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Greifswald Sonneborn in Dings: „Ich trinke sehr viel“
Vorpommern Greifswald Sonneborn in Dings: „Ich trinke sehr viel“
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00:00 29.10.2016
„Gemeinsam für Deutschland“: Martin Sonneborn berichtete von der „Partei“-Kampagne, dass AfD-Wähler auf dem Wahlzettel auch die NPD ankreuzen sollten. Dadurch wäre die Stimme ungültig. Quelle: kl

Aufsehenerregende Aktionen, aberwitzige Wahlplakate, inhaltsfreie Forderungen: Das Repertoire von Martin Sonneborn, von der Süddeutschen Zeitung als „Deutschlands Chefsatiriker“ bezeichnet, hat mittlerweile pralle Ausmaße angenommen. 2004 gründete er als Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ – kurz: Die „Partei“. Bei der Europawahl 2014 holte sie 0,63 Prozent, was Sonneborn einen Sitz im Brüsseler Parlament einbrachte. Genüsslich und in gewohnt unbekümmerter Art erzählte er am Donnerstagabend dem Publikum in der fast ausverkauften Greifswalder Stadthalle von seinen zwölf Jahren in der Politik.

Ein paar Kostproben: Als die FDP 2011 bei der Berliner Landtagswahl mit 1,8 Prozent aus dem Rathaus flog, ließen er und seine Gefolgsleute auf der „Wahlparty“ der Liberalen die Korken knallen und warfen mit Konfetti und Luftschlangen um sich, was zu seltsamen TV-Bildern führte. Sonneborn verteilte Zettel mit der Aufschrift „FDP? Muahahaha!“ Zur Bundestagswahl 2013 hingen die Satiriker Plakate mit der Aufschrift „Merkel ist doof!“ auf. „Die Staatsanwaltschaft prüft seit drei Jahren, ob das erlaubt war“, berichtete Sonneborn. Wegen der unklaren Rechtslage sei der Slogan später vorsichtshalber in „Merkel ist dick!“ abgeändert worden. „Dafür haben wir sogar Beweise.“

Der 51-Jährige rühmte sich damit, bei Abstimmungen im EU-Parlament abwechselnd mit Ja oder Nein zu stimmen. Sein Votum sei ebenso wie das der gesamten Opposition völlig unerheblich, da sich Vertreter der großen Koalition schon vor den Abstimmungen auf das Ergebnis einigten. Ein einziges Mal war seine Stimme wohl aber doch ausschlaggebend. Als es um die „Änderung einer unwichtigen Formulierung“

ging, war das Nein-Lager, zum dem auch Sonneborn zählte, mit genau einer Stimme vorn. Dieses Gefühl, als EU-Parlamentarier bedeutungslosem Tun nachzugehen, da es für ihn als fraktionslosen Abgeordneten („Ich bin der Abschaum des Parlaments.“) eh keine Chance auf Einflussnahme gebe – wie halte er das nur aus, wollte ein Zuschauer wissen. Antwort: „Ich trinke sehr viel.“

Zum Abschluss bat er noch darum, die „Partei“ per Unterschrift zu unterstützen, damit sie an der nächsten Bundestagswahl teilnehmen könne. Um staatliche Gelder aus der Parteienfinanzierung zu erhalten, müssen politische Vereinigungen mindestens 0,5 Prozent der Stimmen holen. Das Geld können die Polit-Parodisten dringend gebrauchen, denn möglicherweise steht ihnen eine Klage über fast eine halbe Million Euro ins Haus, da sie sich einer offensichtlichen Gesetzeslücke bedient haben. Die „Partei“ verkaufte Geld – 100 für 105 Euro. Laut dem Gesetz zur Parteienfinanzierung gibt es jährlich Geld für jeden eingenommenen Euro – angerechnet werden also nicht die fünf erwirtschafteten, sondern die gesamten 105 Euro. Der Wirtschaftsprüfer, der das für gangbar hielt, hat laut Sonneborn auch die AfD beraten, die Gold an- und weiterverkaufte.

Letztlich wollte er den Abend „hier in Dings“ nicht zu lang werden lassen. „Sie müssen ja morgen früh wieder auf die Felder.“ kl

OZ

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