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„Ruß und Qualm haben mir alles genommen“

Garz „Ruß und Qualm haben mir alles genommen“

Ruben Standar wurde vor einem Monat plötzlich obdachlos. Der einst so wohlhabende 82-Jährige verlor alles.

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Nichts ist ihm geblieben. Ein Schmorbrand hat Ruben Standar (82) alles genommen.

Quelle: Angelika Gutsche

Garz. Ruben Standar streichelt zärtlich über seinen Flügel. Dem leichtem Druck auf die verrußten Tasten folgen schräge, fast klanglose Töne. Traurig senkt der 82-Jährige den Kopf.

Qualm, Ruß und Wasser haben am 20. März beim Brand in der Garzer Garagenwohnung des Schneidermeisters ganze Arbeit geleistet. Standars Idylle, in die sich der ansonsten kontaktfreudige Senior gern zurückzog, gibt es nicht mehr. Auch der wertvolle Flügel aus dem Hause Rud. Ibach & Sohn ist hin. Noch immer weiß der 82-Jährige nicht, von wo aus sich der Schmorbrand vor einem Monat ausgebreitet hatte. Nur eines wurde ihm nach und nach schmerzvoll bewusst: „Mir ist nichts geblieben. Alles ist futsch“, sagt er bei einer Stippvisite in seiner verkohlten Behausung. Doch es gibt Hoffnung. Zwei Zirchower Handwerker bauen in seinem Auftrag alles wieder auf. Die wichtigsten Zimmermannsarbeiten haben sie erledigt, verkohlte Balken ersetzt. Gut einen Monat werden sie noch zu tun haben. Und dann? Ruben Standar ist bange bei diesem Gedanken. Wie soll er sich neu einrichten?

Vorläufig lebt er noch vis-à-vis bei Nachbarin Heidemarie Pirwitz. Schon vor dem Brand ging er in ihrer Wohnung ein und aus, traf sich mit ihren anderen Untermietern, um einen Plausch abzuhalten.

Kommunikation war dem Berliner, der seine frühere Ferienwohnung in Garz in den 1990-er Jahren zu seinem Hauptwohnsitz gemacht hatte, immer wichtig. „Wer kein Mitmensch ist, kann leicht zum Unmenschen werden“, war immer seine Maxime. „Es ist ganz wichtig, dass man einen Anlaufpunkt hat, ein freundliches Haus, wo man reden und seinen Missmut abladen kann.“ Der Treff bei Heidemarie Pirwitz, die kommunikative Nachbarschaft passten in sein Leben.

Wohnen wollte er immer lieber allein. Zum Beispiel, um nachts aufzustehen und ganz nach Belieben Klavier zu spielen. Das half ihm gegen die Trauer um seine verstorbene Frau. Das Leben zu akzeptieren, wie es ist, ist seine christliche Überzeugung. Sie hat ihm oft geholfen; als er 1945 bei Kriegsende durch das zerbombte Berlin irrte oder als politischer Gefangener in der DDR einsaß, weil sein Ausreiseversuch missglückt war. Die Fähigkeit, einfach zu akzeptieren, was gerade nicht zu ändern ist, hilft dem Witwer auch jetzt wieder, wo er in hohem Alter plötzlich obdachlos wurde, den Mut zu behalten. Trotzdem, die Realität ist mehr als bitter. Um in einem guten Monat zurück in seine Idylle zu ziehen, fehlt es dem Senior praktisch an allem.

Ruben Standar ringt sich deshalb durch, andere um Hilfe zu bitten. Leicht fällt es dem einst so wohlhabenden Inhaber einer Reinigung wahrlich nicht. Doch er überwindet die Scham. Schließlich ist ihm sein Auto geblieben. Mit diesem würde er gern zu hilfreichen Leuten kommen, die ihm Hausrat überlassen wollen. „Ich weiß doch selbst, wie es mir vor dem Brand ging. Da kauft man eine Menge Zeug und benutzt es so gut wie nie.“ Standars Bitte zielt konkret auf Haushaltselektronik ab. Im Grunde kann er alles gebrauchen, was einen Haushalt ausmacht — vom Stuhl bis zu Textilien und Schränken.

Kontakt: ☎ 03 83 76/2 07 06

Angelika Gutsche

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