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Greifswald Sozialarbeit: Schreiben der Verwaltung sorgt für Aufruhr
Vorpommern Greifswald Sozialarbeit: Schreiben der Verwaltung sorgt für Aufruhr
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17:26 25.09.2018
Im Kinder- und Jugendtreff Labyrinth wird oft gebastelt. Jugendsozialarbeiter helfen den Kindern dabei. Quelle: Peter Binder
Greifswald

Aufregung bei den Jugend- und Schulsozialarbeitern: In einer E-Mail der Verwaltung wurden die Träger aufgefordert, die Kosten für Personal um zehn Prozent zu kürzen. Das sorgte am Montagabend während der Sitzung des Sozialausschusses für große Sorgen. Etliche Sozialarbeiter waren gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Für die Fachkräfte, die jedes Jahr um Verlängerungen ihrer Verträge bangen müssen und meist deutlich weniger Lohn als ihre gleichqualifizierten Kollegen im öffentlichen Dienst bekommen, wären mögliche Kürzungen fatal. „Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass wir hier in Greifswald nochmal so über Sozialarbeit sprechen würden“, sagte Angela Leddin vom Deutschen Kinderschutzbund Kreisverband Vorpommern-Greifswald. Die ehemalige Schulleiterin der Ernst-Moritz-Arndt-Schule forderte: „Statt zehn Prozent zu kürzen, müsste es zehn Prozent mehr drauf geben.“

Kürzungen keine Lösung

Diese Kürzungen würden vor allem eines bedeuten: dass Stellen wegfallen, wie Tino Höfert, jugendpolitischer Koordinator beim Stadtjugendring Greifswald, betonte. Die Träger hätten keine zehn Prozent über, die sie aus eigener Tasche zahlen könnten. Viele Anstellungen hätten keine Vollzeitjobs, sondern seien mit 35 oder 37,5-Wochenstunden beschäftigt. „Wenn etwas gekürzt werden muss, dann geht das nicht über Arbeitsstunden. Die Stelle eines Jugend- oder Schulsozialarbeiters wäre sofort weg“, so Höfert weiter. Auch Heinz Kissel, Vorstandsvorsitzender des Vereins Öffnung der Schulen, beunruhigte die Mail der Verwaltung: „Wir müssen bald ausschreiben, weil ein Mitarbeiter Ende des Jahres in Ruhestand geht. Wir kriegen nur Fachkräfte, wenn wir diese adäquat bezahlen.“ Mit Kürzungen könne der Verein nicht arbeiten, „weil es dann eine Stelle weniger bei uns geben würde“, sagte Kissel.

Linke fordert klare Aussage vom Land

Die Mail aus der Verwaltung zeigt, wie immens der interne Druck ist, einen ausgeglichenen Haushalt für die kommenden beiden Jahre zu erreichen. Wegen zahlreicher großer Bauprojekte, die Millionenbeträge verschlingen, ist Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) gezwungen, in allen Bereichen nach Sparmaßnahmen zu suchen. Mignon Schwenke (Linke), Vorsitzende des Sozialausschusses, will die Kürzungen in der Jugend- und Schulsozialarbeit nicht hinnehmen: „Wir werden dafür kämpfen, dass in diesem Bereich nicht gespart wird.“ Sie gibt der Landesregierung Mitschuld an der finanziellen Misere in dem Bereich. „Es muss eine klare Aussage zur Sicherung von Jugend- und Sozialarbeit geben. Das Land muss sich positionieren.“ Die Schulsozialarbeit in MV ist bis 2020 mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds gesichert: Noch steht nicht fest, wie es danach weitergehen soll. „Qualität und Aufwand müssen gesichert werden. Dies dürfe nicht über Kürzungen passieren“, sagte Schwenke. Ähnlich sieht es Bürgerschaftsmitglied Ibrahim Al Najjar (SPD): „Wenn wir eine bessere Zukunft für die Kinder wollen, dürfen wir im Bereich Sozialarbeit nicht kürzen.“

Verwaltung rudert zurück

Carola Felkl, Abteilungsleiterin für Schulverwaltung und Sportentwicklung, entschuldigte sich für das elektronische Schreiben: „Die Mail war vielleicht zu drastisch. Es tut mir leid, dass es für Aufregung gesorgt hat.“ Pauschale Kürzungen von zehn Prozent soll es nicht geben, versprach sie. Stattdessen soll es Einzelgespräche mit den Trägern geben, wie die Finanzierung in den nächsten zwei Jahren aussehen soll. Noch in diesem Jahr will die Stadt einen Entwurf zu einer Leistungsvereinbarung vorlegen. „So können wir, wie in den vergangenen Jahren, alles sachlich und vernünftig regeln.“ Ob damit doch noch Kürzungen verbunden sind, bleibt derzeit offen. Fest hingegen steht: Mit zusätzlichen Mitteln darf niemand rechnen.

Christin Weikusat

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