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Sinti und Roma: Urlaub von der Armut

Ahlbeck Sinti und Roma: Urlaub von der Armut

Jugendliche aus armen Familien, die nur in Deutschland geduldet sind, verbrachten ihre Ferien auf Usedom.

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Die meisten der jungen Sinti und Roma waren zum ersten Mal an der See. Auf der Insel Usedom hat es ihnen gut gefallen.

Quelle: Dietrich Butenschön

Ahlbeck. Inzwischen sind sie abgereist — vom äußersten Nordosten in den entferntesten Südwesten Deutschlands: Zwölf Tage lang hat eine Gruppe von 26 jungen Sinti und Roma aus dem Raum Freiburg Ferientage auf der Insel Usedom verbracht. „Sie kommen aus Familien, fast alle Flüchtlinge aus dem Kosovo, die zwar schon seit mehreren Jahren in Deutschland leben, deren Status aber noch immer so gut wie ungeklärt ist“, berichtet ihr Betreuer Tomas Wald vom Roma-Büro Freiburg. „Die meisten sind derzeit in Deutschland nur geduldet, die wirtschaftlichen Verhältnisse sind sehr schwierig, das Milieu, in dem die Kinder und Jugendlichen leben, lässt ein unbeschwertes Aufwachsen kaum zu.“

Um den Mädchen und Jungen wenigstens ein paar Tage im Jahr Erholung und Abstand von den problematischen Verhältnissen daheim zu ermöglichen, organisiert der Freiburger Verein Kultur-Sommer-Camps. Bei der Suche nach einem Aufenthaltsort in diesem Jahr begegnete Wald zufällig dem Usedomer SPD-Kommunalpolitiker Günter Jikeli, der die Unterkunft in Ahlbeck vermittelte und die Gruppe hier auch besuchte. Die zwölf Tage auf der Insel Usedom waren angefüllt mit verschiedenen Workshops, vor allem musikalischer Art. Aber auch Tanz und Theaterspiel standen auf dem Programm, der Höhepunkt aber war eine ausgedehnte Fahrradtour über die Insel. „Vor allem dabei haben wir bei Einheimischen und Urlaubern eine gute Aufnahme gefunden, obwohl mancher erstmal stutzte angesichts des anderen Aussehens und des Temperaments unserer Jugendlichen“, berichtet Wald, der in diesem Zusammenhang aber auch ein negatives Erlebnis nicht verschweigt: „Als wir unsere gebuchten Fahrräder abholen wollten, wollte sie der Vermieter nicht herausgeben. Er hatte wohl Angst, wir würden sie ihm stehlen. Erst als wir ihm eine Kautionssumme anboten, ließ er sich schließlich erweichen.“ So konnte während dieser Tour zum Beispiel auch das Kunsthaus Usedom in Neppermin angefahren werden, wo die jungen Leute zu einem gegrillten Lamm eingeladen wurden und sich spontan mit einem Musikprogramm revanchierten. „Wir werden im nächsten Jahr wiederkommen“, versichert Tomas Wald. Dann, so hofft er, wird es noch mehr Begegnungen vor allem mit Jugendlichen von der Insel geben. Anfänge sind in diesem Jahr schon gemacht worden, denn die „Inselhopper“, Jugendliche, die sich in der Volkssolidarität für soziale Zwecke engagieren, haben die Sinti und Roma mit betreut.

Das Milieu, in dem

die Kinder leben, lässt

ein unbeschwertes Aufwachsen kaum zu.“Tomas Wald, Betreuer des Jugendprojekts

 

Dietrich Butenschön

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