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Runge-Schüler: Das Hier und Jetzt gemeinsam gestalten

Wolgast Runge-Schüler: Das Hier und Jetzt gemeinsam gestalten

Gymnasiasten und Flüchtlinge arbeiten eine Woche lang kreativ im „Peenebunker“

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Vor dem Bühnenhintergrund versammelten sich gestern Vormittag die Schüler des Runge-Gymnasiums.

Quelle: Hannes Ewert

Wolgast. Brücken bauen, Menschen miteinander verbinden, den Moment im Hier und Jetzt (er)leben. Mit diesen drei Stichpunkten könnte man zusammenfassen, was die Schüler der 10. Klasse des Wolgaster Runge-Gymnasiums derzeit machen. Eine Woche lang arbeiten sie im Jugendhaus „Peenebunker“ am Paschenberg kreativ und möchten so ihre eigene Zukunft gestalten. Vier minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge aus dem kleinen Ort Franzburg bei Stralsund sind auch dabei. Organisiert wurde diese außergewöhnliche Zusammenkunft im Rahmen von Kunstwelten der Akademie der Künste in Berlin.

Junge Flüchtlinge

133 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge leben derzeit im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Zwei davon sind Mädchen. Auf der Insel Usedom gibt es derzeit eine Unterkunft für acht junge Flüchtlinge. Sie werden vom Landkreis betreut. Der Kreis denkt darüber nach, aus der Clearingstelle in Mölschow eine Wohngruppe zu gestalten.

Fast überall im Haus werden die Schüler in diesen Tagen kreativ. Es gibt nur noch wenige Ecken im Gebäude, in denen nicht gerade mit Schere und Stift gearbeitet wird. „Auf dieser Seite zeige ich die guten Seiten des Gehirns. Auf der anderen Seite die schlechten“, erklärt Max aus der 10 b das Werk, an dem er gerade arbeitet. Die eine Seite ist schwarz-weiß gehalten, die andere knallig bunt mit kräftigen Farben. Der Gymnasiast bekommt bei der Arbeit Hilfe von Rose und Alina. Am Ende des Workshops soll das Werk als Bühnenhintergrund dinen.

Morgen Vormittag sollen die Schüler ihre Werke präsentieren. Schon gestern bildete der Bühnenhintergrund einem farbenfrohen Kontrast zum nasskalten Wetter außerhalb des „Peenebunkers“.

Unter dem Titel „Hier da sein“ kommen die Schüler in dieser Woche zusammen. „Wir sind gerade dabei, die Zukunft zu gestalten. Heutiges können wir für später sichtbar machen“, erklärt Jens Kuhle, diplomierter Kunsttherapeut aus der Nähe von Anklam. Der 55-Jährige ist der Ideengeber für den Workshop.

In einem anderen Workshop lernen die Schüler im „Peenebunker“ den Klang des Körpers kennen. „Jeder Körper hat einen anderen Klang. Ob wir mit den Händen klatschen, auf dem Bauch trommeln oder auf die Oberschenkel schlagen – überall entstehen Geräusche“, erklärt Pädagoge und Jazz-Musiker Hartmut Dorschner aus Dresden. „Wir erarbeiten gemeinsam eine Body-Percussion, singen und geben Geräusche von uns. Dieses Gesamtbild präsentieren wir im Anschluss an das Projekt auf der Bühne. Das kann in Gruppen oder auch als Einzelstück gezeigt werden“, erklärt der Sachse. „Die Schülerinnen und Schüler sollen sich im ’Hier und Jetzt’ spüren und erleben“, verdeutlicht er.

Dass vier vom Stralsunder Chamäleon-Verein betreute Jugendliche aus Syrien, Kenia und Guinea dabei sind, hat einen guten Grund: Sie sollen den Alltag ihrer gleichaltrigen Schüler besser kennenlernen und verstehen. „Das ist gelebte Integration, die hier stattfindet“, erklärt Deutsch- und Kunstlehrerin Anne Richter vom Runge-Gymnasium. An der hiesigen Bildungseinrichtung lernen derzeit etwa 20 junge Männer und Frauen, die aus Kriegsgebieten nach Wolgast kamen, im Unterricht. „Viele weitere sind noch dabei, in eigens dafür geschaffenen Kursen fleißig Deutsch zu lernen. Da hat der Sprung auf das Gymnasium noch nicht geklappt. Deshalb sind es bei uns bisher nur 20 Schüler“, erklärt sie.

Einer von ihnen ist der 16-Jährige Yehja aus Homs. Er wohnt seit neun Monaten in Deutschland. „Ich habe eine bunte Brille gestaltet. Die finde ich toll“, sagt er. Aufgrund seiner guten Deutschkenntnisse kann er sich gut mit seinen Mitmenschen unterhalten. Richter sagt: „Wir sind dabei, die Zukunft gemeinsam zu gestalten.“

Hannes Ewert

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