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Greifswald Schwester: „Ich habe hier mehr Zeit für die Klienten“
Vorpommern Greifswald Schwester: „Ich habe hier mehr Zeit für die Klienten“
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16:04 28.09.2018
Amüsieren sich während des Seniorentreffs am Mittwochnachmittag im Nachbarschaftscafé des Sophi-Firmensitzes in der Heinrich-Hertz-Straße (v.l.): Edith Kasper (82), die Sozialarbeiterinnen Silke Ziegenhagen und Ursula Behrendt sowie Lieselotte Lucht (82). Quelle: Degrassi Katharina
Greifswald

Kompressionsstrümpfe anziehen, waschen, Insulin spritzen – 15 Kunden stehen heute auf dem Tourenplan von Schwester Mandy Glasow (39). Die Pflegeschwester arbeitet seit der ersten Stunde bei Sophi, dem im Juni 2017 gegründeten Sozial- und Pflegedienst der städtischen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG). „Es macht Spaß. Der Druck ist nicht so groß wie bei meinem vorigen Arbeitgeber. Ich habe hier mehr Zeit für die Klienten“, sagt Glasow. Es sei ein schönes Gefühl, nicht so hetzen zu müssen, sondern sich auch unterhalten zu können.

Mehr Zeit für den Menschen

Genau das war eines der Kernversprechen, mit denen der erste kommunale Pflegedienst in der Geschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern an den Start ging. „Weil wir als städtisches Unternehmen nicht so sehr auf Profit ausgerichtet sind, können wir uns intensiver um die Patienten kümmern“, sagt WVG- und Sophi-Geschäftsführer Klaus-Peter Adomeit. Der Mensch stehe im Mittelpunkt. „Das ist auch ein Angebot an unsere Mieter, denen wir ermöglichen wollen, möglichst lange selbstbestimmt zu leben“, ergänzt Prokuristin Margitta Kramer.Das Modell der Sophi macht mittlerweile Schule. In Neubrandenburg ist eine Wohnungsbaugenossenschaft in die Pflegebranche eingestiegen. Auch das kommunale Wohnungsunternehmen Wiro in Rostock plant, einen Pflegedienst zu gründen, allerdings zunächst exklusiv für Mieter. „Vertreter der Wiro haben Kontakt zu uns aufgenommen, um sich darüber zu informieren, wie wir uns aufgestellt haben“, sagt Adomeit. Der Greifswalder Sozial- und Pflegedienst ist offen für alle Greifswalder sowie Kunden aus dem Umland. Auch in Behrenhoff und Kemnitz nutzen Patienten die Sophi.

Sophi nicht nur für Mieter da

Die 91-jährige Anna Pich von Lipinski steht an diesem Morgen als erste Klientin auf dem Tourenplan von Mandy Glasow (39). „Guten Morgen Frau Lipinski, wie haben Sie geschlafen“, ruft Schwester Mandy direkt nachdem sie die Tür geöffnet hat. Vertraut gehen die beiden miteinander um. Anna Pich von Lipinski lacht, erzählt von der Tochter, die sie oft besuchen kommt und der tollen Arbeit des Pflegedienstes. „Ich bin sehr zufrieden. Die Schwestern sind alle sehr nett“, sagt die Seniorin. Seit einem Jahr ist sie auf Pflege angewiesen, hat sich damals sofort für Sophi entschieden. Ähnlich ging es Eva Lichi, die an diesem Morgen die nächste Patientin ist. „Ich freue mich richtig, dass das so gut funktioniert. Das sind alles ganz nette Mädchen“, sagt die 92-jährige Seniorin, die Schönwalde I wohnt. Auch hier nimmt sich Glasow Zeit für ein Gespräch, fragt nach der Familie, nach Wehwehchen und Sorgen. Eva Lichi erzählt, dass sie manchmal nachts nicht schlafen kann, dann in der Wohnung auf und ab läuft, dass sie sich freut, wenn öfter mal jemand anderes kommt, weil es dann wieder Neues zu bereden gibt.

