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Greifswald Senioren entern die Marinas
Vorpommern Greifswald Senioren entern die Marinas
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00:01 07.02.2018
Boot an Boot: Der Yachthafen in Greifswald ist von Frühjahr bis Herbst gut belegt. Quelle: Foto: Kai Lachmann
Vorpommern

Sail away – segle fort! Das gilt für Vorpommern nur bedingt. Hier müsste es eher heißen „Sail a day“ – einen Tag lang segeln und dabei möglichst viel erleben.

Auf fast jedem zweiten Boot ist die Besatzung älter als 65 / Die Branche reagiert

Segler schätzen die Küstenlandschaft – die Branche boomt. „Das Interesse an unserer Region ist riesig“, sagt Steffen Piechullek und freut sich. Er hat für die Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern gerade die „boot“ in Düsseldorf, die weltgrößte Wassersportmesse, besucht. Vorpommern sei schon sehr gut aufgestellt mit großen Marinas wie Stralsund oder Kröslin und vielen kleineren Häfen, schätzt Piechullek ein. Insgesamt sind es etwa 70 zwischen Ribnitz-Damgarten und Altwarp (siehe Karte oben). Neue Angebote wie die luxuriösen Familienbäder in Lauterbach auf Rügen bereichern die Angebotspalette. „Die Südostküste der Insel mit den kleinen Marinas wie Seedorf ist ein Geheimtipp, den ich den Gästen empfehle“, setzt Piechullek hinzu.

Segler wollen schnelles Internet

Der Trend geht vom eigenen Boot hin zum Chartern. Die Bootsführer werden im Durchschnitt älter und reisen in der Regel zu Zweit. „Die Gäste wollen vor allem Natur erleben“, sagt Kirsten Ramthun, die ebenfalls für die Wirtschaftsfördergesellschaft arbeitet. Weniger wichtig seien den Seglern dagegen das Nachtleben oder ein breites kulturelles Angebot. „Die Nähe zu einer Stadt mit ihren Angeboten wird aber schon geschätzt.“ Darum seien Service, Restaurants und Möglichkeiten der Selbstversorgung für Marinas immer wichtiger.

Auch Events in Häfen kämen gut an. Angebote für Kinder seien weniger entscheidend, um Gäste anzulocken. „Altersgerechte Offerten sind wichtig“, fasst Ramthun zusammen. „Eine geordnete Müllentsorgung und die Versorgung mit Wasser müssen in einer Marina stimmen“, ergänzt Steffen Piechullek. Reserven sieht er auch bei der Verkehrsanbindung der Häfen. Nicht überall hätten die Betreiber in Vorpommern das nötige Qualitäts- und Servicebewusstsein. „Mitarbeiter müssen geschult werden, wie das zum Beispiel Krummin vorbildlich macht“, so Piechullek. Und eine schlechte Internetanbindung sorgt auch bei Seglern jeden Alters für Verdruss.

Gemeinsam Vermarkten von Vorpommern bis nach Litauen

Für die Region Vorpommern haben die Wirtschaftsfördergesellschaft, der Tourismusverband Vorpommern und die Gemeinde Ostseebad Heringsdorf die Broschüre „Ankerplatz Vorpommern“ herausgebracht.

„Sie wurde zur diesjährigen „boot Düsseldorf“ erstmalig vertrieben“, berichtet Nele Reidenbach, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Projektmanagerin beim Tourismusverband. „Sie soll zum Landgang auf Usedom, Rügen und dem vorpommerschen Festland inspirieren und in der kommenden Saison in den Hafenmeisterbüros ausliegen.“

Der Osten des südlichen Ostseeraums wird gemeinsam als „South Coast Baltic“ vermarktet. Nele Reidenbach ist die zuständige Projektmanagerin. Die gemeinsame Marketinginitiative führt Marinabetreiber, Charterunternehmen und Tourismusakteure aus den Regionen Vorpommern, Bornholm, Zachodnipomorskie (Westpommern/Polen), Klaipeda (Memel/Litauen) und Kaliningrad (das frühere Königsberg in Russland) zusammen. Zwischen Barth und der Kurischen Nehrung gibt es über 180 Häfen. „Wir werben gemeinsam mit unbeschreiblich schöner Natur, lebendiger Kultur und Geschichte“, sagt Nele Reidenbach. Jährlich wird zudem über das Projekt ein Flottillensegeln angeboten, das ist eine gemeinsame Tour mit Programm für den Landgang. Im Juni 2018 gehe es von Danzig über Kaliningrad bis nach Klaipeda. Für 2019 ist eine Tour geplant, die Vorpommern, Bornholm und Zachodnipomorskie in den Fokus stellt.

