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Greifswald Sie bringt Greifswald ins Rollen
Vorpommern Greifswald Sie bringt Greifswald ins Rollen
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00:05 02.12.2017
Henriette Bettin zeigt ein Album mit Erinnerungsfotos, das sie zum 80. Geburtstag bekam. Ihr Wunsch: den Rollsport erhalten. Quelle: Foto: Christopher Gottschalk
Greifswald

Ein halbes Jahrhundert Sportgeschichte beginnt mit einem Blick aus einem Wohnzimmerfenster: Henriette Bettin sieht auf dem Gehweg vor ihrem Haus Kinder Rollschuh fahren. Sie tänzeln, springen und machen Pirouetten. Der Rollkunstlauf fasziniert sie sofort. So tänzerisch – wie eine Eiskunstläuferin, die sie schon als Kind bewunderte – will sie sich auch bewegen können. Sie bringt sich den Sport selber bei, wird 1970 sogar Trainerin im Rollsportclub (RSC) Greifswald. Ihr Engagement für ihre Sportler kennt kaum Grenzen. Heute zeichnet das Land Henriette Bettin dafür mit seiner Ehrennadel in Schwerin aus. Diese bekommen Personen, die über mindestens zehn Jahre Herausragendes im Ehrenamt geleistet haben.

Märchen auf Rollen

60 Kinder und Jugendliche trainieren heute im Rollsportclub Greifswald.

4 mal Gold und zweimal Bronze gewannen die Läuferinnen bei der letzten Landesmeisterschaft.

Die nächste Veranstaltung des Clubs ist am 16. und 17. 12. Dann

werden Disneymärchen gezeigt.

Ort: Sporthalle 2, Joliot-Curie-Straße, Zeit: 16 Uhr

www.facebook.com/Rollsportclub

Aber die 80-Jährige bleibt bescheiden. „Eigentlich müssten andere Helfer die Auszeichnung bekommen, ohne die wäre meine Arbeit nicht möglich“, sagt sie. Dabei ist sie die Konstante im Verein. Vor zehn Jahren schrieb sie sogar ein Buch über ihre Leidenschaft. Titel: „Eine Greifswalder Rollkunstlaufgeschichte“.

Diese beginnt im Jahr 1962, als Erwin Ruschke eine Wohnsportgemeinschaft unter dem Namen „Sport Frei“ gründete. Deren Rollkunstläuferinnen waren es, die Henriette Bettin später vor ihrem Fenster aus sah, ihre faszinierenden Sprünge, die eleganten Pirouetten. Und schauen konnte sie häufiger, denn die erste Trainingsstätte der Rollkunstläufer lag direkt neben dem Haus, in dem Henriette Bettin und ihr Mann noch heute wohnen.

Ihre Kinder haben die beiden ebenfalls im Verein angemeldet, zuerst die Töchter, später kamen die Söhne Dietmar und Hartmut dazu. Hartmut Bettin (53) ist heute Vereinsvorsitzender und arbeitet am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Uni. Er bewundert den Ehrgeiz und das soziale Gewissen seiner Mutter, die noch heute bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zum Training fährt. „Sie hat sich dafür eingesetzt, dass Kinder aus armen Familien weniger Beiträge zahlen“, sagt er. Das bereits seit 1970, als andere gingen, aber Probleme blieben: Fehlende Kostüme nähte Henriette Bettin, meldete ihre Schützlinge bei Wettkämpfen an, organisierte Fahrten, Schuhe und Hallenzeiten. Die erste Laufbahn hinter ihrem Haus wurde bei Hitze weich und verzog sich, eine neue größere Bahn, 1973 eingeweiht am Philipp-Müller-Stadion, war mangelhaft. Der Verein zog oft um. Heute trainiert man in der Sporthalle 2 in Schönwalde I.

Mangelhaft waren anfangs auch Haltung und Technik der Greifswalder Läufer. „Die Etablierten haben auf meine Mutter herabgeschaut, die den Sport ja autodidaktisch lernte“, sagt Hartmut Bettin. „Sie hat auch mich trainiert. Als ich dann zum fünften Mal DDR-Meister wurde, hat keiner mehr was gesagt,“ Henriette Bettin wurde in Frankfurt am Main geboren, zog 1941 nach Dresden zu ihren Großeltern.

1948 ging es nach Greifswald, der Vater bekam hier eine Professur. Sie wurde HNO-Ärztin, ging 1992 in Rente. Dem Sport blieb sie treu. Gute Läufer im Verein, Energie und Fanatismus hätten sie nicht aufhören lassen, sagt sie. Bis heute ist das so. Verändert hätten sich im Laufe der Jahre die Anfänger, die „nicht mal eine Hocke hinbekommen “, sagt sie, steht auf, geht in die Hocke, streckt ein Bein von sich und dreht sich hüpfend um die eigene Achse. Sie ist fit, weil sie diszipliniert trainiert hat. Das fordert sie auch von den Kindern, die sie mehrmals pro Woche trainiert. „Mir macht es viel Spaß mit den Kleinen. Es tut ihnen gut, weil sie ihre Körperhaltung verbessern und konzentriert trainieren.“

Nadine Krüger (32), Trainerin, ist seit 1996 im Verein. „Frau Bettin ist hilfsbereit, freundlich und hat eine Engelsgeduld mit den Kindern, verlangt aber auch Disziplin“, berichtet sie. Der Rollsportclub sei „ihr Lebenswerk.“ Hartmut Bettin fügt an: „Meine Mutter muss schon im Krankenhaus liegen, damit sie nicht zum Training kommt“, sagt er. „Sie kümmert sich um die Zukunft des Vereins manchmal mehr als um ihre eigene.“

Christopher Gottschalk

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