Austausch beider Abteilungen

Wenn Glasow nach ihrer Tour zur Pause wieder in die Sophi-Zentrale in der Heinrich-Hertz-Straße fährt, trifft sie im Pausenraum auch auf Silke Ziegenhagen und Ursula Behrendt. Die beiden Sozialarbeiterinnen gehören zum fünfköpfigen Sozialteam der Sophi. Während der gemeinsamen Mittagspause und den wöchentlichen Gruppenmeetings tauschen sich die Teams aus. „Fällt einer Schwester beim Besuch eines Patienten auf, dass die Wohnung vielleicht besonders vermüllt ist oder es andere Probleme gibt, erzählt sie uns das“, sagt Behrendt. Eine der Sozialarbeiterinnen nimmt in solchen Fällen Kontakt auf, indem sie eine Karte im Briefkasten hinterlässt. „Wir können nur helfen, wenn die Leute das auch wollen. Wir drängen uns nicht auf“, so Ziegenhagen. Manchmal bedarf es mehrerer Anläufe und einiger Hartnäckigkeit bis den Sozialarbeitern die Tür geöffnet wird. „Es gab schon Fälle, in denen es ein Jahr gedauert hat, bis der Kontakt mit dem Mieter geklappt hat“, sagt Behrendt. Es koste Überwindung, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. „Manche wenden sich an uns, weil sie sich in ihrem Haus unwohl fühlen, Streit mit anderer Mensch Mietern haben“, sagt Ziegenhagen. In solchen Fällen kommen die Mieter selbst zur Beratung. In schwierigeren Fällen, zum Beispiel wenn sich Eltern mit ihren Kindern überfordert fühlen, vielleicht nach einer Trennung, es Tendenzen zum Vermüllen gibt – dann sind es eher nach die Nachbarn, die auf die Probleme aufmerksam machen. Oder die Pflegedienstmitarbeiter der Sophi bemerken Missstände, informieren dann über die Hilfsangebote des Sozialdienstes. „Noch kommt das selten vor. Aber die Idee ist, dass durch die Sophi der Kontakt zu den Mietern enger wird und wir ein selbstverständlicher Partner werden“, sagt Adomeit.

Viele Sophi-Veranstaltungen

Zum Konzept der Sophi gehört außerdem der Nachbarschaftstreff in der Sophi-Zentrale in der Heinrich-Hertz-Straße. Zwei Mitarbeiter organisieren täglich Veranstaltungen in dem Saal, wie beispielsweise eine Lesung der Greifenfedern oder einen Kaffeenachmittag für Senioren, immer montags und mittwochs ab 14 Uhr. „Die Angebote werden gut angenommen“, sagt Kramer. Eine von denen, die bei fast jeder Veranstaltung dabei ist, ist Lieselotte Lucht. „Hier können wir gemeinsam Kaffee trinken, uns austauschen, auch über Politik. Ich muss nicht weit laufen. Viele, die hierherkommen, wohnen in der Nähe“, sagt die 82-Jährige.

Bedenken der Konkurrenz

Vor der Gründung des Sozial- und Pflegedienstes wurde heftig über mögliche Nachteile diskutiert. Kommunalpolitiker waren unsicher, ob es wirklich nötig ist, dass sich ein städtisches Unternehmen in den freien Pflegemarkt einmischt. Die Pflegedienste auf dem Markt hatten Sorge vor der übermächtigen Konkurrenz. Denn so ein großes städtisches Unternehmen verfügt über ganz andere finanzielle Möglichkeiten als ein kleiner Pflegedienst. „Eine private Firma kann sich keine Verluste leisten. Ein millionenschweres Unternehmen wie die WVG gleicht das über sonstige Einnahmen aus. Das ist ungerecht“, sagt Jessica Mendle, Geschäftsführerin des Greifswalder Pflegedienstes Ora Cura mit 200 Mitarbeitern. „Der Steuerzahler hilft hier, während wir das aus eigener Kraft schaffen müssen“, sagt Mendle weiter, die die Sophi nach wie vor kritisch sieht.

Degrassi Katharina

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