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Schwerer Vorwurf gegen Martinschule

Greifswald/Insel Usedom Schwerer Vorwurf gegen Martinschule

Handicap-Schüler von der Insel soll verletzt worden sein / Schule weist Aussage zurück

Greifswald/Insel Usedom. Schwere Vorwürfe gegen die Greifswalder Martinschule: Dort soll ein geistig behinderter Schüler misshandelt worden sein. Das behaupten Silva Erdmann und ihr Mann René Buhl, Eltern des elfjährigen Felix. Der auch an einer Muskelschwäche leidende Junge besucht die 5. Klasse. Bisher war die Familie, die auf der Insel Usedom zu Hause ist und zwei weitere Kinder hat, davon überzeugt, für ihn eine Schule gefunden zu haben, in der er sich wohlfühlt und die ihn fördern kann. Doch dieses Urteil hat sie nun gründlich revidiert.

Wir bedauern, dass die Familie einen Schulwechsel von Felix vornimmt, denn wir haben fünf Jahre intensiv mit ihm gearbeitet.“Benjamin Skladny, Leiter der Martinschule

Nach Aussagen seiner Eltern wurde Felix Ende Juni in der Schule von zwei Lehrern und einem Integrationshelfer schwer verletzt, nachdem er sich geweigert hatte, den Geschirrspüler auszuräumen. Eine Lehrerin habe ihn am Arm gezerrt, um ihn zum Ausräumen zu zwingen. Weil er sich weiter widersetzt habe und böse geworden sei, hätten ihn Lehrer und der Integrationshelfer eines anderen Kindes auf den Boden geworfen, sich auf ihn gesetzt und ihn sogar mit dem Kopf gegen eine Wand gestoßen.

„Wir erhielten an dem Tag von der Schule eine E-Mail, dass Felix blaue Flecke am Arm habe, es ein sehr turbulenter Tag gewesen sei und wir uns mit der Schule in Verbindung setzen sollten“, schildert Silva Erdmann. Dort habe sich ihr ein fürchterliches Bild geboten. „Felix hatte nicht nur an den Armen, sondern am gesamten Körper Hämatome. Der Kopf hatte eine blutige Stelle“, berichtet die Mutter und legt zum Beweis Fotos vor. Felix habe sehr geweint und beteuert, dass man ihm sehr wehgetan habe. Andere Eltern und Schüler hätten das unabhängig voneinander bestätigt.

Silva Erdmann suchte noch am gleichen Abend Felixs Kinderärztin in Wolgast auf. „Nach intensiver Begutachtung hat die Ärztin die Kripo gerufen und den Beamten erläutert, dass der Verdacht auf Misshandlung in der Schule besteht“, schildert sie. Erdmann und ihr Lebenspartner stellten daraufhin Strafanzeige gegen die Schule. Die Polizeiinspektion Anklam bestätigt die Anzeige, die Kripo ermittle, sagt Polizeisprecher Axel Falkenberg.

Benjamin Skladny, Leiter des Evangelischen Schulzentrums Martinschule, weist die Vorwürfe zurück. Es stimme zwar, dass Felix nicht den Geschirrspüler ausräumen wollte. „Doch dann ist der Junge sehr aggressiv gegenüber der Lehrerin geworden und hat ihr die Haare büschelweise ausgerissen“, berichtet Skladny. „Weil er nicht zu beruhigen war, mussten die Betreuer Felix auf dem Boden festhalten. Er hätte sonst weitere Personen und sich selbst gefährdet“, sagt der Schulleiter und verweist darauf, dass es eine besondere Kompetenz der Martinschule sei, Kinder mit Behinderungen zu unterrichten.

Allerdings: Nach Aussage einer Zeugin, die ihre Beobachtungen auch bei der Polizei zu Protokoll gegeben hat, gab es gar keine weiteren Personen im Raum, die Felix hätte verletzen können. Die Kinder waren alle im Unterricht.

Er habe den Vorfall mit allen Beteiligten intensiv ausgewertet, die Eltern seien zum Gespräch in die Schule gebeten worden, so Skladny. „Leider war der Vater nicht sehr kooperativ.“ René Buhl bestreitet das: „Ich wollte lediglich mit den Verantwortlichen über Felix sprechen und habe natürlich Fragen gestellt. Außerdem haben wir die Schule aus eigener Initiative aufgesucht. Uns hat niemand dorthin gebeten.“ Die Eltern versichern, es sei in Ordnung, dass der Junge Pflichten erfüllen müsse. „Aber nicht brutal mit Gewalt.“

Inzwischen sind die Fronten zwischen Schule und Familie verhärtet. Silva Erdmann und René Buhl haben den Vorfall einem Anwalt übergeben, da die Schule abblocke und bis heute keine Stellungnahme abgegeben habe. Der Anwalt hat jetzt das Schweriner Bildungsministerium informiert. Auch die Martinschule hat ihren Anwalt eingeschaltet. Felix geht seit dem Vorfall im Juni nicht mehr zur Schule. Er hat Angst. Ab dem neuen Schuljahr wird der Junge dann in Anklam beschult. Benjamin Skladny von der Martinschule bedauert den Wechsel, denn „wir haben fünf Jahre intensiv mit Felix gearbeitet“.

Cornelia Meerkatz

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