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Greifswald Spantekower Wasserburg älteste in Norddeutschland
Vorpommern Greifswald Spantekower Wasserburg älteste in Norddeutschland
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00:00 15.09.2018
Kaspar Freiherr von Harnier, hier mit seiner Frau, erwarb 1999 die Heimat seiner Vorfahren. Am Tag des offenen Denkmals kamen viele Gäste.
Spantekow

Die Wasserburg in Spantekow gilt bei Experten als älteste und bedeutendste Anlage der Renaissance in ganz Norddeutschland. Das historische Gebäudeensemble mit den mächtigen Mauern und den geräumigen Kasematten ist ein potenzieller Besuchermagnet im Hinterland der Küste, nicht weit von Anklam. Etwa vier Hektar ist das Gelände groß.

Die Anlage zählt zu den wichtigsten Denkmälern des Kreises / Ihre Sanierung läuft mühsam, ein Ende ist nicht in Sicht

Gebaut wurde die Burg Spantekow 1558 bis 1567 durch Ulrich von Schwerin (um 1500 bis 1575), einem der einflussreichsten Männer des Herzogtums Pommern-Wolgast seiner Zeit und zudem sehr vermögend. Er war lange Jahre Großhofmeister. Über dem Eingang zur Burg kann man Ulrich von Schwerin und seine Frau Anna von Arnim bewundern. Die Plastiken sind 2002 entstandene Kopien. Die stark beschädigten Original-Bildhauerarbeiten befinden sich im Remter. Dort kann man auch einen laut Inschrift aus dem Jahre 1576 stammenden Kamin bewundern.

Die Burg Spantekow hat die Kriege zwischen Brandenburg und Schweden nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht unbeschadet überstanden. Kurfürst Friedrich Wilhelm (der Große Kurfürst, 1620 bis 1688) ließ

1677 nach der Einnahme Spantekows die Festung schleifen. Das Herrenhaus wurde 1899 und 1901 umgebaut. Damals erhielt der Treppenturm eine barocke Haube und der zentrale Teil des Gebäudes wurde aufgestockt und mit einem Volutengiebel geschmückt.

Im Moment kann die Burg wegen laufender Bauarbeiten nicht besichtigt werden. Eine Ausnahme war der Tag des offenen Denkmals 2018, als mehrere Hundert Menschen den Remter des Herrenhauses und die Anlage besichtigten. Aktuell läuft die Sanierung des Dachs des Haupthauses. Bund, Land und die Reemtsma-Stiftung geben Geld, auch das ist ein Beleg für die Bedeutung des Denkmals. Allerdings fehlen rund 300000 Euro, um neue Ziegel zu verlegen, so die Eigentümer. Immerhin ist das Dach dicht. Das des Wirtschaftsgebäudes bekam schon neue Ziegel.

1999 hat Kaspar Freiherr von Harnier, Enkel des letzten Besitzers zum Zeitpunkt der Bodenreform (Hans Bone von Schwerin), das Burgareal zurück erworben. Mit seiner Frau wohnt er inzwischen im früheren Gärtnerhaus. Der 80-Jährige von Harnier bemüht sich nun seit fast zwei Jahrzehnten um eine Sanierung und eine neue Nutzung. Insbesondere das Land, aber auch der Bund, die Deutsche Burgenvereinigung und Privatleute haben das Vorhaben in den vergangenen Jahren unterstützt. Ein Förderverein sammelt Spenden. Vor 1945 wurden für den Unterhalt die Erträge der Land- und Forstwirtschaft des rund 2500 Hektar umfassenden Spantekower Besitzes verwendet.

Der Traum von einer 35-Millionen-Euro-Investition für ein 120-Betten-Hotel mit Gastronomie, Brauerei, Sportanlagen und Wohnungen ist inzwischen ausgeträumt. „Das war zu hoch gegriffen“, schätzt von Harnier ein. Er setzt jetzt auf kleine Schritte, stellt sich eine neue Nutzung als Veranstaltungsstätte vor, zum Beispiel für die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Dafür würde sich insbesondere das Wirtschaftsgebäude eignen, das 300 bis 500 Menschen Platz bietet. Auch ein Museum kann er sich ebenso vorstellen wie Ferienwohnungen. „Im Haus sind 30 bis 40 Zimmer.“

Ob er den Erwerb der durch die Boddenreform 1945 enteigneten Burg inzwischen bereut hat? Das verneint von Harnier. Seine Mutter habe immer auf eine Rückkehr nach Spantekow gehofft. Schließlich sei die Burg schon 1258 in den Besitz der Familie gelangt. Die Wiedervereinigung habe seine Mutter noch erlebt, so der Enkel. „Als wir Spantekow übernommen haben, war das Haus in einem grauenhaften Zustand“, erzählt von Harnier. „Es war völlig verwohnt, Böden waren durchgefault, so dass man durchbrechen konnte.“ Zu DDR-Zeiten war das Wohngebäude ein Pflegeheim.

Immerhin hatten ABM-Kräfte schon die Kasematten und das Verlies von Müll befreit und Aufräumarbeiten durchgeführt. 2009 unterstützte das Land die Ausschachtung der Krypta der 1748 abgebrannten Burgkirche und die Wiederherstellung der Gewölbe. Und 2015 wurden Reste der Mauern der mittelalterlichen Burg, also des Vorgängers der Renaissance-Anlage, saniert. So gesehen hat sich seit dem Jahr 1999 einiges getan.

Fast 100 Jahre prozessiert

Im Jahre 1634 stirbt Vivigenz von Schwerin. Dadurch wird der mit seiner Schwester Katharina verheiratete Schwede Erich Graf von Steenbock Besitzer Spantekows.

Im Nordischen Krieg enteignet der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. die Spantekower Besitzungen, die so zur königlichen Domäne werden. Nach dem Krieg endet die Schwedenzeit.

Einer der bedeutendsten Generäle Friedrich II., der Feldmarschall Curd Christoph von Schwerin, klagt 1738 gegen den König auf Rückgabe.

Erst 1833 bekommen die Schweriner Spantekow zurück und werden mit 40000 Talern entschädigt.

Eckhard Oberdörfer

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