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Seelenregister: Nur noch 2800 Greifswalder

Greifswald Seelenregister: Nur noch 2800 Greifswalder

Die Dänen zählten 1717 im Nordischen Krieg ihre Untertanen ganz exakt

Greifswald. Im Jahre 1715 begann die kurze Dänenzeit in Teilen Vorpommerns. Greifswald wurde im Nordischen Krieg (1700 bis 1721) insgesamt fünf Jahre von Kopenhagen aus regiert.

Das Buch

Sarah Brauer, Stefan Kroll: Das Greifswalder „Seelenregister“ von 1717. Edition und historisch-demographische Auswertung, ISBN 978-3-643-13016-7, 19,90 Euro

1715 hatten die Gegner Schwedens alle bis dahin von Stockholm regierten Gebiete südlich der Ostsee bis auf Wismar erobert. Preußens König Friedrich Wilhelm I. bekam das südlich der Peene liegende Gebiet Schwedisch-Pommerns. Friedrich IV. von Dänemark-Norwegen regierte bis 1720 den nördlichen Teil inklusive Greifswalds.

Die von Krieg und wirtschaftlichem Niedergang betroffene Stadt hatte zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr 3000 Bürger. Bis 1616 sollen es bis zu 6000 gewesen sein.

1717 musste Greifswald auch 1000 Militärs, drei Viertel waren dänische Soldaten, in ihren Mauern beherbergen. 28 Häuser standen leer, 55 existierten nicht mehr. Die Bewohner von 68 Gebäuden galten als „unvermögend“.

Angehörige des Greifswalder Hofgerichts, der dänischen Verwaltung und der Universität unterstanden damals nicht der städtischen Obrigkeit. 1717 gab immerhin wieder 38 Immatrikulationen nach durchschnittlich neun in den vorangegangenen Jahren.

Die genannten Zahlen stehen in dem von Sarah Brauer und Stefan Kroll verfassten Buch „Das Greifswalder ,Seelenregister‘ von 1717. Edition und historisch-demographische Auswertung“. Es ist im LIT-Verlag erschienen und sei allen stadtgeschichtlich Interessierten empfohlen.

Friedrich IV. wollte die neue Provinz auf Dauer regieren und dort natürlich auch Steuern eintreiben. Dafür benötigte die Verwaltung des Königs eine möglichst genaue Bestandsaufnahme, Lustration hieß

das damals. Wie Brauer und Kroll schreiben, reichte Kopenhagen die erst wenige Jahre alte Landesvermessung Schwedisch-Pommerns nicht aus. Eine dreiköpfige Kommission wurde in Marsch gesetzt, die Städte zu genauen Auskünften verpflichtet. Greifswald lieferte 1717. Ein aktuelles Haus- und Grundstückskataster sowie ein Seelenregister (Verzeichnis der Familien) lagen nun vor.

Die Lektüre bietet interessante Einblicke. So lebten in den meisten Häusern keineswegs mehrere Generationen, wie früher häufig angenommen wurde. Brauer und Kroll haben eine durchschnittliche Haushaltsgröße von 3,4 Personen errechnet. Die durchschnittliche Familie hatte 2,5 Mitglieder, was die Autoren auf die vielen Haushalte mit einer Person zurückführen. Nur acht Prozent der Hansestädter lebten in Familien mit sechs und mehr Personen. Brauer und Kroll haben durchschnittlich ein Kind pro Familie errechnet. Wohl eine Folge des Krieges. Dass nicht einmal die Hälfte der 711 Haushaltsvorstände Gesinde beschäftigte, werten die Autoren als „deutliches Indiz der geringen ökonomischen Leistungsfähigkeit der Greifswalder“ im Jahre 1717. So ging es den Fischern damals nicht besonders gut. Unter den armen Ein-Personen-Haushalten sind dreimal mehr Frauen als Männer. Vergleichsweise gut ging es Bäckern, Schmieden, Schlachtern, Schustern und Kaufleuten. Sie hatten größere Familien und beschäftigten im Durchschnitt zwei Bedienstete.

Von Eckhard Oberdörfer

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