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Schandfleck wird wieder schick: Wohnhaus entsteht

Greifswald Schandfleck wird wieder schick: Wohnhaus entsteht

Das Bürgerhaus in der Steinbeckerstraße wird gerettet und bekommt seine alte klassizistische Fassade zurück

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Historische Aufnahme: So sah das Gebäude aus, bevor die Fassade vereinfacht wurde.

Quelle: Foto: Oz-Archiv

Greifswald. Ein Schandfleck in der Greifswalder Innenstadt soll endlich verschwinden. Das seit Jahren leer stehende und vom Verfall bedrohte Gebäude in der Steinbeckerstraße 35 wird gerettet. Das hat der Eigentümer angekündigt. Demnach will er eine siebenstellige Millionensumme in das Gebäude investieren. Dass dieses eines der wertvollsten Greifswalder Bürgerhäuser ist, sieht man derzeit nicht. Es präsentiert sich mit bröckelnder und beschmierter Fassade sowie beklebten Fenstern.

OZ-Bild

Das Bürgerhaus in der Steinbeckerstraße wird gerettet und bekommt seine alte klassizistische Fassade zurück

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Die Gebäudefront wurde zu DDR-Zeiten vereinfacht (1967). Dahinter befindet sich eine zu großen Teilen erhaltene klassizistische Innenausstattung. Dazu gehören die hölzerne Treppe, die Innentüren, Malereien und Teile eine für die Erbauungszeit sehr große Küche. Oben befand sich ein großer Saal mit drei Achsen.

Es ist eine Rettung in letzter Minute. Erst 2014 erwarb der jetzige Eigentümer das Grundstück. „Der Vorbesitzer hat das Haus verkommen lassen“, sagt Michael Clavén. „Dadurch ist der Schwammbefall inzwischen sehr weit fortgeschritten.“ Außerdem wurden durch den Vorbesitzer Ausstattungsstücke beseitigt. Clavén ist bei der Greifswalder Tangram Planwerkstatt zuständig für das Projekt. „Das Haus bekommt seine alte klassizistische Fassade zurück“, kündigt der Bauingenieur an. Die nun zu rekonstruierende Außenhaut stammt laut dem Kunsthistoriker Felix Schönrock wahrscheinlich von Caspar David Friedrichs Zeichenlehrer Johann Gottfried Quistorp. Sie ähnelte der des Pfarrhauses von St. Marien in der Loefflerstraße.

Etwa eineinhalb Jahre werde es dauern, bis die Restaurierung des Denkmals beendet sei, schätzt Michael Clavén ein. Dann werden in der Steinbeckerstraße 35 insgesamt sechs Wohnungen entstanden sein.

Die innere Struktur bleibt erhalten. Das heißt, dass die künftigen Mieter auch mit Durchgangszimmern leben müssen.

Zwei Seitenflügel werden errichtet, einen gab es schon früher. „Es ist ja ein großbürgerliches Haus“, erinnert Clavén. Ob und wie viel nach der Restaurierung von den gemalten toskanischen Säulen, Palmblattfriesen, der Pergola im pompejanischen Stil zu sehen sein wird, sei letztlich eine Frage des Geldes. Rasch steigende Baupreise sind auch für dieses Projekt ein Problem. Erhalten werden die Malereien auf jeden Fall, betont Clavén.

Bauherr des 1804 errichteten Hauses war Baltzer Peter von Vahl. Er verkaufte schon kurze Zeit später an Carl Gesterding. Der Greifswalder Bürgermeister ist der Begründer der neueren Greifswalder Stadtgeschichtsschreibung.

Seit 1878 ist die Steinbeckerstraße 35 mit dem Fleischerhandwerk verbunden. Der Fleischermeister Ernst Lodin erwarb damals das Gebäude. Zuletzt befand sich in dem Eckhaus ein Fleischerladen. 1932 erfolgte ein Umbau. Als Fleischerei war das Gebäude auch in DDR bekannt.

Der Verkauf des Gebäudes an einen Bad Honnefer nach der Wende wurde zum Desaster. Über 20 Jahre stand es leer. Schon 2004 berichtete die OZ, dass dessen Ankündigung zum Bauen keine Taten folgen würden. Die Greifswalder Altstadtinitiative und Stadtpolitiker forderten immer wieder vergeblich, dass etwas für die Rettung des Denkmals unternommen werden müsse. Erst 2014 kam mit dem Verkauf an den neuen Eigentümer Bewegung in die verfahrene Kiste.

Eckhard Oberdörfer

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