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Greifswald Schämen wir uns für die Bundeswehr?
Vorpommern Greifswald Schämen wir uns für die Bundeswehr?
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05:51 10.07.2018
Die Werbekampagne der Bundeswehr ist im gesamten Stadtgebiet mit Farbbeuteln beschädigt worden. Die CDU kritisiert die Aktion und fragt: Schämt ihr euch für unsere Bundeswehr? Quelle: Degrassi Katharina
Greifswald

Die Greifswalder Christdemokraten sind empört. Im Stadtgebiet wurden die Werbeplakate für die Nachwuchskampagne der Bundeswehr zerstört oder beschädigt. „Das ist kein Zufall sondern böser Wille“, sagt Axel Hochschild, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft. „In Schwerin, Rostock und Neubrandenburg sind die Plakate unversehrt. In Greifswald wurden alle beschädigt“, sagt Hochschild. Er sieht „linke Ideologie“ als Motiv dahinter.

Kritik an der Zerstörung kommt jedoch auch von den Parteien des linken Bürgerschaftsbündnisses. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass die Plakate zerstört wurden“, sagt SPD-Bürgerschaftsmitglied Erik von Malottki. „Kritik muss man konstruktiv äußern, nicht durch Sachbeschädigung“, sagt Alexander Krüger, Vorsitzender der Fraktion Grüne/Forum 17.4, der selbst bis Ende 2017 Berufssoldat war. In seiner Dienstzeit war er bei fünf Einsätzen in Afghanistan als Teil der Panzergrendierbrigade 41. „Eine kritische Haltung finde ich grundsätzlich positiv, denn sie hilft der Bundeswehr, sich als Apparat weiterzuentwickeln. Aber Farbbeutel lösen keine Probleme“, so Krüger weiter. Er weiß aus seinen vielen Jahren Berufstätigkeit, dass die Akzeptanz in Orten stärker ausgeprägt ist, in denen Militärs angesiedelt ist. „Wenn die Soldaten im Ort leben, sind sie in der Struktur gesellschaftlich verankert“, erklärt Krüger. In der Universitäts- und Hansestadt gebe es keine Berührungspunkte und deswegen vermutlich mehr Vorurteile.

FDP-Bürgerschaftsmitglied André Bleckmann und Reservist sieht keinerlei Akzeptanzproblem in Greifswald. „Vandalismus gibt es überall. Das sind einige wenige, die nicht für die Mehrheit der Bevölkerung sprechen“, ist Bleckmann überzeugt. Die bei der CDU hochkochenden Emotionen findet er überzogen.

Hochschild verknüpft das Problem der mit Farbbeuteln beworfenen Bundeswehrplakate mit der Ablehnung der Bürgerschaft, eine Korvette der Bundeswehr nach der Stadt Greifswald benennen zu lassen. „Es ist mir vollkommen unerklärlich, warum die Bürgerschaft diesen Antrag abgelehnt hat“, so Hochschild. Die Bundeswehr habe im Mittelmeer zehntausende Menschen aus der Seenot gerettet. „Was für ein Problem haben die Leute damit“, fragt Hochschild. Er betont, dass jeder Auslandseinsatz der Bundeswehr zuvor vom Bundestag beschlossen wurde.

Kopfschütteln bei André Bleckmann, der jährlich bis zu drei Monate als Reservist an Wehrübungen teilnimmt, vorrangig im Panzergrenadierbataillon in Torgelow oder bei der Unterstützung der Brigade in Neubrandenburg. „Die CDU nutzt das Thema Bundeswehr, um sich ein konservatives Profil zuzulegen“, sagt Bleckmann. Und weiter: „Wenn der CDU ernsthaft etwas an der Bundeswehr liegen würde, würde sie sich nicht auf symbolhafte Anträge zurückziehen, sondern selbst aktiv werden. Die Beteiligung der Christdemokraten am Volkstrauertag ist mit der Lupe zu suchen.“ Auch beim Kommandeurwechsel auf dem Neubrandenburger Marktplatz sei kein Greifswalder CDU-Politiker anwesend gewesen. Beim Korvetten-Antrag hat sich Bleckmann enthalten, weil Greifswald keinerlei militärische Tradition habe. „Da wirkt es an den Haaren herbeigezogen, wenn man seine Unterstützung durch einen Schiffsnamen zum Ausdruck bringen möchte“, so Bleckmann.

Ähnlich sind die Argumente von Alexander Krüger. Er hat gegen die Korvetten-Vorlage gestimmt, weil Greifswald kein Marinestützpunkt ist und die Bundeswehr damit gesellschaftlich nicht verankert vor Ort. Krüger betont: „Ich finde es falsch, den Anschlag mit den Farbbeuteln mit der Korvetten-Debatte zu verknüpfen.“

Erik von Malottki sieht einige Einsätze der Bundeswehr durchaus kritisch: „Ich würde es besser finden, wenn unsere Bundeswehr eine reine Verteidigungsarmee wäre.“ Seine Fraktion habe sich bei der Abstimmung zur Korvette enthalten, weil es wichtigere Themen für die Stadt gebe als die Verwaltung mit Korvettennamen zu beschäftigen, so von Malottki. Militärwerbung im öffentlichen Raum steht er skeptisch gegenüber. „Sie sollte sich in Grenzen halten“, sagt von Malottki. Ihm sei jedoch klar, dass die Bundeswehr nach der Abschaffung der Wehrpflicht selbstverständlich Nachwuchs rekrutieren muss.

Degrassi Katharina

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