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Greifswald Schramm: Eine Band inszeniert Schreckliches
Vorpommern Greifswald Schramm: Eine Band inszeniert Schreckliches
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00:00 25.09.2018
Der Lubminer Küstenwald ist die Kulisse des neuesten Musikvideos der Band „Schramm“. Quelle: Foto: Schramm
Lubmin/Greifswald

Man nehme schwarze Ledersachen, blutrote Gesichtsbemalung, Knochenketten und andere obskure Kleidungsstücke und mische sie mit düsteren Industrial-Rock-Klängen – heraus kommt die Gruppe „Schramm“. Die Bandmitglieder aus Greifswald und Zinnowitz verorten sich mit ihrem postapokalyptischen Stil in der Zeit eines atomaren Krieges, der das Ende der Menschheit und der Erde bedeuten könnte.

Jetzt bringt „Schramm“ das zweite Album auf dem Markt. In „Nuklear Fetisch“ geht es um Umweltzerstörung, Krieg und Entführungen. Einen Vorgeschmack auf das Album bietet das bereits erschienene Musikvideo mit dem Titel „Schreie“. Dieser Song wurde von der Entführungsserie in Greifswald und Umgebung inspiriert. Damals haben Unbekannte mehrmals versucht, Jugendliche in ihren Wagen zu zerren.

„Dass so etwas in der Region passieren konnte, fanden wir gruselig“, sagt Sänger Robert Meyer.

Während die Band es im Video in gewohnter Endzeitmontur laut krachen lässt, findet zeitgleich eine Verfolgungsjagd statt. Panisch flieht eine Frau vor einem altmetallbestückten Wagen. Die Textzeile „Schreie aus dem Kofferraum“ ertönt. Das Auftreten der Bandmitglieder wirkt gruselig, ja sogar gewaltverherrlichend, doch beides möchten die aus Zinnowitz und Greifswald stammenden Musiker nicht sein. Der erste Gitarrist Ringo Behn meint, dass wegen der Nachrichtenflut Menschen vergessen würden, dass es immer noch so schlimme Sachen wie Kidnapping gibt. „Wir möchten uns in die Opfer hineinversetzen. Es soll gezeigt werden, wie schrecklich eine Entführung sein kann“, erklärt Behn.

Auch möchte die Band ihre Zuhörer für andere ernste Themen sensibilisieren. Zu den ernsten Themen ihres Albums gehören zum Beispiel auch Umweltzerstörung und Krieg. „Dass wir uns so kleiden, liegt nicht daran, dass wir uns nach einer postapokalyptischen Welt sehnen, sondern dass wir vor genau einer solchen Zukunft warnen möchten“, fügt Meyer hinzu. Ihr Kleidungsstil soll also bei den Zuschauern bewirken, dass diese vor Krieg und Umweltverschmutzung Angst bekommen. Schlagzeuger Roman Zilski-Kautz fasst die Botschaft folgendermaßen zusammen: „Wenn ihr euch gegenüber der Umwelt und dem Frieden weiterhin so verhaltet, wird genau dieses Szenario eintreten.“

Wer von der Friedfertigkeit der Jungs noch nicht ganz überzeugt ist, der kann sich davon durch ihre Jobs überzeugen lassen: Meyer (36) ist Maler, Behn (36) ist Inselwart auf der Greifswalder Oie und Christian Roßbach (29), der zweite Gitarrist, und Zilski-Kautz sind als Autismustherapeuten in Greifswald tätig. „Wir mussten schon früh lernen, unser Berufsleben und unsere Musikleidenschaft unter einen Hut zu bringen. Zwei von uns haben sogar schon eine Familie", so Behn. Die Musiker müssten mit ihrem Bandengagement verantwortungsvoll umgehen. „Eine Vier-Stunden-Fahrt für einen kostenlosen Auftritt können wir heute nicht mehr bringen“, meint Ringo Behn.

„Für den Dreh haben wir nach einer geeigneten Umgebung suchen müssen. Es musste mit einem postapokalyptischen Szenario kombinierbar sein“, erzählt Roßbach. Am Lubminer Wald nahe des Kraftwerkgeländes stand mal eine Kläranlage, übrig geblieben ist eine wüstenähnliche Landschaft – perfekt für ein Endzeit-Musikvideo. 2016 drehte die Band schon einmal in der Umgebung ein Musikvideo. Damals sogar im Kraftwerk selbst. Dabei handelte es sich um den Dreh für „Kommando Sonne“. Dieses Musikvideo soll dann am Ende dieses Jahres erscheinen.

„Schramm“ konnte schon Publikum in vielen Ecken Europas begeistern. Italien, Schweden, Tschechien und England waren einige Band-Stationen. Die Besucherzahlen schwanken zwischen 50 und 2000. Im Zuge ihres neuen Albums sind weitere Touren geplant.

Mounir Zahran

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