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Simson-Fieber in Dersekow

Dersekow Simson-Fieber in Dersekow

Die Mopeds aus DDR-Tagen sind wieder gefragt – 150 Fans treffen sich zum Klönen und Feiern

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Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft: Mitglieder des Simsonclubs in Dersekow.

Quelle: Sven Jeske

Dersekow. Um zehn Uhr vormittags waren Dersekows Mopedfahrer noch unter sich. 40 Minuten später hatten sich weitere 80 Besitzer von Kleinkrafträdern auf dem Sportplatz im Dorf eingefunden. Hier ging am Sonnabend erstmals ein Treffen von Liebhabern der in der DDR produzieren Simson-Mopeds über die Bühne. 150 aus Vorpommern waren dabei.

Simson-Mopeds sind wieder Kult.“Christoph Jochens, Fan aus Greifswald

„Simson ist wieder Kult!“ erklärt der Greifswalder Christoph Jochens (30). Vor vier Jahren noch habe man Teile für Mopeds dieser Marke hinterhergeschmissen bekommen. Inzwischen müsse man sich ganz schön strecken, um nicht nachgebaute, sondern originale zu erhalten. Jochens selbst fährt eine „Schwalbe“. Ein Moped, das eine fünfzigjährige Geschichte aufweist und dessen Produktionslinien schon seit Jahren stillgelegt sind. „Das ist ein Kulturstück“, findet er. „Das muss man erhalten.“

Torsten Lewandowski (42) ist mit dem Kulturstück groß geworden. „Ich war 14, als ich meinen Mopedführerschein machte, später kaufte ich mir eine Simson S 50.“ Die hat der Dersekower längst gegen einen „Star“ und einen „Habicht“ eingetauscht. Die Mopeds aus der sogenannten Vogelserie, produziert von 1964 bis 1975, seien einfach top, meint er und fügt erklärend hinzu: „Schön viel Blech, so gut wie kein Plastik dran.“

26 Männer und Frauen bilden den Simsonclub Dersekow: „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, sagt Tom Below (27). Wöchentlich treffe man sich zum Basteln und Klönen in einer Privatwerkstatt im Dorf. Gemeinsame Ausfahrten seien ein Muss. „Bis Rostock sind wir so schon gekommen“, erzählt Ines Belling (40). Mit ihrem Moped, eine SR 50, fährt sie nicht selten zur Arbeit ins 27 Kilometer entfernte Demmin. Auf ihr Zweirad lässt Belling nichts kommen. „Ich habe es mir damals von meinem Jugendweihegeld gekauft und bin all die Jahre damit gefahren. Daran hängen viele Erinnerungen.“

Erinnert fühlten sich auch viele Menschen, denen man mit seinem Simson-Moped begegne, schildert Andreas Jochens (25). „Vor allem die älteren springen sofort darauf an. Meistens hatten sie selber mal so ein Fahrzeug.“

Vor einem Jahr noch konnten die Simsonfreunde an einer Greifswalder Tankstelle das Benzin-Öl-Gemisch zapfen, das ihre Zweitakt-Maschinen benötigen. Inzwischen bietet das keine Tanke mehr an. Schlimm sei das nicht, beteuert Torsten Lewandowski: „Wir mischen unseren Kraftstoff selber.“ Eine App im Internet helfe, die genaue Dosierung anzusetzen.

1050 DDR-Mark kostete ein Moped „Spatz“ von Simson seinerzeit. Fans wie die Dersekower investieren ein Vielfaches in den Wiederaufbau solcher Maschinen. Mit der neuen „Schwalbe“ indes können sie wohl nicht mithalten: Gut 8000 Euro lässt sich ein kleiner Betrieb in Thüringen den Nachbau des Klassikers kosten. Dabei dürfen fast alle Teile neu sein – Scheinwerfer, Sitz, Speichen, Motoren. Eines aber muss unbedingt original sein: der Rahmen samt Fahrgestellnummer. Nur so gilt weiterhin die technische Zulassung des Fahrzeugs. Um den alten Rahmen herum entsteht praktisch ein neues Gefährt – mit Materialien, wie es sie zu Zeiten der Serienfertigung in Suhl noch gar nicht gab.

Christoph Jochens juckt das nicht. Kultiger als seine liebe alte Schwalbe kann die neumoderne nun wirklich nicht sein.

Sven Jeske

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