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Greifswald 60 Jahre als Tierarzt
Vorpommern Greifswald 60 Jahre als Tierarzt
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17:13 10.01.2019
Gustav Seils (l., 84) übergibt seine Praxis nach 60-jähriger Tätigkeit an Nachfolger Peter Zabel (34). Barbara Holzhausen (r.) und der einjährige Rambo müssen sich nun umgewöhnen. Quelle: Dana Frohbös
Greifswald

Immer wieder rufen Herrchen oder Frauchen bei Gustav Seils an und fragen, ob es wirklich stimme, dass er aufgehört hat. Seine Antwort: „Na ja, so’n bisschen.“ Nach 60 Jahren als Tierarzt fällt es nicht nur dem 84-Jährigen schwer, alles hinter sich zu lassen. Eigentlich ist er bereits 1999 in Rente gegangen, hat aber noch die folgenden 20 Jahre täglich in seiner Praxis gearbeitet. „Ich habe immer gesagt, ich bin werktätiger Rentner“, sagt Gustav Seils. Nun sei es für ihn aber Zeit für den geordneten Rückzug, sagt er. Zum 1. Januar hat er seine Praxis an Peter Zabel übergeben.

Für Gustav Seils war früh klar, womit er sich in seinem Berufsleben beschäftigen wird. „Ich hatte einen Hang zur Landwirtschaft und hab’ immer schon beim Bauern gearbeitet“, sagt der Mann, der in Grimmen groß geworden ist. „Das war eine Ackerbürgerstadt. Ich habe gepflügt und Kartoffeln gesammelt.“ Landwirt wurde er trotzdem nicht. „Mein Vater war damals im Sozialismus sehr weitsichtig.“ Und zur Veterinärmedizin sei es ja nur ein kleiner Sprung, wenn man sich für Landwirtschaft interessiert, sagt Gustav Seils.

Gute Ausbildung in der DDR

Von 1953 bis 1958 hat er studiert. „Das war in der DDR total korrekt“. Manche Dinge seien sogar besser geregelt gewesen als in der BRD. Die Pflichtassistenz etwa. „Da wurden wir in die Praxis eingeführt, hatten auch mal einen Hund oder ein Pferd auf dem Tisch“, sagt Gustav Seils. „Und wenn wir dann fertig waren, wussten wir, wo es langgeht und konnten uns als Tierarzt niederlassen.“

Das tat Gustav Seils erstmalig in Neu Boltenhagen. „Tierärzte, die damals aufs Land gingen, wurden hofiert“, sagt er. Sie bekamen einen Landzuschlag. „Wir haben uns da sehr wohlgefühlt.“ Als die vier Kinder von Gustav Seils und seiner Frau Gisela älter wurden, zog es die Familie in die Stadt – und der Tierarzt baute seine zweite Praxis auf. „Wie dann die Wende kam, war ich 56, andere gehen da in den Vorruhestand.“ Gustav Seils aber nicht – er wurde Amtstierarzt. Seine Kleintierpraxis öffnete er nur am Samstag. „In der Woche hat meine Frau Telefonate entgegengenommen, samstags hab’ ich dann operiert und geimpft.“

Gustav Seils ist noch dabei, sein Büro aufzuräumen. In sechs Jahrzehnten hat sich viel angesammelt. Quelle: Dana Frohbös

Seuchenbekämpfung war sein täglich Brot

In seinem Alltag kümmerte sich der Tierarzt vor allem um Seuchen. „Die Tierbestände damals in der LPG waren riesig“, sagt er. Tuberkulose, Schweinepest, Maul- und Klauenseuche, Tollwut, Brucellose. Der Alltag war nicht immer leicht. Gustav Seils musste 34 000 Rinder „austauschen“, Hunde und Kühe totschießen und Füchse begasen. Nach seiner Pensionierung begann er sein zweites Leben. „Dann ging die Praxis erst richtig los“, sagt er. Die folgenden 20 Jahre war er täglich in Eldena für seine tierischen Patienten da.

Über die Jahre habe sich viel verändert – nicht nur im Bereich der Medizintechnik, auch bei den Tieren. „Viele Hunderassen wurden von Groß auf Klein gezüchtet“, sagt Gustav Seils. Vor allem bei der Geburt ergeben sich dadurch Probleme. „Da kommt der Kopf einfach nicht durchs Becken, Kaiserschnitte sind da für mich zur Routine geworden.“ Obwohl die Gefahr nicht unerheblich war, hatte er nie Angst bei seiner Arbeit – passiert ist ihm erst ganz zum Schluss etwas. „Vor vier Monaten wurde ich von einer Katze gebissen“, sagt er. Erst habe er sich noch selbst behandelt, sei dann aber zum Facharzt gegangen. Gebracht hat es nichts. Der rechte Zeigefinger ist steif. „Das hindert beim Operieren. Ich bekomme nicht einmal mehr ein Marmeladenglas auf.“

Jetzt geht’s in den „Unruhestand“

Die Zeit fürs richtige Rentnerdasein ist also gekommen. Ruhig wird es trotzdem nicht. „Ich setze mich doch nicht in so einen Mumienexpress und fahre durch die Gegend.“ Nutzen will er die Zeit stattdessen für seine Hobbys. Und auch die Veterinärmedizin spielt weiterhin eine Rolle. Schließlich wohnt er nach wie vor in dem Haus, das an die Praxis angeschlossen ist. „Dann kann ich noch ein bisschen meine Hand drüber halten“, sagt Gustav Seils über seinen jungen Nachfolger Peter Zabel. „Und der lässt sich auch gerne was sagen und nimmt meine Hilfe dankend an.“

Dana Frohbös

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