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„Schule lebt den ganzen Tag“

Greifswald „Schule lebt den ganzen Tag“

Montessorischule verbindet klassische Lern - und Lehrmethoden mit alternativen Konzepten

Greifswald. Wenn Nils Kleemann (48) über seine Schule redet, geht es um mehr als Noten. „Im Schulgesetz wird gefordert, Selbstständigkeit, soziale und auch politische Verantwortung zu fördern“, sagt der Leiter der Montessorischule. „Es geht nicht nur um Tests und Stoffvermittlung, sondern darum, Schüler zu stärken und Potenziale zu entfalten.“ Um genau das zu verwirklichen, hat er 1994 die freie Schule im Greifswalder Ostseeviertel gegründet, die Abschlüsse für die berufliche und mittlere Reife und neuerdings das Abitur anbietet. Montessoripädagogik setzt auf freien Unterricht, Formen des kooperativen Lernens und die volle Entwicklung der Jugendlichen. Diesem ganzheitlichen Ansatz fühlt sich Nils Kleemann verpflichtet. Reiner Leistungsdruck habe fatale Folgen. „Es gibt heute Schülerinnen und Schüler, die sich die Arme ritzen, weil sie unter ständigem Leistungsdruck stehen“, sagt er.

Das Besondere der Montessorischule zeigt sich im Unterricht, der klassischen Frontalunterricht mit offenen Lernformen kombiniert. „Beides ist wichtig“, sagt Nils Kleemann. Es gibt Tafeln und Arbeitshefte, aber auch I-Pads und spezielles Lernmaterial wie Bruchkegel. Das sind teilbare Holzfiguren für den Matheunterricht. Die Beurteilung durch Zensuren gibt es natürlich auch, allerdings erst ab der 7. Klasse. Sie ist aber nur ein Mittel. „Benotung muss ergänzt werden durch Gespräche und stetige Rückmeldungen an die Schüler“, sagt er. Dazu gehören auch Eltern-Lehrer-Gespräche und schriftliche Selbsteinschätzungen der Schüler.

Das kooperative Lernen wird durch Lehrer strukturiert. Sie geben Ziele vor und leiten die Gruppenarbeit ein. Anschließend können Schüler sich in Expertengruppen treffen und ihre Ergebnisse den anderen Schülern in kleinen Gruppen vorstellen.

Zudem wird im Unterricht darauf geachtet, den Stoff aus der Sicht verschiedener Fächer zu betrachten. Das zeigt sich etwa bei einem Projekt zum Thema Mittelalter in der 7. Klasse. Schüler bearbeiten verschiedene Aspekte. Historisch kann es bei der Lebensweise der Bauern zugehen, mathematisch, wenn Winkel beim Klosterbau berechnet werden.

Aus diesem Projekt heraus entsteht momentan eine Anwendung für Mobiltelefone (App) zur Klosterruine Eldena. „Damit stellen wir regionale Bezüge her, der Stoff wird greifbarer“, sagt Nils Kleemann.

Besucher können zukünftig ihre Smartphonekamera auf die Ruine richten und Informationen bekommen. Die Schüler schrieben dazu die Texte. Ein digitaler Mönch wurde auch von einem Jugendlichen gezeichnet.

Die Meinungen der Schüler werden ernst genommen. „Ein Lehrer wollte jede Woche einen Test schreiben“, sagt Paul Riedel (15) aus der 9. Klasse. „Wir haben uns geeinigt, stattdessen drei freiwillige Arbeiten abzugeben und dafür eine Gesamtnote zu bekommen.“

Ebenso zählt, was Kinder leisten können. In Leistungskursen wie in Englisch gelten gymnasiale Anforderungen. Gleichzeitig arbeiten Schüler mit der Empfehlung für das Abitur und die mittlere Reife in Projekten zusammen. Momentan wird eine eigene Oberstufe aufgebaut, 2022 werden die jetzigen Siebtklässler das Abitur ablegen können. Die Zahl der Schüler wird auf 700 steigen. Aktuell sind es 500, denen Eigenverantwortung und Wissen vermittelt wird.

Christopher Gottschalk

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