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Greifswald So wird Greifswald von Müll befreit
Vorpommern Greifswald So wird Greifswald von Müll befreit
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12:00 08.03.2019
Joachim Schade (63) und Elke Jentzsch (61) mit einer Chipstüte, die sie am Wegesrand gefunden haben. Beide sind seit fünf Jahren Vorarbeiter im „grünen Bereich“ der ABS. Quelle: Pauline Rabe
Greifswald

 Leere Zigarettenschachteln, Lebensmittelverpackungen oder benutzte Taschentücher: Es vergeht kein Tag, an dem nicht eines dieser Dinge im blauen Müllbeutel von Elke Jentzsch landet. „Es ist Wahnsinn, wie achtlos die Menschen mit ihrer Umwelt umgehen“, sagt sie und sammelt einen Gegenstand nach dem anderen auf. Seit fünf Jahren ist sie eine von vier Vorarbeitern im „grünen Bereich“ der Gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeitsförderung, Beschäftigung und Strukturentwicklung (ABS), die die Stadt bei der Pflege kommunaler Grünflächen unterstützt. Am 30. März sind alle Greifswalder von 8 bis 12 Uhr dazu aufgerufen, mit anzupacken und ihre Stadt von Müll zu befreien. Dort heißt es zum zweiten Mal: Greifswald räumt auf!

Doch wie wird die Stadt abseits des gemeinsamen Frühjahrsputzes gesäubert? Die ABS leistet einen Beitrag dazu. 365 Tage im Jahr stehen unter Anleitung von Vorarbeitern Trupps von Menschen aus arbeitsmarktpolitischen und sozialen Maßnahmen bereit, um zusätzlich anfallende Arbeiten wie das Aufsammeln von Müll, das Auffegen von Laub oder das Zupfen von Unkraut zu übernehmen. Wer wie eingesetzt wird, darüber entscheidet Sachgebietsleiterin Katrin Lemm. Im engen Austausch mit der Stadt koordiniert sie, welche Tätigkeit wo benötigt wird. „Am meisten zu tun gibt es nach den Wochenenden“, weiß die 47-Jährige aus Erfahrung. Insbesondere wenn das Wetter schön gewesen ist, würden sich die Menschen in den Parks, auf Wiesen oder am Hafen treffen – und eine Menge Müll zurücklassen. Aber auch an gewöhnlichen Tagen käme einiges zusammen.

Plastikmüll, wohin das Auge reicht. Ein alltägliches Bild für die Mitarbeiter der Gesellschaft ABS. Quelle: Pauline Rabe

Illegale Entsorgung von Asbest

Dabei gibt es nichts, was die Menschen nicht illegal entsorgen. „Wir haben sogar schon einen toten Hund gefunden“, erzählt Jentzsch auf die Frage nach ihrem kuriosesten Fund. Aber auch Elektroschrott à la Kühlschrank, Trockner und ausrangierter Technik würden immer wieder in der Natur landen. „Wen wundert das? Es kommen ja ständig neue Geräte auf den Markt“, sagt Lemm und zeigt auf ein vergilbtes Fax-Gerät. So etwas wolle niemand mehr haben, fachgerecht entsorgen ebenso wenig. Warum das so ist, kann die 47-Jährige nur vermuten: „Ich tippe auf Faulheit. Wobei ich mich immer frage, ob es wirklich einfacher ist, seinen Müll heimlich in der Natur abzuladen statt einmal Sperrmüll zu beantragen.“

Gerade für Sondermüll würden auch oft die Container der ABS missbraucht werden. Immer zwei stehen an den punktuellen Einsatzorten der Gruppen: einer für Geräte, der abgeschlossen ist und einer für Bioabfälle wie Laub oder Grünschnitt, der unverschlossen ist. „Es dauert keine zwei Tage und der ist voll“, ärgert sich Jentzsch. Nicht selten lande in den orangefarbenen Behältern sogar Gesundheitsschädliches wie Dachpappe, die Asbest enthält. „Das würde natürlich Geld kosten, wenn man so etwas fachgerecht entsorgt.“ Also werde die Verantwortung einfach abgegeben.

In solchen Containern sammeln die ABS-Mitarbeiter Bioabfälle wie Laub und Grünschnitt. Viele Menschen nutzen die Behälter jedoch dafür, um illegal Sondermüll darin zu entsorgen. Quelle: Pauline Rabe

Vermüllung der Landschaft

„Es ist traurig zu sehen, wie schnell sich der Müll hier ansammelt. Keine Woche und es sieht wieder genauso aus“, sagt Kollege Joachim Schade. Auch er ist seit fünf Jahren als Vorarbeiter bei der ABS tätig. Die illegale Müllentsorgung beschränke sich seinen Beobachtungen zufolge auf keinen speziellen Teil der Stadt. „Oft werfen die Menschen ihren Müll aus dem fahrenden Autofenster.“ Dann täte der Wind sein Übriges.

Ist erst einmal alles aufgesammelt, werden die prall gefüllten Müllsäcke am Straßenrand abgestellt. Von dort aus werden sie auf das ABS-Firmengelände an der Klosterruine in Eldena gebracht – und nach Inhalt sortiert. „Wir tragen täglich dazu bei, dass unsere Stadt wieder sauber wird“, sagt Lemm. Deshalb ärgere es sie sehr, wenn ihre Mitarbeiter beim Aufsammeln von Müll verachtend angeschaut werden. Das passiere schon mal, schließlich fallen die Gruppen bis zu 30 Personen mit ihren grellen Warnwesten auf. „Doch ist es wirklich verachtenswert, das wegzuräumen, was andere nicht schaffen ordentlich zu entsorgen?“

Gemeinsamer Frühjahrsputz am 30. März

Bereits zum zweiten Malfindet am 30. März von 8 bis 12 Uhr die Aktion „Greifswald räumt auf“ statt. Zu dem Frühjahrsputz sind alle eingeladen, die ihre Stadt von Müll befreien möchten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In fast allen Stadtteilen werden an dem Aktionstag Container aufgestellt, in denen der gesammelte Müll entsorgt werden kann. Dort werden ab 8 Uhr außerdem Müllsäcke ausgegeben und an einigen Standorten sogar Handschuhe und Greifer ausgeliehen. Als Dankeschön können sich die Helfer gegen 12 Uhr mit Essen und Getränken an den Sammelstellen stärken.

Organisiertwird die Müllsammelaktion von der Greifswald Marketing GmbH gemeinsam mit der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, der Entsorgungsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mbH, den Wohnungsgesellschaften WVG und WGG und den Stadtwerken.

Pauline Rabe

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