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Greifswald Schulessen: Zu viel Fleisch auf den Speiseplänen
Vorpommern Greifswald Schulessen: Zu viel Fleisch auf den Speiseplänen
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18:38 11.05.2017
Schülerinnen der 5b der Ernst-Moritz-Arndt-Schule in Greifswald beim Mittagessen. Quelle: P.Binder
Greifswald

Zu viel Fleisch und Fett, zu wenig Fisch und Vollkorn: An Greifswalder Schulen werden die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht durchgehend eingehalten. Das ergab die Untersuchung der Speisepläne durch die OSTSEE-ZEITUNG. Caterer nennen die Vorlieben der Kinder als Begründung.

Die wichtigsten Anforderungen der staatlich finanzierten Gesellschaft für Ernährung lauten: Täglich Getreideprodukte wie Reis oder Nudeln, mindestens einmal die Woche Vollkorn, täglich Salat und Gemüse, pro Woche höchstens zweimal Fleisch (wöchentlich nicht mehr als 150 Gramm), mindestens einmal Fisch und zweimal Obst.

Neun von elf überprüften Schulen bieten öfter als zweimal wöchentlich Fleisch an. Im Gegenzug bieten alle Caterer vegetarische Alternativen an, manchmal jedoch einzig als kleiner Salat. Alle Caterer servieren zu wenig Vollkornprodukte und Fisch. Diese Ergebnisse bestätigen eine groß angelegte Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aus dem Jahr 2014. Auch hier wurde überprüft, inwiefern Schulen die DGE-Standards einhalten. Demnach bietet ein Drittel der Schulen nicht täglich Gemüse an, knapp die Hälfte hat zu wenig Rohkost, Salat und Fisch auf dem Speisenplan stehen und rund 80 Prozent bieten zu oft Fleisch an. Einzig beim Salatangebot widerlegen die Greifswalder Schulen den Trend: Alle bieten täglich ein Salatbuffet an.

„Wir orientieren uns an den DGE-Empfehlungen“, sagt Andreas Wenzel, Geschäftsführer von Hansehaus. Sein Unternehmen beliefert die Arndt-, Friedrich und Fischerschule, das Humboldtgymnasium und die Schule in Neuenkirchen sowie die Greif- und die Weinertgrundschule mit Mittagessen. „Würden wir exakt nach den Vorgaben kochen, käme aber zu wenig auf den Teller.“ Fleisch werde beispielsweise oft angeboten, weil es bei den Schülern beliebt sei. „Vegetarische Gerichte kommen nicht gut an“, sagt er. „Ginge es nach den Schülern, könnten jeden Tag Nudeln mit Jägerschnitzel auf dem Plan stehen.“ Das bestätigt Bernd Jordan, Leiter des Parkbistros der Medigreif, in dem die Schüler des Ostseegymnasiums essen. „Wir müssen uns nach den Essgewohnheiten der Kinder richten. Wenn sie die Speisenpläne machen würden, würden sie jeden Tag Fleisch essen“, sagt er. Im Parkbistro steht fast täglich Fleisch auf dem Speisenplan, Fisch nicht in jeder Woche, für Vegetarier wird extra gekocht.

In der Verantwortung sieht Hanns-Diethard Voigt auch die Eltern. Er ist Geschäftsführer der Odebrecht-Service GmbH, die für Fünftklässler aufwärts die Martinschule versorgt. „Wir kochen gemäß der DGE-Standards“, sagt Voigt. Auf den Speisenplänen ist jedoch zu sehen: Fisch gibt es nicht jede Woche, Vollkorn fehlt an manchen Tagen. Das wichtigste Kriterium sind für ihn die Kosten. Heißt: Je mehr die Eltern bereit sind, für das Essen zu bezahlen, desto besser kann das Angebot sein. „Das ist wichtiger als alle Richtlinien und Empfehlungen“, so Voigt. An der Martinschule kostet ein Essen rund 3,20 Euro. An den anderen Schulen sind die Preise ähnlich. Weniger sollte ein qualitativ hochwertiges Essen auch nicht kosten, sagt Meike Halbrügge, Projektleiterin Schulverpflegung der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung in Mecklenburg-Vorpommern. Die Vernetzungsstelle gehört zur Deutschen Gesellschaft für Ernährung. „Der Preis sollte zwischen 3,15 und 4 Euro liegen. Ist er niedriger, kann die Einhaltung der Standards nicht erwartet werden.“ Dass Schüler nur Fleisch und Ungesundes mögen, lässt Halbrügge nicht gelten. Die Caterer, Schulen und Eltern müssten nur eine Veränderung wollen: „Durch Probierportionen oder Aktionstage lernen die Kinder unterschiedliche Speisen kennen. Danach akzeptieren sie diese besser.“ Ihr Vorschlag: „Die Richtlinien können mit kleinen Schritten verwirklicht werden. Beliebte Gerichte wie Nudeln mit Tomatensoße können mit Vollkornnudeln zubereitet werden.“

Eltern stehen in der Verantwortung, sagt Jens Bankowsky, Leiter der Küche der Züssower Service und Catering GmbH in Greifswald: „Essensvorlieben sind auch Erziehungssache. Caterer und Schulen können diese nicht beeinflussen“, sagt er. Im schlimmsten Fall könne die Umsetzung der DGE-Standards zu Verschwendung führen. „Wenn die Kinder Vollkornprodukte nicht essen möchten, kochen wir für die Mülltonne. Das will niemand.“ Simone Gärtner, Ernährungsmedizinerin am Uniklinikum Greifswald, hat festgestellt: „Schlechte Essgewohnheiten in der Kindheit setzen sich bei Erwachsenen fort. Im Alltag herrscht der Einheitsgeschmack: Fertigprodukte mit Geschmacksverstärkern, viel Fett, Süßigkeiten und zu wenig Gemüse sind keine vielfältige Ernährung“, sagt sie.

Christopher Gottschalk

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