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Greifswald Schüler beim Lernen begleiten
Vorpommern Greifswald Schüler beim Lernen begleiten
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16:50 02.02.2018
Die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie ein Lernziel erreicht werden soll, macht das Lernen hier frustfrei und spaßig.Lina Berger (16), 10. Klasse
Greifswald

„Ich bin wichtig und einzigartig, ich bin ein Geschöpf Gottes“, sagt Schulleiter Benjamin Skladny. Er war 1992 Mitbegründer der evangelischen Martinschule in Schönwalde I. „Dieses Menschenbild leben wir bei uns. Jeder Mensch ist von Gott mit Würde ausgestattet, unabhängig von Fähigkeiten und Leistungen.“

Die Martinschule lebt seit Jahren Inklusion / 140 Lehrer, Erzieher und Helfer betreuen 530 Schüler

Lehrer: Schulträger Odebrechtstiftung

Träger der Martinschule ist die Johanna-Odebrecht-Stiftung. Seit 1902 befindet sich ihr Hauptgebäude in der Gützkower Straße. Zur Stiftung gehören die Martinschule, ein Krankenhaus, ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Suchtberatungsstellen und ein Altenhilfezentrum. Die Martinschule ging 1992 aus der 1976 gegründeten Fördertagesstätte für geistig behinderte Kinder und Jugendliche hervor.

Schulnavigator

Die OZ präsentiert im Schulnavigator alle weiterführenden freien und staatlichen Schulen in Greifswald und der Umgebung. Die Arndtschule, das Jahngymnasium, die Regionalen Schulen in Gützkow, Lubmin und Neuenkirchen werden vorgestellt. Bisher erschienen sind: das Schlossgymnasium Gützkow, das Ostsee- und das Humboldtgymnasium, die Freie Waldorfschule, die Friedrich-, die Montessori- und die Fischerschule.

In der Bildungseinrichtung lernen Schüler mit und ohne Behinderung, mit und ohne Förderbedarf sowie Hochbegabte zusammen. Insgesamt zählt das „Evangelische Schulzentrum Martinschule“ derzeit 530 Schüler, davon ungefähr 150 mit einer festgestellten Behinderung. Sie werden von 63 Lehrern betreut. Außerdem arbeiten Sonderpädagogen, Autismusverantwortliche, pädagogische Unterrichtshilfen, Erzieher und Integrationshelfer an der Schule. So kümmern sich insgesamt 140 Erwachsene um die Kinder und Jugendlichen. Anders wäre der Schulalltag mit Frontal- und Freiunterricht nicht zu realisieren.

Das freie Arbeiten und die individuelle Förderung setzen kleine Klassen und ständige Kommunikation voraus. Höchstens 21 Schüler sind in einer Klasse. Lernbegleiter, wie Sonderpädagogen und andere Lehrer, helfen nach Bedarf in den Klassen aus. So kann Mathematik- und Geografielehrer Mathias Mesing (39) als Klassenlehrer ein Geschichtsprojekt betreuen und sich von einem Geschichtslehrer im Unterricht unterstützen lassen.

Freies Arbeiten wird durch den Lehrer angeleitet, ehe Schüler unterschiedliche Aufgaben bearbeiten. Dabei erklären Schüler sich auch gegenseitig den Stoff, je nachdem, wer Hilfe benötigt. Flexibler Einsatz des Lernpersonals ermöglicht, verschiedene Lernansprüche zu bedienen, sodass phasenweise kein Schüler die gleiche Aufgabe bearbeitet. „Eine Schülerin mit Konzentrationsschwäche kann durch eine feste Lernzeit und eine Pause motiviert werden“, sagt Sonderpädagogin Christine Mangel (38). Heißt konkret: Im Unterricht wird eine Stoppuhr auf zehn Minuten gestellt. So lange wird gelernt, danach darf die Schülerin fünf Minuten pausieren. „Manche hören dann einfach gerne Musik oder verbringen Zeit in den Ruheräumen“ beschreibt Christine Mangel. 30 zusätzliche Räume stehen für Pausen, Ruhephasen während des Unterrichts oder freie Arbeit zur Verfügung. Elisa Jungnickel (17) wertschätzt, dass Schüler „selbst herausfinden müssen, was thematisch interessant und komplex ist. Dafür muss ich mich manchmal aufraffen. Aber dadurch baue ich Wissen aus und vertiefe es“. Die wöchentliche Arbeit dokumentieren die Schüler in einem Heft.

Lernergebnisse werden mündlich ausgewertet. Zudem schreiben Lehrer Einschätzungen der Schüler. Auf Noten wird bis zur 8. Klasse verzichtet, weil sie individuelle Leistungen nicht abbilden können. Ab der 9. Klasse müssen Zensuren für die Abschlüsse vergeben werden. Martinschüler erlangen entweder die Berufliche Reife, die Mittlere Reife, die Fachhochschulreife, den Förderschulabschluss oder das Abitur.

Regelmäßig gibt es verpflichtende Gottesdienste, aber auch kurze Andachten, letztere immer montags und freitags. Die Religion zeige sich jedoch vor allem im gegenseitigen Verstehen, sagt Benjamin Skladny. „Weil kein Mensch gleich ist, kann es auch keinen uniformen Lernweg für alle geben“.

Essen: gemeinsam speisen

Das Essen für die Klassen 5 – 12 wird täglich von der Johanna-Odebrecht-Stiftung geliefert. Zur Auswahl stehen zwei Gerichte, davon ist eins vegetarisch. Ein Gericht kostet zwischen 3,10 und 3,30 Euro. In der Mensa und den Cafeterien kann gemeinsam gefrühstückt und zu Mittag gegessen werden. Die Schülerfirma „Häppchen und Co.“ bereitet einmal pro Woche das Frühstück für die Grundschüler aus selbst Eingekauftem vor.

Förderangebote: Schulgeld

Wer sein Kind an der Martinschule anmelden möchte, zahlt monatlich maximal 95 Euro in den Klassenstufen 1–4 und maximal 170 Euro für die Klassenstufen 5–12. Es gibt Ermäßigungen für Geschwister und bei finanziellen Schwierigkeiten. Ab dem vierten Kind muss kein Schulgeld mehr bezahlt werden. Zudem wird einmal jährlich das Lehrmittelgeld von 35 Euro und das Kunstgeld von 10 Euro vom Konto der Eltern abgezogen.

Ausstattung: Schulwohnung

Das Schulzentrum besteht aus insgesamt drei Gebäuden: eines für die Klassen 1–4 und jeweils ein weiteres für die Sekundarstufe I und II. Jedes Klassenzimmer ist mit einem eigenen PC ausgestattet. Es gibt Fachräume für die Naturwissenschaften, Musik, Kunst und Werken. Vier Computerräume können genutzt werden. Zudem gibt es eine schuleigene Wohnung, in der geistig Behinderte auf den späteren Alltag vorbereitet werden.

Freizeitangebote: Verantwortung

Eine gebundene Ganztagsschule stellt ein Angebot bereit, das mindestens sieben Zeitstunden umfasst. Die Martinschüler in den Klassen 5–10 beenden ihren Tag an der Schule um 15.30 Uhr. Bis dahin können sie Sport treiben, etwa Fußball spielen oder ringen. Zudem gibt es einen eigenen Schulchor. Im Wahlpflichtfach „Verantwortung“ kümmern Schüler sich um andere Menschen, so um Alte, Kinder oder Asylbewerber.

Christopher Gottschalk

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