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Schatzsuche: Verschollen geglaubter Wein gefunden

Greifswald Schatzsuche: Verschollen geglaubter Wein gefunden

Nach knapp sechs Stunden entdeckte ein Team die Gitterbox mit den über 700 Flaschen Rotspon. Das Schloss ist vom Salz zerfressen. Die Verkostung musste ausfallen.

Greifswald. Glückliches Ende einer nervenaufreibenden Suche: Die verschollen geglaubten Weinflaschen sind wieder aufgetaucht. Knapp sechs Stunden durchkämmte ein vierköpfiges Team gestern die Dänische Wiek nach den 720 Wein- und 30 Sektflaschen, die im Juni versenkt worden sind. Vor einer Woche sollte eine Probe verkostet werden, doch die Taucher fanden die Flaschen unter den streng geheim gehaltenen Koordinaten nicht. Die gemeinsame Marketingaktion des Greifswalder Fremdenverkehrsvereins und der Hanseatischen Kolonialwaren-Gesellschaft Rostock drohte zum Super-Gau zu werden, sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen.

Zwischen dem Kap Arkona und München mutmaßten Weinliebhaber, ob der edle Tropfen gestohlen worden sein könnte, die schweren Flaschen samt Stahlkäfig im Meeresgrund versunken sind oder die Taucher doch nur an der falschen Stelle gesucht haben. Letzteres bewahrheitete sich. Eine genialere Werbung hätten sich Kolonialwaren-Gesellschaft und Fremdenverkehrsverein nicht einfallen lassen können. Der mutmaßlich verschollene Rotspon ist weit über die Landesgrenzen hinaus in aller Munde. Marketingleiter Alexander Lau (41) garantiert trotzdem, dass die abenteuerliche Schatzsuche kein Werbegag war, sondern eher „eigene Dummheit“. Als die Flaschen versenkt worden waren, gab sich Lau noch siegessicher, dass der Wein anhand der GPS-Daten auf Anhieb wiedergefunden wird. Auch Christina Spierling, Chefin des Fremdenverkehrsvereins, verkündete das damals selbstbewusst. Der professionelle Bergungstaucher Helge Laudel (49) aus Kröslin hatte jedoch schon beim Verstauen der Flaschen in der Gitterbox auf dem Meeresgrund Bedenken, ob der edle Tropfen tatsächlich so leicht gefunden werden kann. Das zumindest sagte er gestern nach Abschluss der erfolgreichen Aktion. „Die Sicht im Bodden beträgt gerade mal 20 Zentimeter. Dazu gibt es eine seitliche Strömung und wir sind für die Testhebung mit einem anderen Boot rausgefahren als beim Versenken“, zählt Laudel die Punkte auf, die das Projekt Weinhebung scheitern ließen. Die Suche hätte der nach der Nadel im Heuhaufen geglichen.

Als Laudel die Gitterbox dann endlich unversehrt gefunden hatte, gab es die nächste Enttäuschung. „Das Schloss ist leider total vom Salzwasser zerfressen. Der Schlüssel passt nicht mehr“, erklärt Lau. Deswegen konnte kein Wein zur Verkostung entnommen werden. „Die Taucher sollten das Schloss aus Sicherheitsgründen nicht zerstören“, ergänzt der Marketingleiter. Denn zum Jahresende soll der Wein Verkaufsschlager in der Greifswalder Tourist-Info werden. Bis dahin setzen sich weiter Pocken und Algen an den Flaschen ab, das Aroma des Weins wird durch das sanfte Hin- und Herschaukeln im Bodden weiter verfeinert. Wenn die Flaschen im November für den Verkauf gehoben werden sollen, wird es keine erneute abenteuerliche Suche geben. Davon sind Lau und Laudel überzeugt. „In einer halben Stunde finden wir die Box“, meint Laudel.

Derweil spinnt Marketingchef Lau schon seine Idee zum Schatzgräber-Tourismus weiter. Bis zu 50 Weinflaschen könnten im nächsten Jahr versenkt und zur Suche für Touristen freigegeben werden.

Allerdings nicht in der Dänischen Wiek. Denn da ist die Sicht zu schlecht, wie Laudel betont.

 

Katharina Degrassi

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