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Senatswahl: Burschenschaftsmitglieder auf Pro-Arndt-Liste

Greifswald Senatswahl: Burschenschaftsmitglieder auf Pro-Arndt-Liste

Stimmen fischen am rechten Rand? Mit diesem Vorwurf sieht sich derzeit die studentische Senatsliste Pro Arndt konfrontiert. Vier der 15 Mitglieder, die dort für den Senat der Universität Greifswald kandidieren, sind Mitglied in einer Burschenschaft.

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Der Schriftsteller und Freiheitskämpfer Ernst Moritz Arndt ist wegen rassistischer und antisemitischer Schriften umstritten.

Quelle: P.Binder

Greifswald. Die studentische Liste „Pro Arndt“ tritt in diesem Jahr erstmals zu den Senatswahlen an der Universität Greifswald an. Kritik wird nun in den sozialen Netzwerken laut, weil vier der 15 Kandidaten auf der Liste Mitglied in einer Burschenschaft beziehungsweise einem Corps sind. Listen-Gründer Fabian René Fischer (CDU) bestätigt die Mitgliedschaften. Er initiierte im vergangenen Jahr die Unterschriftensammlung für eine studentische Urabstimmung zum umstrittenen Namenspatron Ernst Moritz Arndt. Fischer kämpft für den Erhalt des Namens und hat deswegen eine Liste „Pro Arndt“ für die Senatswahlen aufgestellt. Der Senat ist das Gremium der Universität, das über den Namen entscheidet.

Burschenschaften

Fischer räumt ein, dass Mario Schuldt und Richard Fimmel Mitglieder der Burschenschaft Markomannia sind sowie Christian von Depka zur Burschenschaft Rugia gehört. Jonathan Römer ist demnach Mitglied im Corps Borussia Greifswald. Für Fischer ist die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft kein Ausschlusskriterium für einen Platz auf der „Pro-Arndt-Liste“. Den Vorwurf, damit Stimmen am rechten Rand zu fischen, weist er zurück.

Die Burschenschaften Makromannia und Rugia sind stark national ausgerichtet und sollen dem Rechtsextremismus nahestehen. Verschiedene Medien haben in den vergangenen Jahren von personellen Überschneidungen von Rugia-Burschenschaftern und Mitgliedern rechtsextremer Organisationen berichtet. 

„Mir war wichtig, die Personen, die auf der Liste kandidieren, persönlich kennenzulernen“, sagt Fischer. 20 Leute hatten sich beworben, 15 haben es auf die Liste geschafft. „Die vier haben ganz normale politische Ansichten, die in die CDU oder CSU passen“, so Fischer. Keiner sei Mitglied in der rechtspopulistischen AfD oder stehe der Partei nahe. „Wenn jemand in der AfD wäre, wäre das für mich ein Ausschlusskriterium gewesen“, sagt Fischer. Die Arbeit des AfD-Landesverbandes MV sieht er besonders kritisch. Viele AfD-Mitglieder sind in einer Burschenschaft, darunter der Greifswalder Landtagsabgeordnete Nikolaus Kramer und der AfD-Kreisverbandschef Stephan Reuken.

Im Wahlprogramm der Pro-Arndt-Liste heißt es: „Es besteht eine klare Parteiunabhängkeit. Dies bedeutet, dass weder rechte noch linke Interessen vertreten werden, sondern Interessen, die die Universität in Lehre, Forschung und auch in der Finanzierung vorantreiben.“

Noch bis Donnerstag 16 Uhr sind alle Studierenden der Universität Greifswald aufgerufen, die zwölf studentischen Vertreter für den Akademischen Senat zu wählen. Es handelt sich um eine Personenwahl. Jeder Student kann auf seinem Wahlzettel zwölf Kreuze machen, dabei maximal zwei für eine Person. Der Senat besteht aus 36 Personen, darunter zwölf Professoren, zwölf Mitarbeiter und zwölf Studenten. Das höchste Entscheidungsgremium der Hochschule ist derzeit regelmäßig in den Schlagzeilen, weil es zuständig für die Entscheidung über den Namen der Universität ist.

Der derzeit amtierende Senat wird am kommenden Mittwoch über einen Antrag auf Ablegung des Namenspatrons Ernst Moritz Arndt entscheiden.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung waren zwei Personen der falschen Studentenverbindung zugeordnet. Den Fehler bitten wir zu entschuldigen.

Burschenschaften sind Studentenverbindungen, in denen nur Männer Mitglied werden dürfen. Makromannia und Rugia gehören zu den sogenannten schlagenden Verbindungen, in denen mit einer scharfen Waffe (oft Korbschläger) sogenannte Mensuren gefochten werden. Mit der ersten Mensur wird man in den Bund der Burschenschaft aufgenommen. Später werden Mensuren gefochten, um die Ehre zu verteidigen. Dabei kann es mitunter zu Verletzungen Gesicht, sogenannten Schmissen, kommen.

Katharina Degrassi

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Ernst Moritz Arndt wurde auf Rügen geboren. Er studierte und lehrte in Greifswald, wurde auf dem Rubenow-Denkmal als Vertreter der Philosophischen Fakultät geehrt.

Von Montag bis Freitag können die knapp 10.000 Studenten der Universität Greifswald über den Namenspatron der Uni abstimmen. Die OZ gibt einen Überblick über die wichtigsten Argumente zu Ernst Moritz Arndt (1769-1860).

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