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Landkreis und Technologiezentrum erhalten Beratungsstelle auch nach Ablauf der Bundesförderung

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TZV-Geschäftsführer Wolfgang Blank, Kreissozialdezernent Dirk Scheer, Berater André Huysmann und Unternehmer Tim Lange (v.l.) knüpfen Netzwerke und entwickeln Ideen, damit ältere Menschen in den eigenen vier Wänden lange und sicher wohnen können.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Herdplatte vergessen? Wasserhahn nicht zugedreht? Gedächtnislücken im Alter können verheerende Folgen haben. Deshalb suchen immer mehr Menschen nach intelligenten Assistenzsystemen, die es ihnen ermöglichen, in den eigenen vier Wänden lange und sicher zu leben.

„Unsere Musterwohnung in Schönwalde II mit Alltagshilfen und technischen Systemen haben seit September 2014 insgesamt 1060 Personen aufgesucht“, erzählt André Huysmann, Leiter der Kommunalen Beratungsstelle des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Vor zwei Jahren war diese Stelle mit knapp 200 000 Euro Bundesmitteln ins Leben gerufen worden. Eine Förderung, die jetzt ausgelaufen ist. Doch im Gegensatz zu manch anderen von Berlin unterstützten Projekten bleibt die kommunale Beratungsstelle auch über den Förderzeitraum bestehen. Dazu hat der Landkreis gestern mit dem Technologiezentrum Vorpommern (TZV) eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen.

„Das Projekt an sich haben wir ja schon von Anfang an mitgeschrieben“, sagt TZV-Geschäftsführer Wolfgang Blank. „Jetzt aber binden wir es in ein Netzwerk ein“, fügt er hinzu und berichtet, Huysmann nun auch als Mitarbeiter ins Boot des Unternehmens geholt zu haben. „Finanziell“, da macht sich Blank nichts vor, „wird sich die Sache noch nicht sobald tragen.“ Doch in zwei Jahren könne das schon anders aussehen.

Seinen Optimismus schöpft er aus dem Interesse, das die Kommunale Beratungsstelle mittlerweile findet. Gerade habe sich mit der Casenio AG ein junges Berliner Unternehmen im TZV angesiedelt, das intelligente Hilfe- und Komfortsysteme für Zuhause entwickelt. „Unsere Produkte sind seit Mitte 2015 verkaufsfähig“, sagt Vorstand Tim Lange, der schon seit langem nach Partnern Ausschau hielt. Doch während viele Initiativen in anderen Regionen erst in den Kinderschuhen steckten, „bewegt sich im Landkreis Vorpommern-Greifswald schon lange sehr viel“, würdigt er die Aktivitäten. „Für uns gibt es deshalb zurzeit keinen besseren Standort als Greifswald.“

Für Kreissozialdezernent Dirk Scheer ist das reichlich Bestätigung dafür, schon vor Jahren mit Partnern den richtigen Weg beschritten zu haben. „Im Umkreis von 400 Kilometern gibt es keine vergleichbare Beratungsstelle. Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal und Keimzelle anderer Projekte“, sagt er. Genauso wie etwa die vor zwei Jahren gegründete „Initiative Leben und Wohnen im Alter“

(ILWiA). Dem Netzwerk gehören mittlerweile über 40 Akteure aus den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft, Bildung und Politik an (die OZ berichtete).

Die Greifswalder Kompetenz, urteilt André Huysmann, würde mehr und mehr die Aufmerksamkeit von Hilfesuchenden oder Familienangehörigen auch aus anderen Bundesländern erlangen. Aber ebenso klopften potentielle Partner zunehmend an die Tür. Jüngstes Beispiel: die Kooperation mit einer Krankenkasse. „Ab Juni werden wir in Greifswald 20 Wohnungen von AOK-Versicherten, die über 60 Jahre alt sind, mit innovativen Assistenzsystemen ausstatten“, kündigt Huysmann an und spricht von einem großen Interesse. Die Krankenkasse lasse sich diesen Versuch einiges kosten, sagt er und beziffert die Ausgaben pro Wohnung mit 1100 Euro.

Aber auch für weit weniger Geld, versichert Tim Lange, gebe es bereits intelligente und einfach zu bedienende Systeme. Eine automatische Herdabschaltung etwa diene nicht nur betagten Menschen. Auch Familien, in denen Kinder bereits gerne kochen, profitierten von derlei Entwicklungen, spricht er aus eigener Erfahrung. Dasselbe treffe für Wassermelder, Türschlosssensoren oder weitere Hilfen zu.

Die Beratungsstelle

1060 Menschen besuchten seit der Gründung der Kommunalen Beratungsstelle Ende September 2014 die Musterwohnung in der Makarenkostraße 38. Sie ist donnerstags zwischen 13 und 18 Uhr und nach Voranmeldung geöffnet.

22 Beratungsstellen förderte der Bund in den vergangenen zwei Jahren. Die im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist die einzige im Umkreis von 400 Kilometern. Deshalb suchen in jüngster Zeit auch immer mehr Ratsuchende aus Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein dort Hilfe.

Von Petra Hase

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