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Greifswald Selbstversuch: So schlecht lässt sich ein VW Passat Diesel verkaufen
Vorpommern Greifswald Selbstversuch: So schlecht lässt sich ein VW Passat Diesel verkaufen
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20:56 24.10.2018
OZ-Redakteur Benjamin Fischer und sein drei Jahre alter, schwer verkäuflicher VW Passat TDI, der immerhin die Abgasnorm Euro 6 erfüllt. Quelle: Stefan Sauer
Stralsund/Greifswald

Die Logik, nach der Autohändler in diesen Tagen Diesel-Fahrzeuge verkaufen, passt nicht zu der, nach der sie Diesel-Autos ankaufen. Nicht genug damit, dass man sich als Besitzer eines VW Passat Diesel angesichts der seit mehr als drei Jahren laufenden Debatte nicht längst gemobbt und wie der größte aller Sünder unter den Fahrern von Verbrennern fühlen würde. Auch im äußersten Nordosten kann man derzeit erleben, was es heißt, ein Opfer des Dieselskandals zu sein, obwohl hier wahrscheinlich selbst in zehn Jahren noch keine Fahrverbote drohen werden, weil schlichtweg zu wenige Autos unter einem viel zu weiten Himmel unterwegs sind.

Der erste Autohändler betont auch sogleich, als ich mich für einen fast neuen Ford Galaxy, einen Euro-6-Diesel, interessiere, dass hier im Land Fahrverbote nie ein Thema sein werden. Prima, dann dürfte er ja kein Problem haben, meinen VW Passat 2.0 TDI, Alter: drei Jahre, Kilometerstand: 83500, Abgasnorm: ebenfalls Euro 6 (die bisher zumindest aus Sicht der Politik noch als sauber gilt), in Zahlung zu nehmen. Erst gibt er sich hoffnungsfroh, checkt die Zahlen und dann Ernüchterung: „Meine Güte, der ist im Wert aber abgerauscht.“ Sein Gebot höchstens 12500 Euro, zwischen den Zeilen lässt er aber deutlich durchblicken, dass er das Auto eigentlich lieber gar nicht haben würde und versucht das Ganze schnell zu beenden. Merkwürdig, ich soll mir beim Kauf einer neuen Familienkutsche mit einem Euro-6-Dieselmotor keine Gedanken über Fahrverbote machen, aber meinen Diesel mit einer bisher verschonten ähnlichen Abgasnorm bewertet er so schlecht, dass man eher von einem Ablehn- als von einem Ankaufangebot sprechen könnte, obwohl Euro-6-Diesel bisher nicht von Fahrverboten betroffen sind.

Händler winken ab

Direkter gibt sich eine Ford-Händlerin in Greifswald. Mir ein Fahrzeug verkaufen, gern, aber nein, haben will sie den Passat auf keinen Fall. Sie würde ein paar Gebrauchtwagenhändler anrufen, die vielleicht Interesse haben. Man müsse dies angesichts „der Diesel-Problematik“ verstehen. Mein Modell brauche sie sich selbst nicht vor die Tür zu stellen. Einer der Gebrauchtwagenhändler winkt gleich ab, ein anderer könnte sich vorstellen, mir den Wagen für vielleicht 12000 Euro abzunehmen. Ein ähnliches Bild in Stralsund. Das höchste Gebot für den Passat liegt hier bei 11900 Euro, wenn ich im Gegenzug einen Familienvan als Neuwagen nehme. Auch andere haben kein großes Interesse, egal welche Marke sie selbst vertreiben. Ein angefragter Händler in Grimmen lässt sich per E-Mail noch den Fahrzeugschein schicken, reagiert dann aber nicht mehr. Dafür höre ich oft, dass mein Auto ein echter Problemfall sei, ganz, ganz schwierig. Und fast alle schimpfen auf die Politik und die Medien, die den Dieselskandal künstlich hochspielen würden.

Laut den Fakten, die VW der Fahrzeug-Finanzierung damals beim Kauf zu Grunde gelegt hat, müsste mein Auto jetzt noch ungefähr 16500 Euro wert sein. So viel verlangt zumindest die Volkswagen-Bank, wenn man den Kredit auf einen Schlag ablösen wollte. Das tun Autohändler sonst täglich, wenn sie ein Fahrzeug in Zahlung nehmen, das noch nicht abbezahlt ist. Früher waren Verhandlungen über den Restwert eines Gebrauchten beim Neuwagenkauf im Vergleich zu dem Gezerre an möglichen Rabatten für den Neuen fast immer Nebensache.