„Wir wollen die, die zu uns passen, für uns gewinnen“, sagt Frank Schmidt vom Naturhafen Krummin. Er hat in den Jahren seit der Übernahme Krummins 2011 eine vielbeachtete Erfolgsgeschichte geschrieben. Seine Marina verfügt über 160 Liegeplätze und ist damit die größte Usedoms. Schmidt setzt auf Nachhaltigkeit. Jetzt den Hafen „brechend voll zu haben“ nütze nichts. Man müsse daran denken, was in fünf Jahren sei. „Über Liegeplatzgebühren kann ich nicht diskutieren.“

Trend: Wohnen statt segeln

Ein ganz großer Trend sind nicht nur in Krummin schwimmende Häuser. „Diese sind auch für Investoren interessant“, schätzt Frank Schmidt ein. „Man kann gar nicht genug schwimmende Häuser aufs Wasser bringen.“ Finanziell seien diese für die Eigentümer attraktiv, denn die Mieten seien hoch. Krummin bietet seit 2017 drei schwimmende Suiten für – je nach Saison – 150 bis 250 Euro je Nacht an.

Aber sei das noch ein Hafen, wenn da vor allem „schwimmende Schrebergärten“ zu sehen seien, fragt sich Schmidt. Die schwimmenden Häuser, wie es sie auch in Barth, Lauterbach oder Kröslin gibt, seien eine ideale Möglichkeit für alle diejenigen, die genug Geld im Portemonnaie haben, aber sich nicht trauen zu segeln.

Dass viele Kunden heute vor allem das Flair eines Hafens und den Blick aufs Meer im Urlaub wollen, lasse sich nach den Erfahrungen der Wirtschaftsförderer auch außerhalb Vorpommerns beobachten. Gute Beispiele dafür seien die landseitige Entwicklung in Warnemünde oder Kühlungsborn. Auch in Heringsdorf könnte das in Zukunft so werden, schätzen Experten ein.

Wachstumspotenzial gebe es ferner im Austausch zwischen den Ostseeländern, ist Steffen Piechullek überzeugt „Polen segeln derzeit vor allem in Polen, Deutsche in Deutschland“, beschreibt er. Das soll sich mit der gemeinsamen Vermarktungsoffensive jetzt ändern. Auch mehr Schweden und mehr junge Segler seien sehr willkommen, so Piechullek.

Fakten und Angebote

Durchschnittlich bleiben Boots-Touristen zwei Tage im Hafen. Die Mehrheit ist zu dritt in der südlichen Ostsee unterwegs.

Immer mehr Senioren sind mit Yachten auf der Ostsee unterwegs. Auf 42,9 Prozent aller Boote sind die Personen älter als 65 Jahre, wogegen Kinder nur auf 12,3 Prozent aller Boote mitfahren.

Die Reisedauer steigt mit dem Alter der Segler. Rentner sind mit einem Monat am längsten auf dem Wasser unterwegs.

Das ist das Ergebnis einer Befragung von 472 Bootstouristen in über 70 Häfen an den Küsten Deutschlands, Dänemarks, Polens, Litauens und im russischen Kaliningrad im letzten Jahr.

In einem Führer des internationalen Projekts „South Coast Baltic“ werden alle Häfen der südlichen Ostseeküste vorstellt. Ein Magazin nimmt die beteiligten Regionen in den Blick.

Eine Slide-Show, also eine digitale Bilderstrecke, gibt auf Messen den Besuchern erste Eindrücke der Region.

Eine Karte mit möglichen Haltepunkten und einem Törnvorschlag ist ebenfalls im Angebot.

Die Onlinevermarktung gewinnt auch im Wassertourismus an Bedeutung. Ein Basiseintrag auf www.vorpommern.de ist möglich. Dieser wird über die Seiten zum Thema Segeln beworben, die gegenwärtig ausgebaut werden.

Eckhard Oberdörfer

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