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Greifswald Schieflage bei Hafenbahn Ladebow?

Bund der Steuerzahler prangert Verschwendung an / Die Stadtverwaltung wehrt ab

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Es fährt kein Zug nach nirgendwo: Das für viel Geld revitalisierte Gleis wird kaum genutzt. FOTOS UND MONTAGE: PETER BINDER

Greifswald. Hat der Bund der Steuerzahler Recht, wenn er in seinem berühmten Schwarzbuch schreibt: Die Hafenbahn, die vom Bahnhof Greifswald bis zum Industriehafen Ladebow fährt, sei ein „defizitäres Geschäft“, ein Beispiel für die Verschwendung von Steuergeldern?

 

OZ-Bild

Es stellt auch keiner das öffentliche Straßenver- kehrsnetz infrage. Jeannette von Busse, Bausenatorin

Greifswalds Stadtsprecherin Andrea Reimann ist empört. „Der Bericht strotzt vor Fehlern“, sagt sie. Mehrere Zahlen und Fakten seien falsch, auch Unterstellungen enthalte er. Gleich zu Beginn die:

dass Greifswald mit der Wiederbelebung der Bahnstrecke eine „großartige Vision“ umsetzen wollte.

Tatsächlich war es die Bundesnetzagentur, die 2009 forderte, die Stadt müsse die 2002 stillgelegten Gleise zum Hafen Ladebow wieder in Betrieb nehmen. Denn wo Gleise liegen, müssten sie auch genutzt werden können. Greifswalds Bausenatorin Jeannette von Busse (CDU) betont: Genau das sei von der Bürgerschaft aber auch gewollt. Schließlich wolle man den Hafen „weiter nachhaltig und erfolgreich“ zum Industrie- und Gewerbegebiet entwickeln, den Firmen ermöglichen, Güter zwischen Schiff, Bahn und Lkw umzuschlagen. Also doch eine Vision.

Das Problem dabei: Die Gleise sind teuer und kaum einer nutzt sie. 2013 schätzte die Stadt noch, 100 Fahrten mit der Hafenbahn würden pro Jahr zusammenkommen (die OZ berichtete), wegen Gleisentgelten von etwa 500 Euro pro Fahrt sei das kostendeckend. Zuletzt hieß es, 150 Fahrten seien nötig, bei Entgelten von 550 Euro.

So viele Güterzüge fuhren aber nie. In der ersten Jahreshälfte 2017 waren gerade mal zwei Züge auf der Strecke unterwegs, bis jetzt 35 weitere – allerdings nur, weil eine Lok zwei Tage lang jede Stunde von morgens bis abends Gäste beim Fischerfest hin und her fuhr. Und da gelten geringere Entgelte.

Güterzüge gab es 2017 kaum. Das Hafengelände ist zwar mit fünf Firmen voll besetzt, doch seit Jahren landen immer weniger Waren an, liegen die Umschlagszahlen weit unter dem, was die Stadt sich einst erhofft hatte. Seit Jahren sorgt das auch für Zoff und Sorgenfalten in der Bürgerschaft.

Denn tatsächlich war und ist die Hafenbahn teuer. Für 683000 Euro vom Land und 127600 Euro von der Stadt wurde die Gleisanlage 2013 saniert und 2014 wieder in Betrieb genommen. Rund 10000 Euro Kaufpreis zahlte die Stadt (nicht 50000 Euro, wie im Schwarzbuch behauptet).

Dann noch die Folgekosten: „Es entstehen jährlich fixe Kosten von 25000 Euro, die sich aus dem Infrastrukturanschlussvertrag mit der DB Netz AG und dem Infrastrukturbetreibervertrag mit der Regio Infra Nord Ost GmbH generieren“, sagt Jeannette von Busse. „Hinzu kommen jährliche Kosten für die Unterhaltung der Gleisanlagen in Höhe von circa 10000 Euro.“ Macht rund 35 000 Euro im Jahr.

Diese Ausgaben würden derzeit „nur zum Teil durch Einnahmen aus Zugverkehr gedeckt.“

Wie klein dieser Teil ist, sagt sie nicht. Doch wenn eine Firma pro Fahrt ein Gleisentgelt von 550 Euro entrichtet, waren es im ersten Halbjahr gerade mal 1100 Euro. Wie viele Fahrten im zweiten Halbjahr nicht auf das Fischerfest entfielen, sondern auf Güterzüge, war auf OZ-Nachfrage vorerst nicht zu erfahren – danach würde sich die weitere Summe richten.

Die Ursache für die aktuell schwierige Entwicklung von Hafen und Hafenbahn habe der Steuerzahlerbund jedenfalls nicht dargestellt, sagt Jeannette von Busse: nämlich, dass die Fahrrinne immer weiter versande, nur noch kleinere Schiffe den Hafen ansteuern können. Stattdessen steht im Schwarzbuch, 2016 sei die Fahrrinne für gut 600000 Euro ausgebaggert worden, auch das habe nichts genützt.

Die Ausbaggerung ist aber noch gar nicht erfolgt, erst im Frühjahr 2018 wird das voraussichtlich passieren. Erst dann können wieder Schiffe mit einem Tiefgang von mehr als 4,20 Metern den kleinen Hafen ansteuern. Aber ob das den ersehnten Aufschwung bringt?

Der Bund der Steuerzahler meint, Greifswald solle die defizitäre Strecke verkaufen. Die Bausenatorin entgegnet: „Es besteht eine Betriebs- oder Andienungspflicht der Strecke an Dritte.“ Das gelte unabhängig von den Einnahmen. „Es ist eine Form der Daseinsvorsorge, es kommt auch niemand auf die Idee, das öffentliche Straßenverkehrsnetz infrage zu stellen.“

Industriehafen Ladebow wartet auf Ausbaggerung

Seit gut zwei Jahren wird es für die Firmen auf dem Hafengelände Ladebow immer schwerer, Waren per Schiff anlanden zu lassen. Denn die Fahrrinne und das Hafenbecken versanden. Folge: Von 2015 bis August 2017 durften nur noch Schiffe mit einem Tiefgang von maximal fünf Metern den Hafen anlaufen, seit Ende August liegt die Grenze bei 4,20 Metern. Normal wären 6,90 Meter.

Nach Schilderung der Hafen- und Lagergesellschaft Greifswald (HLG) schadet das dem Standort. Die Bürgerschaft beschloss daher 2016, parallel zur Ausbaggerung der Fahrrinne, die das Land übernehmen soll, das städtische Hafenbecken auf 5,70 Meter ausbaggern zu lassen. Kosten: rund 600000 Euro.

Die Umschlagzahlen des Hafens waren aber auch vor 2015 schon im Sinkflug. Im Jahr 2000 lagen sie bei 842 000 Tonnen, bis 2007 sanken sie auf 258 000. Im Jahr 2016 wurden laut HLG 178000 Tonnen umgeschlagen.

Sybille Marx

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