Wertverlust von 4000 Euro

Zugelassen worden ist mein VW Passat am 1. Juli 2015, gut zehn Wochen später geriet der Hersteller mit seinen Schummel-Dieseln in die Schlagzeilen. Der Fakt, dass mein Modell gar keinen Schummel-Motor unter der Haube hat, ist am Kfz-Markt derweil zu einer Marginalie verpufft, einen plötzlichen Wertverlust von rund 4000 Euro inklusive.

Die Erklärung, warum wir ein neues Auto brauchen, ist indes so alt wie es verschiedene Modelle gibt. Die Familie wird größer. Deshalb ist diese Geschichte kein „So tun als ob“, was Journalisten sonst gerne machen, um sich in die Perspektive von Verbrauchern und Kunden zu versetzen, sondern sie ist echt. Auf konkrete Namen von Verkäufern und Händlern verzichten wir aber der Fairness halber so weit wie möglich.

In einem der vielen Verhandlungsgespräche macht ausgerechnet der Autohändler, der mir mit 14500 Euro den höchsten Preis bietet, den Vorschlag, es doch mal bei „Wir-kaufen-dein-Auto.de“ zu versuchen. Das mit viel Tamtam beworbene Ankaufportal für Gebrauchtwagen unterhält eine Filiale im Gewerbegebiet am Greifswalder Gorzberg, auch in Neubrandenburg, Rostock und Schwerin gibt es Standorte.

Dort werden die Autos unter einem improvisiert wirkenden Partyzelt mit einem Tabletcomputer durchfotografiert und begutachtet. Anschließend sendet ein Mitarbeiter Bilder und Infos in die Zentrale. Im Internet häuft sich Kritik, dass die Plattform bei einer Online-Bewertung vorab versuchen würde, Lockangebote zu machen, um dann vor Ort den wirklichen Ankaufspreis zu drücken. Laut dieser Online-Bewertung ist mein VW „Wir-kaufen-dein-Auto.de“ immerhin noch 14083 Euro wert. Macht man anschließend einen Termin aus, folgen per Mail mehrere Hinweise darauf, dass man zur Begutachtung unterm Partyzelt bitte gleich an alle Schlüssel, Papiere und den unter Umständen vorhandenen Satz Winterreifen denken müsse, um ins Geschäft zu kommen. Die Vermutung in zahlreichen Internetforen: Nur so könnten die Mitarbeiter während der Verhandlungen Zeitdruck aufbauen, der ihnen dabei hilft, den Preis auch dann noch zu drücken, wenn sie keine Mängel am Auto feststellen können. Mir wird es an diesem Punkt zu bunt, auch angesichts der alles andere als seriös wirkenden Geschäftsstelle. Den Termin sage ich wieder ab.

Lösung in Thüringen

Unterdessen findet sich ein VW-Händler weiter weg, in Thüringen, mit dem am Ende alles so läuft, wie ich es mir von Anfang an vorgestellt hatte. Er nimmt den Passat ohne zu murren in Zahlung und bietet beim Kauf des Neuwagens einen Rabatt von fast 19 Prozent. Letzte Chance für die Autobranche in Vorpommern: Mit diesem Angebot in der Tasche marschiere ich zu einem VW-Händler in der Region. Es ist aber nichts drin. „Wenn ich das mache, dreht mir mein Chef den Hals um“, sagt der Verkäufer und wünscht mir eine gute Fahrt in den Süden. Vielen Dank!

Hoffnung auf Schadenersatz

Wer einen Diesel fährt, konnte zuletzt fast nur verlieren: Abgasbetrug, Werkstattbesuche, dramatischer Wertverlust auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Jetzt kommen Fahrverbote, nach Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und Berlin, bald vielleicht auch in Mainz.

Direkt betroffen sind bisher Fahrzeuge bis zur Abgasnorm Euro 5, aber auch Euro-6-Diesel verlieren an Wert. Eine neue Verbraucherklage, die am 1. November eingereicht wird, macht den Betroffenen des VW-Skandals jetzt zumindest Hoffnung auf Schadenersatz. Rund 2,5 Millionen Autos hatte der Konzern nach „Dieselgate“ zurückgerufen – die Besitzer können sich nun der Musterfeststellungsklage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen anschließen.

Benjamin Fischer

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