:30 Uhr: sonderholm 7, Ornithologen am Scheideweg. Von und mit Schauspieler Krischan Holm. Poetry Slam, Lieder, Live-Hörspiel.

www.koeppenhaus.de

Uwe Roßner und Sybille Marx

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