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Schock für das Abendgymnasium

Greifswald Schock für das Abendgymnasium

Bildungsminister will die Stunden für Leitungsaufgaben kappen. Greifswalder Direktorin spricht von einem radikalen Einschnitt.

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Leiterin Gudrun Günther

Quelle: P.Binder

Greifswald. Mitten in die Vorbereitungen für das neue Schuljahr kam der Schock: Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) plant offenbar, den Abendgymnasien in MV rund die Hälfte ihrer Leitungsstunden zu streichen. Das entdeckte Gudrun Günther, Leiterin des Greifswalder Abendgymnasiums „Wolfgang Koeppen“, in einer geplanten Landesverordnung. „Das ist ein radikaler Einschnitt“, erklärte sie im Bildungsausschuss der Greifswalder Bürgerschaft. „Wie sollen wir da unsere Arbeit schaffen?“ Kein Brief oder Gespräch habe sie oder ihre Kollegen vorbereitet. Nach Günthers Schilderung müssen die Leiter und Stellvertreter eines Abendgymnasiums ab August bei gleicher Stundenzahl im Vertrag deutlich mehr unterrichten und können weniger Stunden für ihre Leitungsaufgaben geltend machen. „Die Kürzung entspricht ungefähr 19 Zeitstunden pro Woche“, sagte sie. Es sei völlig unklar, wie man das auffangen solle. „Und warum wird nur im Leitungspool der Abendgymnasien gespart?“ Henning Lipski, Sprecher des Bildungsministeriums, erklärt das mit dem Lehrerpersonalkonzept. Man habe vor Jahren die Zahl der Anrechnungsstunden erhöht, um zu verhindern, dass Schulleitungen in Teilzeit gingen. Aber im Vergleich zu einer Schule wie dem Jahngymnasium mit 615 Schülern habe das Abendgymnasium mit 71 Schülern viel weniger organisatorische Arbeit. „Weil wir zum 1.8.2014 das Lehrerpersonalkonzept beenden, wollen wir die Zahl der Anrechnungsstunden wieder anpassen.“

Gudrun Günther kann diese „Anpassung“ nicht nachvollziehen. Unter anderem wegen des Übergangs zur Selbständigen Schule seien viele Leitungsaufgaben hinzugekommen, sagt sie. Auch die Betreuung der Studierenden werde immer aufwändiger. „Viele haben wechselvolle Biographien hinter sich und müssen ihr Abitur unter schwierigen Bedingungen nachmachen.“ Um Abbrüche zu verhindern, müsse man sie sehr persönlich betreuen. „Aber künftig werde ich mir für lange Gespräche keine Zeit nehmen können, weil ich ja in den Unterricht muss!“ Auch der Stundenausfall werde sicher steigen. „Und wir werden keine Luft haben, unsere Schule inhaltlich weiter zu entwickeln.“ Noch ist die entsprechende Landesverordnung in der Anhörung, wie Lipski auf OZ-Anfrage erklärte. Wann die Entscheidung fällt und wie viel Geld das Land damit sparen will — keine Antwort.

Günther und ihre Kollegen an den Abendschulen hoffen, dass sich das Ministerium noch umstimmen lässt. Auch der Greifswalder Bildungsausschuss will einen Brief an Brodkorb schreiben. „Wir sollten mit dem Minister zusammen überlegen, welche Kürzung für jede Schule, nicht nur für die Abendgymnasien, verkraftbar wäre“, findet Gudrun Günther. Das müsse doch auch in Brodkorbs Sinne sein. „Er betont ja immer: Wir brauchen mehr Abiturienten.“

Sybille Marx

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