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Greifswald Schamlose Wahrheiten
Vorpommern Greifswald Schamlose Wahrheiten
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00:00 27.04.2017

„Auf drei ruft ihr ‚I am big`’“, forderte Anna-Lena Obermoser das Publikum auf. Und es rief und applaudierte lange. Es war ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den lyrisch-feinfühligen Dichtungen von Obermoser aus Graz (Österreich) und den witzigen, sarkastischen Texten von Leonie Warnke aus Leipzig. Kaum, dass man hätte unterscheiden können zwischen dem tosenden Applaus der Zuhörer für die eine und die andere Poetry-Slammerin. Am Ende gewann doch Warnke.

Am Dienstagabend fand der traditionelle „Best of Poetry Slam“ in der Stadthalle Greifswald statt. Der Kaisersaal war ausverkauft, das Publikum gespannt. Das Prinzip des Dichterwettstreits ist ganz einfach: „Jeder hat zehn Minuten Zeit, um seine Texte vorzutragen, dann entscheidet ihr, wer euch am meisten gefallen hat“, erläuterte Moderator Jasper Diedrichsen. In den nächsten eineinhalb Stunden traten die fünf besten Dichter und Dichterinnen auf, die schon viele Preise gewonnen haben und teilweise hauptberuflich dichten. Nach jedem Auftritt bewertete das Publikum über die Lautstärke seines Klatschens und die Vergabe von Punkten die Leistung. Piet Weber aus Berlin heimste von den Zuschauern viel Applaus mit seinen ironisch-charmanten Versen ein. Noah Klaus’ Texte, in denen er das Postfaktische unseres Zeitalters und den Hedonismus unserer Feierkultur hinterfragte (in der es immer nur um das „Gönn dir“ und „einen Bass, der fickt“ gehe), übertrumpften mit wissenschaftlichen Begriffen und beißendem Sarkasmus. Die Zuhörer lachten oft schallend. Die Erzählkunst des Hamburgers Danny Grimpe erschöpfte sich zu verschiedenen Mentalitäten und regionalen Gepflogenheiten.

Lyrisch, melodisch und ziemlich österreichisch wurde es bei Obermoser, die über verletzte Gefühle, Lügen und Wahrheit dichtete. Mit ihrer Mischung aus Sanftheit und Stärke zog sie das Publikum in den Bann: „Versprichst du mir, dass du mir beim Aufstehen hilfst, wenn ich auf mein Goschel falle oder legst du dich dazu?“ Ja, sie wagte sogar einen Text auf österreichisch zu sprechen. „Ihr seid so ein tolles, wertschätzendes Publikum, da traue ich mich sogar, in meinem Grazer Dialekt vorzutragen“, erklärte sie. Die 25-jährige Warnke erheischte mit ihren humorvollen, sarkastischen Dichtungen über das Single-Dasein, in dem „man endlich wieder ungestört masturbieren kann“ und ihrer Kritik am Schubladen-Denken alle Sympathien der Zuschauer. Für ihr „Schubladen sind manchmal ganz schön scheiße, wenn man nicht Nazis und Trump darin verstauen kann“ erntete sie tosenden Applaus.

Den Preis für die beste Poetin, eine Flasche Whiskey, genossen beide Dichterinnen noch auf der Bühne gemeinsam. „Es war megageil. Das war der beste Slam seit Monaten. Ein grandioses Publikum“, freute sich Warnke.

Annemarie Bierstedt

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