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Greifswald Ideen zum Schülerticket in der Kritik
Vorpommern Greifswald Ideen zum Schülerticket in der Kritik
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16:00 28.10.2018
Morgendlicher Schülerverkehr am Schlossgymnasium Gützkow. Haben Kinder im Landkreis Vorpommern-Greifswald bald freie Fahrt mit allen Bussen? Quelle: Petra Hase
Vorpommern-Greifswald

Freie Fahrt mit Bus und Bahn für alle Schüler durch ganz Vorpommern-Greifswald: Klingt gut, ist aber noch ein ganzes Stück von der Realität entfernt. Zwar hat der Kreistag die Verwaltung im Juni per Mehrheitsbeschluss beauftragt, die Einführung eines kostenlosen Schülertickets zu prüfen, liegt jetzt auch ein erstes Konzept vor. Doch mit dem Willen der Kommunalpolitiker hat das Papier wenig zu tun. Dabei war das kostenlose Schülerticket sogar eines der Wahlversprechen des neuen Landrats Michael Sack (CDU), der seit Mittwoch im Amt ist.

„Laut Entwurf soll das Ticket an den Schultagen ab 14 Uhr gelten, an schulfreien Tagen ganztägig und etwa acht bis zehn Euro pro Monat kosten“, zitiert Kreisbildungsausschussvorsitzende Brigitte Witt (SPD) aus einem Papier, das ihr Vizelandrat Jörg Hasselmann (CDU) zukommen ließ. „Unser Auftrag war ein anderer“, moniert prompt Erik von Malottki (SPD). Er hätte sich gewünscht, dass die Verwaltung mehrere Varianten vorlegt, sodass die Politik über Alternativen diskutieren und entscheiden kann. „Kostet das Schülerticket Geld, ist zu befürchten, dass es sich einige Eltern nicht leisten können“, sagt von Malottki. Mit Unverständnis begegnet er zugleich der Empfehlung der Planer, dass Schülerticket-Inhaber den Rufbus „Ilse“ nicht nutzen sollten. „Der Ilse-Bus ist unser Flaggschiff im Kreis, besonders im ländlichen Raum. Wenn Schüler nicht mit ihm fahren dürfen, kommt das einem Schildbürgerstreich gleich. Für mich ist das Konzept nicht schlüssig“, kritisiert der Greifswalder und zeigt sich enttäuscht.

Hansestadt Rostock macht es vor

Kein Wunder. Machen es doch andere längst vor. Pionier im Land ist Rostock: Dort hat die Bürgerschaft beschlossen, dass Schüler ab 2020 mit Bus und Bahn freie Fahrt haben. Etwa 20000 Kinder und Jugendliche kommen in den Genuss des kostenlosen Schülertickets. Die Hansestadt will dafür jährlich 3,3 Millionen Euro aufbringen.

Deshalb ist auch Waldemar Okon, Grünen-Fraktionschef im Kreistag Vorpommern-Greifswald, von der Nachricht enttäuscht: „Wenn die Kreisverwaltung nicht das vorlegt, was der Kreistag in einem demokratisch gefassten Beschluss beauftragte, muss sie nacharbeiten“, fordert er. Das Ziel sei klar formuliert: „Ein kostenloses Ticket, das Fahrten zur Schule und zu Freizeitaktivitäten ermöglicht.“ Ein Konzept mit anderem Inhalt könne er nicht nachvollziehen. Okon baut darauf, „dass sich Landrat Michael Sack an sein Wahlversprechen hält. Der Kreis soll die Kosten ja auch nicht allein tragen, das Land ist gefordert“, sagt er.

Schülerticket soll 8 bis 10 Euro kosten

Das Konzept geht davon aus, dass es für das Schülerticket etwa 16600 potentielle Nutzer gebe. Zum Vergleich: Derzeit besuchen rund 19000 Kinder und Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen im Kreis. Bei einem Ticketpreis von acht Euro könnten rund 133000 Euro Einnahmen erzielt werden. Laut Planer entgingen den Verkehrsunternehmen damit geschätzt 228000 Euro an Einnahmen, sodass unterm Strich ein Minus von 95000 Euro bliebe. Das müsste finanziert werden.

Bildungsausschussvorsitzende Brigitte Witt kann sich vorstellen, dass Eltern „einen kleinen Beitrag“ für das Ticket übernehmen. „Wenn es gar nichts kostet, nehmen es alle, ob sie es brauchen oder nicht“, argumentiert sie. Unverständlich findet sie, dass das Schülerticket laut Konzept nicht ganztägig in Schul- und Ferienzeiten gelten soll. „Ich hoffe, dass wir das noch hinbekommen.“

Kreiselternrat hält an Forderung fest

Für den Kreiselternrat zieht sich die Diskussion schon viel zu lange hin, so Mario Riedel, kommissarischer Vorsitzender. Eine Volksinitiative mit 17000 Unterschriften in MV hat im Frühjahr gezeigt, was Elternwille ist. Zwar scheiterte die Initiative an Formfehlern, doch an der Sache ändere das nichts: „Es geht um eine kostenfreie Beförderung von Schülern zur Schule und in der Freizeit von Null bis 24 Uhr“, sagt er und fügt hinzu: „Ich verstehe gar nicht, warum man sich im Kreis sperrt und immer von zweierlei Dingen spricht. Andere Städte und Regionen haben das längst.“

Petra Hase

Der Kreistag von Vorpommern-Greifswald beauftragte die Verwaltung im Juni, die Einführung eines kostenlosen Schülertickets zu prüfen. Ein erstes Konzept hält sich aber nicht an die Vorgaben.

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