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Greifswald Sanitätshelfer beim DRK: „Ich lerne hier viel für mein Leben“
Vorpommern Greifswald Sanitätshelfer beim DRK: „Ich lerne hier viel für mein Leben“
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04:17 09.03.2018
Kam als 14-Jähriger in Köln mit dem DRK in Kontakt: Biologie-Student Simon Küpper, 25. Heute leitet er als Ehrenamtlicher in Greifswald den Sanitätszug im Kreisverband Greifswald-Ostvorpommern. Quelle: Foto: Drk

Die typischen Vorfälle beim Greifswalder Fischerfest? Betrunkene stürzen, klappen mit Kreislaufproblemen zusammen oder landen sogar im Ryck. „Und jedes Jahr gibt’s leider auch ein paar, die unter Alkoholeinfluss in eine Schlägerei geraten“, erzählt Simon Küpper, 25. Der Greifswalder Student, Mitglied im Deutschen Roten Kreuz (DRK), steht bei solchen Großveranstaltungen in der Region meist bereit, um Verletzte zu versorgen. Als ausgebildete Sanitätshelfer verarzten er und andere Ehrenamtliche etwa Wunden, helfen Kreisläufe zu stabilisieren, leisten Erste Hilfe bei Herzinfarkten und Schlaganfällen – und zeigen damit, wie wichtig Ehrenamt sein kann.

Fast 470 Freiwillige engagieren sich derzeit beim DRK-Kreisverband Greifswald-Ostvorpommern. Bei der Ehrenamtsmesse am 24. März im Pommerschen Landesmuseum wollen einige von ihnen zusammen mit Ehrenamtlichen von vielen anderen Vereinen über ihre Arbeit informieren – und neue Mitstreiter gewinnen.

Küpper kam schon als 14-Jähriger mit dem DRK in Kontakt. „An meiner Schule in Köln gab es eine Sanitäts-AG“, erzählt er. DRK-Leute bildeten die jungen Teilnehmer in Erster Hilfe aus. „Wenn dann im Schulalltag was passiert ist, konnte man uns rufen.“ Aufregend sei das gewesen, auch wenn es meist um ganz harmlose Dinge ging: ein Pflaster aufkleben, einem Schüler mit Bauschmerzen gut zureden, bis die Eltern zum Abholen kommen.

„Ich fand es immer toll, helfen zu können, auch wenn das vielleicht etwas abgedroschen klingt“, sagt Simon Küpper. Seine beiden älteren Geschwister waren den Weg schon vorgegangen. „Denen will man natürlich auch nacheifern“, sagt er schmunzelnd. Als er 16 wurde, trat er wie sie in den Katastrophenschutz des DRK ein. Für Küpper der Einstieg in eine Welt, in der er Gemeinschaft erlebte, aber auch drei Aus- und Fortbildungen beim DRK absolvierte und viel lernte: über ärztliche Versorgung, über Gruppenleitung, über das Vorgehen im Katastrophenfall, etwa bei Zugunglücken oder Überschwemmungen. „Das hat mir viel gebracht, ich lerne hier viel für mein Leben“, sagt er. Anfangs sei er immer aufgeregt gewesen, wenn es zu einem Einsatz ging, „heute bleibe ich da ganz gelassen“.

Einen seiner ersten Einsätze als Ehrenamtlicher in MV hatte Küpper 2013 bei der Elbflut in Ludwigslust: „Damals hätte es sein können, dass der Deich bricht und die Anwohner ganz schnell evakuiert werden müssen“, erzählt er. Küpper und andere Helfer des DRK verwandelten prophylaktisch eine Turnhalle in eine Notunterkunft mit Feldbetten, Sanitäranlagen und Versorgungsdienst. „Dann haben wir zwei Wochen lang in der Sonne gesessen, und der Damm hat gehalten“, sagt er lächelnd.

Nach Greifswald kam Küpper, weil er einen Studienplatz in Biologie suchte. „Meine Mutter hat hier Bekannte und hat mehr zum Spaß gesagt, geh doch nach Greifswald“, erzählt er. Küpper guckte sich das Städtchen an, fand es reizvoll und entschied: Das mach ich.

„Mir ist es nicht schwer gefallen, mich hier einzuleben“, sagt er. Auch wenn der DRK-Ortsverband in dieser ländlichen Region nicht das ist, was er von seiner turbulenten Heimatstadt kannte. „In Köln hatten wir Sanitätshelfer jeden Monat mehrere Einsätze bei Großveranstaltungen“, erzählt er schmunzelnd. In Vorpommern-Greifswald seien es gerade mal vier bis fünf Einsätze pro Jahr, die meisten im Sommer. „Und als ich im November 2012/13 hier anfing, war die Stimmung noch etwas gedrückt.“

Damals hatte der Kreisverband gerade damit zu kämpfen, dass die Wehrpflicht abgeschafft worden war, niemand sich mehr für fünf Jahre als Ersatzdienstleistender verpflichtete, erzählt Küpper.

„Inzwischen ist die Stimmung wieder gut, ein paar junge Leue sind nachgekommen.“ Rund 20 Ehrenamtler gehören derzeit dem Sanitätszug im Kreisverband an, die jüngste Helferin ist 19, der älteste Ende 40, Simon Küpper hat die Leitung. Alle zwei Wochen treffen sie sich, um sich über nützliche Themen für Einsätze fortzubilden, etwa über Notstromaggregate. „Jeder bereitet mal so eine Ausbildungseinheit vor, nutzt dazu das Wissen, das er aus seinem Beruf oder Studium hat oder liest sich etwas an“, sagt Küpper. Für speziellere Themen werden Experten eingeladen.

Auf der Ehrenamtsmesse kann Küpper nicht dabei sein, aber er hofft, dass es seinen Kollegen gelingt, wieder ein paar Menschen für die Mitarbeit im DRK zu begeistern. Jeder neue, verspricht er, werde gut eingearbeitet: mache zuerst einen Erste-Hilfe-Kurs, dann die Ausbildung zum Sanitätshelfer an etwa drei, vier Wochenenden. Und bei den ersten Einsätzen arbeite er mit einem erfahrenen Ehrenamtlichen zusammen. „Wir schubsen niemanden ins kalte Wasser“, sagt Küpper. Viel lieber retten die DRK-Helfer wohl Menschen, die von anderen geschubst wurden.

Sybille Marx

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