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Greifswald „Sichere Fluchtwege müssen her“
Vorpommern Greifswald „Sichere Fluchtwege müssen her“
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00:00 06.12.2017
„Sea-Watch 2“, hier bei einem Rettungseinsatz, startete 2016 und kann für bis zu 500 Personen Erste Hilfe leisten.
Greifswald

500 Flüchtlinge ertrinken, als ihr Boot im April 2015 im Mittelmeer kentert. Nachdem Carolin Möhrke von diesem Unglück liest, lassen ihr die Toten keine Ruhe mehr. Die Geschichten von Menschen, die vor Krieg und Hunger fliehen und dafür ihr Leben aufs Spiel setzen, vermitteln ein Gefühl der Ohnmacht. Sie will trotzdem helfen. So meldet sich die 38-jährige Kinderärztin aus Vorpommern- Greifswald bei „Sea-Watch“ (zu deutsch: See-Beobachtung). Die Anfang 2015 gegründete und durch Spenden finanzierte Initiative mit Sitz in Berlin rettet Flüchtlinge aus Seenot auf dem Mittelmeer und will auf die dortige humanitäre Katastrophe aufmerksam machen. Im Sommer 2015 gehört Carolin Möhrke zur Mannschaft, die auf der „Sea-Watch 1“, einem 20 Meter langen Kutter, in See sticht.

Carolin Möhrke ist seit 2015 bei „Sea-Watch“ / Die Kinderärztin rettet Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

„Mare Nostrum“ und „Triton“

Von Oktober 2013 bis 2014 rettete die italienische Marine „Mare Nostrum“ 130000 Personen aus Seenot. Monatliches Budget: Neun Millionen Euro. Die Nachfolge-Mission „Triton“ der europäischen Grenzschutzagentur „Frontex“ hat die Grenzsicherung und Bekämpfung illegaler Migration zum Ziel. Monatliches Budget: drei Millionen Euro.

Seitdem habe sie gelernt, wie „tragisch Politik mit der Realität verflochten ist“. Es könne nicht sein, dass Menschen ihr Leben verlieren, weil sie um Asyl bitten wollen, ist Möhrke überzeugt. Die Situation sei „unfair und ungerecht“, sagt sie mit Nachdruck. „Die westliche Welt tut so, als würde das nicht existieren und als wenn wir nichts damit zu tun hätten.“ Auf dem Seeweg von Nordafrika nach Italien starben laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in den vergangenen drei Jahren über 11000 Menschen, Hunderttausende machen sich jährlich auf den Weg. Es gelte, „sichere Fluchtwege zu schaffen“, sagt Möhrke. Das konkret umzusetzen, sei Aufgabe der Politik. Doch durch sie, sagt Möhrke, sei sie „ein bisschen zynischer geworden als ich es vorher war“.

Vor ihrer Zeit bei „Sea-Watch“ sammelte sie Erfahrungen in Krisengebieten, arbeitete in Afghanistan, Indien, Guatemala und auf Haiti nach dem schweren Erdbeben 2010. Sie wirkt lebensfroh und aufgeweckt. „Wenn ich nicht mehr ich sein könnte, müsste ich damit aufhören“, sagt sie.

Auf ihren zwei Fahrten mit der „Sea-Watch 1“ und „Sea-Watch 2“ organisierte sie mit anderen den medizinischen Bereich, sortierte und zählte die Medikamente, stellte sicher, dass Decken vorhanden waren, leistete Erste Hilfe. Heute fährt sie nicht mehr raus, sondern kümmert sich von Land aus um die Crew und die Mediziner. Mit ihren Erfahrungen will sie helfen.

Sie hielt selbst Ausschau nach manövrierunfähigen Booten, deren Insassen häufig nicht wüssten, wo sie überhaupt hin wollen, sagt sie. Sie kennt den Druck, der entsteht, wenn hunderte Menschen auf Rettung hoffen und weiter darauf warten müssen. Denn die Rettungen koordiniert die Seenotrettungsleitstelle in Rom, die Handelsschiffe, Marine oder andere geeignete Schiffe an die Einsatzstelle schickt. „Sea-Watch“ bringt kaum Leute an Land, um auf dem Meer vor Ort zu bleiben. Mit Rettungsinseln und Schwimmwesten leistet die Crew Erste Hilfe für bis zu 500 Menschen. An Land gebracht werden die Geretteten letztendlich von der italienischen Küstenwache.

Dabei haben sich die Staaten der Europäischen Union in den vergangenen Jahren aus der Seenotrettung zurückgezogen. Neun zivile Organisationen wie „Sea-Watch“ oder „SOS Mediterrannée“ halfen seit dem Ende der italienischen Seenotrettungsoperation „Mare Nostrum“ Ende 2014 zehntausenden Flüchtlingen. Laut eigenen Angaben hat „Sea-Watch“ 35000 Menschen gerettet.

Die politische Abschottung auf dem Mittelmeer kann Carolin Möhrke nicht verstehen. Der Einsatz geht weiter, bis dort das Sterben aufhört.

Christopher Gottschalk

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