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Greifswald So tickt der Mensch, wenn er Trompete spielt
Vorpommern Greifswald So tickt der Mensch, wenn er Trompete spielt
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04:26 20.04.2013
Der Mediziner Benjamin Gebel erhielt den diesjährigen Wissenschaftspreis. Quelle: Uwe Roßner

Musik hat in Benjamin Gebels Leben einen festen Platz. Mit sechs Jahren kam er zur Posaune, in seiner Doktorarbeit machte sie der 27-Jährige zum Gegenstand der Grundlagenforschung. Vier Jahre lang ging der Mediziner der Frage nach, wie sich bei Trompetern durch das jahrelange Üben das Gehirn verändert hat und was im Kopf passiert, wenn sie mit den Fingern die Ventile ihres Instruments, ohne zu blasen, antippen. Für seine herausragende Studie auf dem Gebiet der Musikforschung erhielt Benjamin Gebel am Donnerstagabend in der Sparkasse Vorpommern am Gorzberg den diesjährigen Wissenschaftspreis des Medizinischen Vereins Greifswald. Dieser würdigt die Arbeit von Nachwuchsforschern an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität und deren Wert für die Region Vorpommern.

Den mit 2000 Euro dotierten Preis stiften die Sparkasse Vorpommern und der Unternehmerverband Vorpommern. Nach der Biomathematikerin Nele Friedrich ist Gebel der zweite Preisträger. „Die Würdigung ist eine große Ehre und Auszeichnung meiner mehrjährigen Arbeit“, äußert der Sieger, der die Jury überzeugen und sich gegen fünf Mitbewerber durchsetzen konnte.

Nach einem exzellenten Abitur in Hamburg begann Benjamin Gebel 2006 in Greifswald sein Studium der Humanmedizin. Seine Posaune brachte er mit in die Hansestadt. In der Uni Big Band, dem UniversitätsSinfonieOrchester (USO), der Band Und Hans und im Posaunenchor der Johanneskirche ließ er sie erklingen. „Ohne Musik geht es bei mir nicht. Sie war immer ein wichtiger Ausgleich“, erzählt der Nachwuchswissenschaftler. Bei seinem Doktorvater Professor Martin Lotze von der Funktionellen Bildgebung im Bereich der Diagnostischen Radiologie stieß er mit seinem Promotionsthema auf offene Ohren und Begeisterung. „2009 standen wir am Anfang einer Neuausrichtung. Die Möglichkeiten des Gehirns bei Spitzenbelastung sollten erforscht werden“, erinnert sich Martin Lotze. Allerdings lag der Fokus bei schwer betroffenen Schlaganfallpatienten. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) verglich Benjamin Gebel die Hirnaktivitäten bei Trompetern und Pianisten. Bislang bedachte die Forschung nur Pianisten und Streicher. Nicht allein als Posaunist waren Trompeter für den Nachwuchswissenschaftler spannend, sondern weil sie neben den Händen auch die Lunge und vor allem ihre Lippen benutzen müssen. Ein Ergebnis der in der internationalen Fachzeitschrift NeuroImage veröffentlichten Studie ist: Für die Lippen verantwortliche Bereiche des Gehirns sind aktiv, obwohl nur die Finger auf der Trompete bewegt werden. Für den Scan im MRT baute die Uni Tübingen extra ein Plastikmodell, weil für ein Spiel auf einer Trompete kein Platz in der engen Röhre wäre.

Für Benjamin Gebel waren die letzten sechs Jahre eine intensive Zeit. „Es ist wie ein Nachhausekommen“, sagt der Geehrte nach der feierlichen Verleihung. Im vergangenen November schloss er sein Examen ab. Drei Monate später folgte die Promotion. Im Februar erschien sein Fachartikel. Die Koffer packte er im März und trat Anfang dieses Monats seine fünfjährige Weiterbildung zum Anästhesisten in Lüneburg an. „Danach ist alles offen. Ich will allerdings in die Forschung“, berichtet er. Offen sei für den jungen Arzt derzeit die Richtung. Denn persönlich wie emotional fühle er sich der Musikforschung verbunden.

„Es war eine absolute Herausforderung“, erzählt der Trompeter Daniel Schwan. Mit Benjamin Gebel habe er viele Konzerte in Greifswald bestritten und sich gern für die Studie zur Verfügung gestellt. Er sieht sie als spannenden Mix aus Forschung und Leidenschaft an. Der Wissenschaftspreis für den Freund sei absolut toll.

„Wir haben den richtigen getroffen“, fand Uwe Seinwill als Jurymitglied und Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Vorpommern und stimmte darin mit dem Vorsitzenden des Medizinischen Vereins Greifswald, Professor Christof Kessler, überein. In diesem Jahr befindet sich die Organisation übrigens im 150. Jahr ihres Bestehens.

Die Möglichkeiten des Gehirns bei Spitzenbelastung sollten erforscht werden.“Prof. Martin Lotze, Neurologe

Uwe Roßner

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